Die Freiwilligen von Forum ARTE

Ein Gespräch mit Begeisterten

Dienstag, 14. Februar 2017

Auf die Frage, ob in Zeiten des Aufruhrs und der Straßenproteste die Beschäftigung mit Kunst keine Flucht bedeute, reagieren sie vehement. Nein, überhaupt nicht! Das Gespräch ist eröffnet und wird mit Leidenschaft geführt. Dabei ist keine von ihnen Künstlerin „von Beruf”. Ioana ist Architektin, Anca Marketing-Fachfrau, Andreea unterrichtet Englisch und Andrea ist Projektmanagerin. Gemeinsam haben sie das freiwillige Engagement für Forum ARTE, die inzwischen so bekannte Stiftung für Kultur und Kulturgut in Kronstadt/Braşov. Was motiviert diese vier jungen, erfolgreichen, in ihrem Beruf voll eingespannten Frauen, dass sie sich hier unentgeltlich einbringen? „Wir sind auf einen fahrenden Zug aufgesprungen” meinen sie, und „wir sind jetzt der Motor!”

Im Sommer sind sie an jedem Samstag und Sonntag präsent: Sie verteilen Konzertprogramme, begrüßen Gäste, sorgen für einen reibungslosen Ablauf der Konzerte im Rahmen des Festivals Musica Barcensis, das von Forum ARTE in Partnerschaft mit evangelischen Kirchengemeinden organisiert wird. Die Werbung haben sie längst geschaltet, und sie greift! Weil sie so effizient sind und die Dorfkirchen sich inzwischen restlos mit Publikum füllen, müssen die vier Damen sich überlegen, wie es weitergehen soll: noch mehr oder noch besser? Das ist die Frage!

Musica Barcensis ist eine sommerliche Konzertreihe in verschiedenen Dorfkirchen des Burzenlands. Die Kulturszene ist reicher geworden, bunter und viel lebendiger durch diese Konzerte an den Wochenenden. Es gibt schon einen regelrechten Tourismus, zum Teil auch mit dem Fahrrad, von Veranstaltung zu Veranstaltung. Eine stetig wachsende Facebook-Community interessiert sich für die Events. „Wir sind mehr als nur Volontäre, wir bringen uns ganz ein. Wir möchten aus dieser Stiftung etwas machen!” sagt Ioana. Die drei Worte, die das Ziel umreißen sind, auf Rumänisch formuliert: educaţie – muzică – patrimoniu (Bildung, Musik, Kulturerbe). Andreea ergänzt: „Meine Schülerinnen und Schüler hören von mir immer: Impliziere dich! Dann auch du selbst, habe ich zu mir gesagt, und arbeite für Forum ARTE.“ Sie hängt sich zum Beispiel die Kamera um den Hals und hält Konzerte im Bild fest. In digitalen Zeiten kann es nicht genug Fotos geben. Durch Facebook et co. verbreiten sich diese dann wie ein Lauffeuer. Jede ihrer Mails, das verraten Andreeas Kolleginnen mit einem Lächeln, schließt mit dem gleichen Satz: „If a job is worth doing, it is worth doing well.” (Wenn es wert ist, etwas zu tun, ist es wert, gut getan zu sein).

Anca bringt die Designerin ihrer Firma dazu, alle Plakate für die Stiftung ohne Honorar zu gestalten. Das sind in den fünf Jahren, seitdem Forum ARTE aktiv ist, so einige! Und sie wirbt Sponsoren. Als Mutter eines musikalisch hochbegabten Sohnes weiß sie, wie viel in die Ausbildung junger Talente investiert werden muss. Die Stiftung besitzt eine Flöte, die als Übe-Instrument verliehen wird und einer Studentin schon zu einem Platz an der Bukarester Musikhochschule verholfen hat. Da wäre noch Luft nach oben, finden alle vier Damen: Es könnte Stipendien, Meisterkurse und mehr Mäzenatentum geben, um junge Menschen auf den Weg der Musik zu bringen. Zu ihren erfolgreichsten Projekten gehört das weihnachtliche Kinder- und Jugendkonzert „Ascultaţi colindul îngerilor” (Hört den Engelsgesang), das zweihundert junge Menschen in der Schwarzen Kirche zum Singen bringt.

Auf Projekte und Neuerungen angesprochen, sprudeln die vier nur so vor Ideen. Das Träumen haben sie nicht verlernt. Wie wäre es mit einer Verbindung von Konzert und kunsthistorischer Führung, wenn die Veranstaltungen an so zauberhaften Orten stattfinden, wie es die Kirchen des Burzenlandes sind? Was ist mit den Geschichten und Sagen des Ortes? Eine Kunstform greift in die andere über, selbst Gastronomie sollte eine Rolle spielen. Anca, Andreea, Ioana und Andrea beklagen sich nicht über zu viel Arbeit, sie meinen nur, die Agenda von Forum ARTE sei so voll, dass keine Energie für weitere Projekte frei bleibe. Dabei sind sie nicht alleine: Steffen Schlandt, der künstlerische Leiter, verantwortet für den Inhalt der Konzerte und auf einige weitere Freiwillige kann man fallweise zählen. Podien und Pulte aufstellen, Mikrophone und Stative schleppen, Scheinwerfer und Tasteninstrumente organisieren, das sind bei Forum ARTE Gratis-Männerjobs!

Viel kommt auch auf die Mitarbeit der örtlichen Partner an. Manche Erfahrungen lehren: Man könnte noch besser kommunizieren. Nicht alle brennen für die Ideen, und Siebenbürger Sachsen, finden die Damen, begeistern sich nur zögerlich. Neues? Weit geöffnete Kirchentüren? Geld für Konzerte? Manches Mal weht ihnen ein kalter Wind entgegen. Davon sollte aber in diesem Gespräch gar nicht die Rede sein, meint Andrea. Zu schön sind die Projekte! Offenbar macht es ihnen selbst auch Spaß, denn sie finden kaum ein Ende ihrer Erzählungen. Als es sechs Uhr vom Turm schlägt, erheben sich alle vier. Bachchorprobe! Und danach: Bürgersinn beweisen bei der abendlichen Demo Anfang Februar in Kronstadt.

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