Die ersten Kronstädter Fotografen und ihre Geräte

Schenkung von Gheorghe Corcodel an das Museum der städtischen Wohnkultur

Sonntag, 13. April 2014

Árpád Udvardi, Direktorin Ligia Fulga und Ioniţă Andron (von links) bei der Vorstellung des von Gheorghe Corcodel dem Museum geschenkten Fotostudiogerätes. Foto: Ralf Sudrigian

Anlässlich der 110 Jahre seit dem Tod des Kronstädter Fotografen Carl Muschalek (1857  - 1904) wurde beim Museum der städtischen Wohnkultur (Marktplatz 15) eine erste Schenkung seitens des heute in Deutschland lebenden Fotografen Gheorghe Corcodel vorgestellt. Das wichtigste Stück dieser Schenkung ist ein Studio-Fotogerät der Marke „Stella Görlitz“ mit einem Voigtländer-Heliar Objektiv. Das Gerät, das um das Jahr 1920  bei „Neue Görlitzer Kamerawerke“ hergestellt wurde, galt als eines der besten jener Zeit und ist für Aufnahmen auf Glasplatten von 18x24cm gedacht. Es steht auf einem Holzstativ mit den Maßen 188x72x80cm und war Eigentum der Familie Muschalek.

So kommt es nun, dass dieses Gerät, nach Jahrzehnten, nach Kronstadt zurückkehrt, wo es zusammen mit alten Fotos, Dokumenten und Geräten die Anfänge der Fotokunst in Kronstadt dokumentiert. Museumsdirektorin Ligia Fulga dankte dem Kronstädter Fotografen und Sammler Gheorghe Corcodel für die Schenkung. Corcodel konnte wegen seinem hohen Alter (geboren wurde er 1933 in Reps) nicht anwesend sein. Er wurde von Museumsmitarbeiter Ioniţă Andron vorgestellt der auf die beeindruckende Fotosammlung von Corcodel hinwies, der in den 1970er Jahren für das Kronstädter Geschichtsmuseum als Fotograf tätig gewesen war. Rund 1000 alte Kronstädter Fotos  befinden sich heute als „Sammlung Gheorghe Corcodel“ im Besitz des Staatsarchivs Freiburg.

Dank dem Kronstädter Sammler erhielt das Museum Fotos (vor allem Porträts, aber auch historische Aufnahmen des Angerplatzes sowie des Schwarzen Turmes mit der Schwarzen Kirche) von Muschalek. Zu sehen und zu lesen sind auch handschriftliche Aufzeichnungen aus dem Jahre 1977 in Deutsch und Rumänisch in denen die damals 87jährige Tochter Muschaleks, Maria Riemer, die Tätigkeit in diesem Familienunternehmen beschreibt. Ioni]² Andron umriss kurz die Anfänge der Kronstädter Fotokunst. Carl Muschalek eröffnete 1884 nach den bei Leopold Adler verbrachten Lehrjahren in der Purzengasse (heute Nr.28) ein eigenes Fotostudio. Bemerkenswert ist, unterstrich Andron, dass es bereits in den 1860er Jahren in Kronstadt sieben Fotostudios gegeben hatte. Das sei ein weiterer Beweis für den Wohlstand der damals in Kronstadt erreicht werden konnte, sagte Ligia Fulga und wies auf den historischen Wert der alten Fotografien hin. Die meisten Aufnahmen waren Studioaufnahmen (Porträts) von Brautpaaren, Kinder, Familien. Hinzu kommen aber auch Landschafts- und Stadtaufnahmen.

Wie vor rund hundert Jahren in diesen Studios gearbeitet wurde, schilderte anschließend der Fotograf Árpád Udvardi. Er zeigte vor, wie mit dem Studiofotogerät vorgegangen wurde und unterstrich, dass die eigentliche Studio-Fotokunst bis zum Siegeszug der Digitalfotografie keine grundlegenden Änderungen durchgemacht hätte.

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