Die Frage bleibt: Warum?

Gedenkmesse in Großwardein zum Märtyrertum einer Ethnie

Montag, 02. Februar 2015

Schüler des Friedrich Schiller Gymnasiums rezitierten Gedichte
Foto: DFDR Großwardein

Großwardein - Am 25. Januar zelebrierte der römisch-katholische Bischof László Böcskei in Großwardein/Oradea eine deutsche Gedenkmesse für die Deportierten in der römisch-katholischen Mariä Heimsuchung- Kirche.

Gemeinsam mit dem Pfarrer Mihai Mârt und den Gläubigen betete er sowohl für die noch lebenden, als auch für die verstorbenen Deportierten und die Mitglieder des DFD aus dem Kreis Bihor. Das historische Gedenken an die vor 70 Jahren stattgefundene Deportation in die Sowjetunion vertraute man dem lieben Gott in besonderer Weise in dieser Heiligen Messe an.  Zu Beginn der Messe begrüßte der  Bischof die noch lebenden Deportierten und deren Angehörigen in deutscher, rumänischer und ungarischer Sprache. Helene Vodă, Vorsizende des Kreisforums Bihor sprach auch ein Grußwort. Sie berichtete, dass aus dem Kreis Bihor 546 Menschen deutscher Abstammung in die Sowjetunion zu Zwangsarbeiten deportiert wurden, davon sind 116 dort gestorben. Heute leben nur noch 29 Personen von ihnen. Von denen ,die zurückgekehrt sind und noch leben, sind die meisten bettlägerig. Heute  sind auch einige da, die dort geboren wurden. Helene Vodă betonte, dass dieses Ereignis in die Geschichtsbücher gehört, damit es sich nicht nochmal wiederholt. Sie zog Parallelen zwischen dem Holocaust und der Deportation nach Rußland. Wie ungerecht es war, dass unschuldige Menschen in beiden Fällen leiden und sterben mussten.

Im Leben dieser Opfer bleibt  immer die Frage offen: Warum? Niemand kann diese Frage beantworten. Der Bischof erklärte in seiner Predigt: „Wir müssen eins nicht vergessen, wenn wir auf der Suche sind solche Fragen zu beanworten, wie: „warum musste das mit mir passieren” oder „wo war der liebe Gott, als diese grausammen Dinge passierten”, „warum griff er nicht mit seiner göttlicher Kraft ein” - der liebe Gott ist auch geheimnisvoll, es gibt nicht immer eine Antwort auf die Fragen. Wir können das Leiden nicht verstehen, aber sollten nie aufgeben an Gott festzuhalten und an ihn zu glauben“. Anhand eines Beispiels ermutigte er die Deportierten. Die Mutter des Bischofs Martin Roos aus Temeschwar/Timişoara wurde auch nach Rußland deportiert. Sie hat die Hoffnung nicht aufgegeben, dass sie ihr Leben irgendwann mal neu gestalten darf. Auch in den schwierigen Situationen betete sie, obwohl sie auch gegen Gott rebellierte. Doch schließlich schloss sie mit ihm Frieden. Und es ist wichtig sich vor Augen zu halten: Gott lenkt unser Leben. Ohne ihn ist das Leben Hölle.

Am Ende der Heiligen Messe gedachten Kinder von der Friedrich Schiller- Schule aus Großwardein mit Gedichten der Deportierten. Sie verteilten anschließend auch Blumensträuße an die anwesenden Opfer der damaligen Zeit. Auch zwei Schüler von dem römisch-katholischen Szent László-Gymnasium lasen Gedichte vor. Vivien Vasi, ein kleines Mädchen, sang das Ave Maria zu diesem Anlass. Der Chor des Forums sang auch Lieder für die Deportierten. Von der Leitung des Friedrich Schiller- Lyzeums nahm Iuliana Krisztina Vasi an der Heiligen Messe teil. Von dem Szent László- Gymnasium war  die Direktorin Éva Zalder anwesend, ebenso Lehrer von  beiden Schulen. Die Kirche war zu diesem Anlass voll. Mit den Worten des  Bischofs verließ man den Gottesdienst: „Gott nahe bleiben, der Glaube hilft immer”. Die Verstorbenen bleiben in unserer Erinnerung und jedes Jahr gedenken wir ihrer.

Ottilia Kellermann

Kommentare zu diesem Artikel

Tourist, 03.02 2015, 23:11
Warum? Weil Genosse Jossif Wissarionowitsch Dschughaschwili es so wollte.

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