Die Grenzen geschützter Areale

Jagdgesellschaft jagte in der Nähe eines geschützten Areals und könnte straffällig geworden sein

Dienstag, 19. Februar 2013

Reschitza - In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch vergangener Woche alarmierten die Ranger des Nationalparks Nera-Klamm – Beuşniţa-Wasserfälle die Polizei, weil im Naturschutzgebiet Schüsse gehört worden seien. Eine Polizeistreife traf am Rand des Naturschutzgebiets – das in den vergangenen Jahren sommers wie winters durch die massive Präsenz von Wolfsrudeln auf sich aufmerksam gemacht hatte – neun Jäger, unter ihnen der Direktor des Kreisverbands der Jäger und Sportangler (AJVPS), Mircea Ciobanu, und der berglandbanater Volksmusiksänger Nicu Novac. Die Jagderlaubnis der Gesellschaft war in Ordnung. Nur: sie galt nicht für das geschützte Areal – dort ist Jagd grundsätzlich verboten.

Aber war diese Jagdgesellschaft überhaupt im Naturpark, von wo die Schüsse gehört wurden?
Sozusagen für alle Fälle beschlagnahmte die Polizei die Jagdgewehre der Jagdgesellschaft zwecks ballistischer Untersuchung. Denn bei Tageslicht waren im Naturschutzgebiet erlegte Rehe und Hirsche sowie Wildschweine gefunden worden, ist aus Polizeikreisen zu hören, die ungenannt bleiben möchten. Offiziell weigerte sich die Polizei bisher, sich dazu zu äußern. AJVPS-Direktor Mircea Ciobanu hatte sein Mobiltelefon die ganzen Tage über abgeschaltet und war auch im Dienst trotz wiederholter Anrufe nicht zu erreichen. So bleibt einstweilen in der Angelegenheit vieles im Dunkeln und Spekulativen. Klar ist aber, dass die Polizei einen Untersuchungsvorgang eingeleitet hat gegen die neun Beteiligten an der nächtlichen Jagdpartie, wegen Wilderei in einem geschützten Areal. Über die Tathergänge und selbst bezüglich der Namen der anderen Beteiligten an der Jagdpartie herrscht Unklarheit.

Das offizielle Kommuniqué der Kreispolizei Karasch-Severin besagt bloß: „Mitarbeiter der Dienststelle Waffen, Sprengstoffe und gefährliche Substanzen haben im Laufe des vergangenen Dienstags in der Gemarkung der Ortschaft Sasca Montană/Montan-(Deutsch-)Saska neun Personen im Alter zwischen 30 und 65 Jahren identifiziert, die sich auf einer organisierten Jagd befanden, für die sie eine entsprechende Genehmigung besaßen. Da es Indizien gibt bezüglich der Tatsache, dass sie im Nationalpark Nera-Klamm – Beuşniţa-Wasserfälle gejagt haben könnten, setzen die Polizisten die Untersuchungen fort, um eine eventuelle Gesetzesübertretung hinsichtlich von Wilderei aufzudecken. Zwecks weiteren Untersuchungen wurden neun Jagdwaffen einstweilen beschlagnahmt.“ Viel radikaler gibt sich inzwischen die Orawitzaer Umweltschutzorganisation GEC Nera, in deren selbstauferlegten Zuständigkeitsbereich das besagte geschützte Areal fällt. Durch ihre Sprecherin Doine Mărgineanu lässt sie mitteilen: „Für die Bevölkerung dieses Raums und für den sozialen Frieden in dieser Gegend wäre es unvergleichlich nützlicher, wenn die Jägerschaft zu einer Verringerung des Wolfsbestands beitragen würde, statt die Hirsche und die Wildschweine abzuknallen.“

Denn die Wölfe sorgen schon seit längerer Zeit für Unruhe unter den Bergbauern – ADZ berichtete wiederholt – und das Schlimmere: „Im Verwaltungskreis Karasch-Severin werden häufig Jagdpartien in der Nähe von geschützten Arealen und Nationalparks organisiert, und Fälle, wo die Jagdteilnehmer das im Jagdprotokoll/-plan der Jagdgenehmigung Festgeschriebene nicht respektieren, sind häufig bekannt geworden. Die Bewohner der Ortschaften in der Nähe der Naturparks und der geschützten Areale melden immer öfter, dass Jäger in den Naturparks wildern und dass Jagdpartien buchstäblich „auswildern“, vor allem, wenn „wichtige Persönlichkeiten“ (man versteht: Leute mit viel Geld) beteiligt sind, aus Privatfirmen und öffentlichen Institutionen.“

Als 2012, mitten im Sommer, Probleme mit Wölfen in den Räumen zwischen Anina und Orawitza – in der Sommerfrische und im Weiler Brădet – bekannt wurden, weil die Wölfe frei und unbeaufsichtigt weidende Nutztiere rissen, habe der Verband der Jäger und Angler nichts unternommen, keinen Finger gerührt. Angeblich könne man die Wölfe nicht jagen, weil im Naturpark Nera-Klamm – Beuşniţa-Wasserfälle die Jagd grundsätzlich verboten sei, erinnert GEC Nera an die damalige Antwort von AJVPS. Dass aber bei der jüngsten Jagd im selben Areal Hirsche, Rehe und Wildschweine getötet wurden, das sei wohl geschehen, weil dafür die Jagd im Naturpark per Jagdgenehmigung legal geworden sei, lästert die Umweltschutzorganisation.

Und außerdem: da die Jagdgesellschaft eine Jagdgenehmigung gehabt habe, arbeite die Polizei wohl umsonst an einer Anklageschrift – für die Vertreter des Rechtsstaats sei die Sache von aller Anfang an verloren. Auch die den geschützten Arealen übergeordnete Institution, Romsilva, wird von GEC Nera für moralisch mitschuldig gehalten. Diese hätte „so gut wie nichts“ getan für die Genehmigung von Managementplänen der naturgeschützten Areale, der Naturparks, vor allem nicht für eine genaue und unumdeutbare Absteckung der Grenzen dieser Areale und in erster Linie der Areale, die Vollschutz genießen. Auf dem Papier gäbe es zwar solche Abgrenzungen, vor Ort seien sie aber nirgends genau identifizierbar. „Alles, was Romsilva hinsichtlich geschützter Areale im Banater Bergland tut, hat einen rein informativen Charakter und leider wissen das die Rechtsanwälte von Jägern, die sich Fehltritte leisten am besten – wenn ihre Mandanten beim Wildern in Naturparks erwischt werden“, behauptet GEC Nera.

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