Die Geschichte voller Weh

Zur Premiere von „Romeo und Julia“ am Radu-Stanca-Theater

Samstag, 16. Februar 2013

Romeo bereitet seinen Gifttrunk vor. Foto: Andrey Kolobov

Hermannstadt - „Nur düstern Frieden bringt uns dieser Morgen; Die Sonne scheint, verhüllt vor Weh, zu weilen. Kommt, offenbart mir ferner, was verborgen, ich will dann strafen oder Gnad erteilen, denn nie verdarben Liebende noch so wie diese: Julia und ihr Romeo.“ Mit diesen Worten, die Shakespeare in den Mund des Prinzen von Verona legt, endet die wohl berühmteste Liebesgeschichte der Weltliteratur. Vermutlich machte man sich beim Hermannstädter Radu-Stanca-Theater Gedanken darüber, an welchem Tag die Premiere von „Romeo und Julia“ stattfinden könnte. Die Entscheidung fiel selbstverständlich auf den Tag der Liebenden, den 14. Februar.

Der Cavas-Saal (der Theaterhochschule in der Uni) war eindeutig zu klein für alle, die das Stück sehen wollten. Folglich mussten einige die Geschichte im Schneidersitz am Boden verfolgen. Beschwert hat sich niemand. Denn Regisseur Bogdan Sărătean ließ auf der Bühne eine unglaublich rasante Darstellung der Liebe, der Familienfehde und des Todes entstehen. Zumal die ganze Story bei Shakespeare auch nur fünf Julitage währt. Zum rasanten Spiel passte das einfache Bühnenbild, das aus drei Tischen und einigen Stühlen bestand. Die Schauspieler schafften es dennoch mit wenigen Handgriffen, sowohl die ausgelassene Atmosphäre des Festes im Haus der Capulets als auch die Abgeschiedenheit und die Trostlosigkeit der Familiengruft zu kreieren. Einen gewichtigen Beitrag leistete dabei das Lichtdesign.

Die junge Besetzung der Tragödie – vorrangig Schauspielstudenten – kam mit dem nicht unbedingt leichten Stoff aufgrund ihres Alters problemlos klar. Die Impulsivität der Handlungen, die den Teenagern eigen ist, die „unsterbliche Verliebtheit“, der Widerstand gegen die Eltern und die Naivität, kamen glaubhaft an. Interessant war auch der Einsatz verschiedener Musikinstrumente, die von den Schauspielern gespielt wurden. Claudiu Fălămaş, der die Rolle von Bruder Lorenzo interpretierte, zeichnete auch die musikalische Gestaltung der Vorstellung mit. Regisseur Sărătean setzte erfahrene Darsteller wie Alexandru Malaicu oder Andrada Grosu als Mercutio bzw. Erzählerin ein und entschied sich die Hauptrollen mit Alexandra Şerban und Anton Balint zu besetzen. Besonders im Fall von Şerban war es eine gute Entscheidung.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Vorstellung gelungen ist. Obwohl man mit einer derart guten Vorlage auch wenig falsch machen kann. Von einer klassischen Interpretation kann man selbstverständlich nicht sprechen, aber eine solche hätte man von Sărătean auch nicht erwarten sollen.

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