Die gute Seele hinter dem Kronstädter Oktoberfest

Wie Anemona Hermeneanu das Event-Unternehmen Bonima aufbaute

Freitag, 06. Dezember 2013

Anemona Hermeneanu während des Oktoberfestes 2013 zusammen mit ihrem Bruder. Das Tattoo auf dem Handgelenk legte sie sich zu, um auch auf diese Weise zu zeigen, dass sie immer noch für „Flower-Power“ steht.
Foto: Hans Butmaloiu

Das erste Oktoberfest in München sollte eigentlich ein einmaliges Pferderennen sein, zu Ehren der Hochzeit Ludwigs von Bayern mit Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen. Die Idee dazu hatte der Kavallerie-Major Andreas von Dall’Armi, der sie auch König Max I. Joseph von Bayern vorstellte. So kam es, dass am 17. Oktober 1810, auf „der Wiesn“, ein freies Gelände neben München, die erste Ausgabe des inzwischen weltweit bekanntesten Bierfestes stattfand. Nach Kronstadt/Braşov kam das Oktoberfest 2008, doch wie und durch wen, ist bis jetzt nur wenigen bekannt. Der Werdegang dieser Veranstaltung wurde uns von Anemona Hermeneanu (30) erzählt, seit Jahren schon die Triebfeder von öffentlichen Veranstaltungen, die zahlreiche Einheimische und Urlauber anziehen.

Anemone Hermeneanu verbrachte einen guten Teil ihrer Kindheit in Dänemark und träumte schon immer davon, in einem Bereich zu arbeiten, der möglichst offen zu den Mitmenschen ist. Ihr Studium im Bereich Europastudien und Internationale Beziehungen an der Babeş-Bolyai-Universität in Klausenburg/Cluj schloss sie in einer Zeit ab, als die wirtschaftlichen Umwandlungen erst in den Kinderschuhen steckten. Ihr Berufsleben begann sie in der Kronstädter Firma TRUS, welche damals mit der Einfuhr von Tiefkühlprodukten startete. „Ich bin in Zărneşti bei Kronstadt geboren und es hat mich wieder hierher gezogen, in die Stadt, wo ich auch einige Jahre zur Schule gegangen bin, in ein mir liebes und bekanntes Umfeld“, erzählte sie. TRUS lieferte neben Tiefkühlprodukten auch Einrichtungen für Hotellerie, Getränkeautomaten, Dosiergeräte. Außerdem veranstaltet TRUS für die Unternehmen im Großraum Kronstadt Firmenfeste oder beliefert diese mit Kantinen- und Cateringprodukten.

Die Verbindung zwischen diesem Bereich und dem Oktoberfest sollte ein unerwartetes Ereignis herstellen: Die Finanzkrise von 2008. „Wir mussten uns umstellen, umdenken, anpassen, was auch immer, aus den neuen Gegebenheiten etwas machen“, erklärt heute Anemona den damaligen Engpass, der für TRUS zur Chance wurde. Sie beschreibt den Umstieg sehr knapp: „Erfahrung mit Veranstaltungen hatten wir ja, wir hatten Auftritte von Künstlern und Interpreten organisiert, wir hatten nach 16 Jahren die Legende der rumänischen Rockmusik, Phoenix, wieder nach Kronstadt gebracht, also suchten wir nach etwas, was wiederholbar ist, nach einer Idee – und diese war das Oktoberfest“.

So entstand „Bonima – The Event Company“, die Veranstaltungsfirma, in welcher Anemona Hermeneanu das tut, was ihr am meisten Spaß bereitet: Mit dem Publikum zu arbeiten und durch Flexibilität die Ideen ihrer Kunden umzusetzen. Ihre Arbeit beschreibt sie so: „Ich bekomme Anfragen, man legt mir Ideen vor und verlangt ein Konzept für eine Veranstaltung. Das Projekt dafür, mit Logistik, Auf- und Abbau von Anlagen oder Bühnen, Transport und, meinetwegen, Gabelstaplern wird dann, wie man sagt, ‘schlüsselfertig’ vorgelegt. Das setzt eine Vielfalt von Abläufen und Tätigkeiten, Kontakte und Korrespondenz, Verhandlungen und Verträge voraus. Darin besteht unsere Tätigkeit, von der die Besucher der Veranstaltung nichts wissen, aber deren Ergebnisse den reibungslosen Ablauf eines Festes oder einer Veranstaltung sichern.“

Heute arbeitet ein ganzes Team, von Architekt und Grafiker bis hin zum Finanzfachmann, an den Projekten der Veranstaltungen, für welche der Firma Bonima auch die Urheberrechte zustehen. „Wir haben irgendwann, nach dem ersten Oktoberfest, mehrere Nachahmer gehabt und uns dann darum bemüht, unser Produkt rechtlich zu schützen“, berichtet Anemona Hermeneanu. Denn das Oktoberfest zog dieses Jahr erstmals auch in die Hauptstadt, wo sich das Konzept vor einem anderen Publikum behaupten musste und Erfolg hatte. Auf die Frage, wie viel Zeit die Vorbereitungen des Oktoberfestes benötigen, ist die Antwort kurz und bündig: Ein ganzes Jahr! „Am letzten Tag des Oktoberfestes beginnt schon die Arbeit für die nächste Ausgabe.

