Die Geschichte einer Leidenschaft

„Blumenthal“, ein Verlag mit Banater Wurzeln

Dienstag, 03. April 2012

Der mutige Schriftsteller und Sänger Nicu Vladimir war der Grund, warum der Verlag „Blumenthal“ gegründet wurde. Foto: Privat

Er trug seine Haare lang, spielte Folk und klebte die Worte „Es kümmert mich“ (rumänisch: „Mie-mi pasă“) auf seine Tür. Zu kommunistischen Zeiten brauchte man dazu unglaublich viel Mut. Doch nichts konnte den Schriftsteller und Sänger Nicu Vladimir (1950 – 1995) davon fernhalten, durch seine unkonventionellen Lebenseinstellungen, durch seine Texte und Lieder dem Regime zu trotzen. Daher wurden seine Texte jahrelang nicht veröffentlicht. Jahrzehnte später soll aber eben sein Mut der Hauptgrund sein, warum der Bukarester Verein „Blumenthal“ existiert.

Am Anfang stand eine Liebe. Eine Liebe und eine Bewunderung. Sie breiteten sich aus und wurden zu einem Buch. Und mit dem Buch kam auch ein Verlag zustande. Aus Respekt Nicu Vladimirs Werk gegenüber haben sich 2010 zwei Temeswarer Künstler, eine Regisseurin und ein Sänger, in Bukarest ansässig, dazu entschieden, einen Verlag zu gründen. Ursprünglich nur mit einem einzigen Ziel im Hinterkopf: Die Texte von Nicu Vladimir zu veröffentlichen. So kam es dazu, dass der neu gegründete Verlag „Blumenthal“ im Jahr 2010 mit dem Buch „Der müde Arbeiter“ von Nicu Vladimir (Originaltitel: Lucrătorul ostenit“) seine Präsenz auf dem Markt bekundete.

„Können Sie sich vorstellen, was das heißt, wenn sich ein Regisseur und ein Dichter bzw. Sänger, dazu entschließen, ein Business zu starten.

Es ist ein Chaos. Künstler können mit Verträgen und Papierkram nur schwer klar kommen“, erzählt Lorena Petre, derzeit Leiterin des Verlags und von Beruf Regisseurin. Doch der Erfolg des ersten Buches ermutigte Lorena Petre und ihren Bruder, Daniel Silvian Petre, weiterzumachen. Es kamen Bestellungen aus der ganzen Welt: aus London und den USA, aus Paris und Wien. Vor allem ausgewanderte Rumänen, aus der Generation von Nicu Vladimir, die „jahrzehntelang auf das Buch gewartet haben“, so Lorena Petre, haben sich die Gedichtsammlung zuschicken lassen. Doch die Texte kamen auch bei jungen Lesern gut an. Es war vor allem der Buchdeckel, der sie verlockte: Ein Mann mit langen Haaren, einem Haarband und staubigen Bergschuhen. Ein rebellischer Hippielook. „Das Foto veranlasst dich dazu, das Buch vom Regal zu nehmen und es durchzublättern“, sagt Lorena Petre.

Es kamen dann weitere Bücher mit gutem Anklang bei den Lesern: „Offenbarungen über Kunst und Leben. Skizzen und Aphorismen von Marcel Guguianu“, „Die Fenster der Nacht“ von Llelu Nicolae Vălăreanu sowie „Overdose&Napalm d´Or“ von Daniel-Silvian Petre. Vor allem die Gedichtsammlung „Ich habe noch eine einzige Sehnsucht“ ließ sich gut verkaufen, wobei der rumänische Originaltitel „Mai am un singur doors“ eine Anspielung auf den rumänischen Dichter Mihai Eminescu und Jim Morrison, Leadsänger der Rockgruppe „The Doors“ ist. „Wir haben diesen Titel gewählt, weil wir der Meinung sind, dass diese zwei Persönlichkeiten die Jugendlichen am stärksten beeinflusst haben und noch beeinflussen werden“, so Lorena Petre. Die Sammlung umfasst Gedichte von rumänischen Nachwuchsautoren, wie zum Beispiel Mihnea Blidariu (Leadsänger der Musikgruppe „Luna amară“), Anca Mizumschi, Marian Oprea, Şerban Axinte. „Ich muss gestehen, die Auswahl erfolgte subjektiv. Wir haben uns aber gedacht, es ist unser Verlag, unser Projekt, privat, ohne Fördermittel.

Wir veröffentlichen also jene Autoren, denen wir einfach vertrauen, was Talent und Schreiben angeht“, so Lorena Petre. Und so soll es auch weitergehen: Der Verlag soll eine Nische des rumänischen Buchmarkts füllen. Nicht das breite Publikum müsse mit seinen Büchern und Hörbüchern angesprochen werden, vielmehr sollen jene Menschen erfreut werden, die die feinen und tieferen Töne in der Literatur lieben, so Petre.

Subjektiv waren die zwei Geschwister auch, als sie den Namen des Verlags festlegten: „Blumenthal“ – der Name klingt nach Heimat. Denn er verweist auf die Heimat der Beiden. Blumenthal ist der deutsche Name für die Temescher Gemeinde Maşloc. „Unsere Großmutter stammt aus Blumenthal und weil wir aus Temeswar kommen, haben wir uns für diesen Namen entschieden“, so Petre.

Die Bücher sind vorläufig nur in den Bukarester Buchhandlungen „Dalles“ und „Mihai Eminescu“ erhältlich, künftig sollen sie auch in den Cărtureşti-Buchhandlungen zu finden sein. Die Werke kann man aber jederzeit online bestellen (www.blumenthal.ro). In diesem Jahr werden beim Blumenthal-Verlag u.a. auch zwei Fotoalben erscheinen: „Gipsy swing“ von Iulian Ignat und „Das Delta der Menschen“ von Sorin Onişor – ein Album, das über jene „vergessenen“ Menschen erzählt, die im Donaudelta leben. Im Plan steht auch „Rocking by myself“ von Dumitru Ungureanu – „eine Art Rock-Wörterbuch“, so Lorena Petre.

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