Die Galerie Alter Rumänischer Kunst im Bukarester Kunstmuseum

Ausstellung anlässlich des 150-jährigen Bestehens der Sammlung

Sonntag, 06. März 2016

Henri Trenk: Fürstenkirche in Curtea de Argeş (Aquarell)

Derzeit und noch bis zum 31. März dieses Jahres zeigt das Nationale Kunstmuseum Rumäniens in Bukarest im Erdgeschoss seines Ştirbei Vodă-Flügels eine Ausstellung, die an den Aufbau jener Sammlung erinnern soll, die den Grundstock der Galerie Alter Rumänischer Kunst bildet, welche heute im ersten Stock des Kunstmuseums (Eingang von der Calea Victoriei aus) untergebracht ist und mittlerweile auf anderthalb Jahrhunderte ihres Bestehens zurückblicken kann. Bei den Exponaten der Sonderausstellung handelt es sich um 105 Gemälde und Zeichnungen des Schweizer Malers Henri Trenk (1818-1892), der auf Veranlassung des Archäologen, Schriftstellers und Politikers Alexandru Odobescu (1834-1895) und gemeinsam mit diesem zwischenzeitlich auch als Minister wirkenden Wissenschaftler die systematische Erforschung rumänischer Kulturgüter insbesondere in Argeş und Vâlcea, ihre zeichnerische Erfassung und ihre umfassende Inventarisierung betrieb.

Nach der Säkularisierung der rumänischen Klöster im Jahre 1863 nahm sich der rumänische Staat der Aufgabe der Konservierung dieser Kulturdenkmäler an, nicht zuletzt mit dem Hintergedanken, dadurch seine kulturelle Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich zu demonstrieren, gleichsam im Vorgriff auf die Erlangung seiner politischen Unabhängigkeit. Nicht von ungefähr wurden Exponate der am 1. September 1865 offiziell gegründeten und als ekklesiastische Untersektion in den Bestand des damals sogenannten Nationalmuseums für Antiquitäten integrierten Sammlung auch bei der Pariser Weltausstellung 1867 einem internationalen Publikum präsentiert.

Neben den künstlerisch-dokumentarischen Zeichnungen und Gemälden Henri Trenks sind in der von Emanuela Cernea und Lucreţia Pătrăşcanu kuratierten Ausstellung auch insgesamt 31 Kultgegenstände, Manuskripte, Drucke und andere wertvolle Objekte insbesondere aus dem 16. und 17. Jahrhundert zu bewundern, wobei der umfangreiche Katalog auch die in der Bukarester Ausstellung nicht gezeigten Bestandteile der Sammlung Trenk enthält. Besonders interessant sind dabei die Juxtapositionen von realen historischen Objekten und den Trenkschen Reproduktionen derselben, wodurch die Leistungen des Duos Odobescu/Trenk doppelt anschaulich ans Licht gehoben werden. Alle Exponate sind freilich aus konservatorischen Gründen nur in gedämpftem Licht zu sehen, und der Vorraum der Bukarester Ausstellung ist gar in tiefstes Dunkel gehüllt, weil dort eine Diashow einen informativen Überblick über die Entstehung und den damaligen Bestand der Sammlung Odobescu/Trenk gibt. Unterstützt wurde das Kunstmuseum dabei vom Bukarester Geschichtsmuseum und vom Museum „Vasile Pârvan“ in Bârlad.