Denn neben den Auftritten der eingeladenen Musikbands suchen wir immer nach neuen Einlagen, um die Veranstaltung für alle Altersgruppen attraktiv zu gestalten. Zu dem Oktoberfest gehört eine ganz bestimmte Stimmungsmusik. Das ist selbstverständlich, doch für jeden Abend haben wir auch eine Einlage – musikalisch oder ein Wettbewerb – ausgearbeitet, die für ein bestimmtes Zielpublikum entworfen wurde. So gibt es den Wettbewerb der Musikbands, der Abend wurde ‘Battle of the Bands’ benannt und richtet sich an ein Publikum, das die Veranstalter heranziehen wollten – was ja durchaus gelang. Nur über das Austüfteln der Spiele hüllt sich Anemona Hermeneanu in Schweigen, was von wegen „Berufsgeheimnis“ durchaus verständlich ist: „An den Wettbewerben für die Besucher des Oktoberfestes arbeiten, brüten und feilen wir zusammen“.

Doch Bonima produziert nicht nur das Oktoberfest. Hinzugekommen sind mittlerweile das Burgenturnier und der Weihnachtsmarkt, der alljährlich neu gestaltet wird. Das Burgenturnier entstand aus dem Wunsch, eine sehr kurze Episode aus der Geschichte des Burzenlandes, nämlich die Anwesenheit des Deutschen Ritterordens, wieder ins Gedächtnis zu rufen. Es wurde durch die Zusammenarbeit mit den Freiwilligenvereinen, die sich dem Hobby der Ritterspiele widmen, verwirklicht. Daran beteiligt sind aber nicht nur Freizeit-Ritter, sondern auch Handwerker, Glasbläser, Tanzgruppen und vor allem Musiker, die alte Weisen wieder zum Leben erwecken. Der „Christkindlesmarkt“ nach Nürnberger Vorbild ist eine Veranstaltung, die gezielt Erzeugern von Saisonprodukten eine Absatzmöglichkeit in besonderem Rahmen bietet. „Für dieses Jahr haben wir ein neues Konzept entwickelt, doch Einzelheiten werden noch nicht bekannt gegeben; es soll eine Überraschung sein“, sagte Anemona Hermeneanu.

Kommentare zu diesem Artikel

Ottmar, 08.12 2013, 23:43
@Oktober,eine Erklaerung fuer den intelligenten Rumaenen: . Ergab deine Recherche eine Info ,wo schuetzt die Stadt Muenchen das Oktoberfest das Original. Dein Kommentar ist eines Rumaenen wurdig denn sehr lasch, oberflaechlich und logisch unzureichend. Stzen sechs..
Die in Nizzaklassen aufgefuehrten Schutzrechte sind von keinem Bayerischen Institut angefordert.
Geschuetzt wird in Muenchen Oktoberfest-Bier von Muenchner Brauereien und nur diese Brauereien duerfen auf dem Oktoberfest Oktoberfestbier ausschenken.: Zum Produkt kurze Erklaerung Oktoberfestbier ist ein Bier das wirklich sehr Schuetzenswert ist denn, es wird seit 200 Jahren nach speziellen Brauverfahren nach dem Bayerischen Reinheitsgebot (Aeltestes Lebensmittelgesetz der Welt )produziert. Mit mehr Stammwuerze... speziell fuer den Geschmack auf das Muenchner Oktoberfest abgestimmt.
Fazit. Das Muenchner Oktoberfest ist aber nicht geschuetzt wie das Oktoberfest in Brasov. Einmaligkeit muss man auch nicht schuetzen nur Fades schlecht nachgemachtes muss man schuetzen.
Oktober, 06.12 2013, 21:31
Sehr wohl gibt es europäisches Markenrecht

OKTOBERFEST

Markentyp: Wortmarke
Registernummer: DE 30746058
Anmeldetag: 12.07.2007
Inhaber: Bally Wulff Entertainment GmbH
Nizzaklassen: 09, 28, 41

Oktoberfest-Dirndl

Markentyp: Wortmarke
Registernummer: DE 30644678
Anmeldetag: 21.07.2006
Inhaber: Marco Porta
Nizzaklassen: 28

OKTOBERFEST-BIER

Markentyp: Wortmarke
Registernummer: DE 1040818
Anmeldetag: 08.12.1980
Inhaber: Verein Münchener Brauereien e.V.
Nizzaklassen: 32
Ottmar, 06.12 2013, 14:47
Tschuldigung das sollte heissen " In Minga gehma auf'd Wiesn"
Ottmar, 06.12 2013, 14:45
@Sigrid München hat das Oktoberfest nicht unter Produktschutz gestellt. Die ganze Welt darf das Original nachmachen. Das ist der kleine aber grosse Unterschied. Wir lassen alle teilhaben an einem Völkerverbindenden Bierfest. Wer jemals von den hier lesenden in München in einem Bierzelt eine Mass Bier getrunken hat, der weiss wie Völkerverbindend dieses Fest ist. Und darum hat München auch nichts dagegen dass andere Städte, Länder dieses Fest kopieren. Hoffentlich verbietet aber die Kronstädter Firma aufgrund ihres Produktschutzes nicht einmal das Original. Übrigens in „Müchen gemma auf‘d Wiesn“ und nicht aufs Oktoberfest.
Siegrid, 06.12 2013, 12:28
Wollen wir nicht alle tief in unserem Herzen Bayern sein? Und wenn wir es nun mal nicht sind, dann verkleiden wir uns, schlüpfen in Dirndl und Lederhosn, wie Kinder im Fasching als Prinzessin und Cowboy Stimmung gemacht haben. Ein buntes Völkchen. Anything goes.

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