Museografisch exzellent ist die Aufbereitung der Informationen zu den einzelnen Exponaten. Gleich am Eingang zum Ausstellungssaal hängt die Ikone der Heiligen Simon und Sava aus den Jahren 1522-1523. Zunächst wird das Objekt materialiter beschrieben: Tempera auf Holz, vergoldeter Hintergrund, speziell gearbeiteter Rahmen. Dann folgt die Erwähnung der Auftraggeberin Miliţa Despina, der Gattin Neagoe Basarabs. Die Nennung des Fundorts (Kloster Ostrov) und des Zeitpunkts der Registrierung (1860) sowie der Zeitpunkt der Integrierung (1865) in die Sammlung des Nationalmuseums für Antiquitäten runden die museografische Information ab, nicht ohne ähnlicher Objekte wie der ebenfalls in Ostrov registrierten Ikone des hl. Nicolae Erwähnung getan zu haben. Die Darstellung einer Kreuzabnahme aus den Jahren 1522-1523 zeigt eine doppelte Beweinungsszene: Maria und Josef beweinen den toten Jesus, während die verkleinert dargestellte Despina ihren toten Sohn, den Woiwoden Theodosie, beweint. Ein daneben hängendes Gemälde Trenks (Öl auf gewachstem Papier) zeigt im Mondlicht das Kloster Ostrov, wohin sich Despina nach dem Tode Teodosies als Nonne Platonida zurückgezogen hat.

Die in der Ausstellung gezeigten Gemälde und Zeichnungen Henri Trenks lassen sich in zwei Gruppen einteilen. Zum einen handelt es sich dabei um detailgenaue Wiedergaben von Kirchen und Klöstern, darunter ein wunderbares kleines Ölgemälde der Bukarester Stavropoleoskirche, von Türen und Gebäudeteilen, von Skulpturen und Grabsteinen, von Kreuzen und Ikonen, von kultischen Priesterkleidern und -gewändern, von Manschetten und Wappen, von Altarvorhängen und Kultgeräten, von Paramenten und Tüchern wie Palla und Kelchvelum. Zum anderen handelt es sich um Landschaftsbilder in bester romantischer Tradition, wo die Stimmung und die Atmosphäre im Vordergrund stehen, während das historische Objekt im wahrsten Sinne des Wortes in den Hintergrund gerät. Das zeigt sich besonders deutlich an den Bildern von Klöstern in gebirgiger Landschaft, etwa Stânişoara oder Pătrunsa, wo die zerklüfteten Felsen die ganze Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich ziehen und das betreffende Kloster zu einem nebensächlichen Detail wird.

Die Vielzahl der von Trenk gezeichneten und gemalten Klöster macht deutlich, welchen gewaltigen kulturellen Reichtum Rumänien, ohne noch die berühmten Klöster in der Moldau zu erwähnen, bereits auf dem Gebiet der Walachei besitzt, man denke nur an das Kloster Cotmeana zwischen Piteşti und Râmnicu Vâlcea oder an das Kloster Cozia im Flusstal des Alt/Olt, die ebenfalls beide von Trenk abgebildet wurden. Man kann ein Gutteil der in der Bukarester Ausstellung gezeigten Werke Trenks deshalb auch als landeskundliche Einführung in die Kulturgeografie des walachischen Teils Rumäniens in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts betrachten und genießen.

Beeindruckend sind selbstverständlich alle in Bukarest gezeigten historischen Gegenstände, angefangen von einem mächtigen, schweren, reich bestickten Kaftan aus dem 16. Jahrhundert, einer mit Silber- und Goldfäden auf gefärbter Seide gearbeiteten liturgischen Stola (rum. epitrahil) aus der Zeit Barbu Craiovescus (II.), mehreren Ikonen, über den Stab des Abtes Ioan von Hurezi aus dem 17. Jahrhundert und eine russische Epitaphdecke aus dem Kloster Tichwin bei St. Petersburg, von der man nicht weiß, wie sie in den Besitz des Klosters Bistriţa gelangt ist, bis hin zu den wertvollen Exponaten, die auf einem langen Tisch in dem großen und einzigen Ausstellungssaal, gemeinsam mit den dazu gehörigen Trenkschen Zeichnungen, präsentiert sind: Segnungskreuze, ein Kelch, Manschetten, Tetraevangelien (Macarie, 1512; Marcea, 1518-1519), ein Weihrauchschwenker, ein Duftgefäß und noch viele Gegenstände mehr, für die allein sich schon der Besuch dieser sehenswerten Bukarester Ausstellung lohnt. Ergänzend bietet sich ein Gang durch die Galerie Alter Rumänischer Kunst im Hauptflügel des Kunstmuseums an, zumal die Sonderausstellung mehrfach auf dort präsentierte Exponate verweist.

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