Die Hoffnungsgeschichte Probstdorf

Die Kirchenburg im Harbachtal wurde als erste der mit EU-Mitteln sanierten wiedereingeweiht

Dienstag, 14. August 2012

Die kleine frisch sanierte Kirchenburg in Probstdorf.

Probstdorfer von nah und fern und zahlreiche Gäste wohnten dem Festgottesdienst bei.

Die Probstdorfer Kapelle, der Barbara Schöfnagel angehört, begrüßte Gemeinde und Pfarrer nach dem Gottesdienst. V.L. Der emeritierte Bischof Klein, Bischof Guib, Ortspfarrer Boltres, Dechant Galter und Monsignore Schüler aus dem österreichischen Probstdorf.

Im ebenfalls sanierten Kirchhof fanden Gespräche und die Begegnung statt. Fotos: die Verfasserin

Hermannstadt - „Großer Gott, wir loben dich!“ sangen über 200 Personen in bis zum letzten Platz besetzten kleinen Kirche in Probstdorf/Stejărişu am Sonntag. Mit einem Abendmahlsgottesdienst begann das Fest zur Wiedereinweihung des Gotteshauses nach Abschluss der Renovierungsarbeiten im Rahmen des EU-Projektes zur Sanierung und der nachhaltigen Nutzung von 18 Kirchenburgen in Siebenbürgen. Mit demselben Lobeslied empfingen die diesmal zehn Mitglieder der ansonsten viel kleineren Probstdorfer Kapelle die zahlreichen Festteilnehmer nach dem Gottesdienst im Kirchhof. Mit schwungvollen Märschen, Polkas und Walzern sorgten sie während dem gemeinsamen Mittagsessen und dem gemütlichen Beisammensein für Stimmung. Der formale Bauabschluss findet am 15. Oktober statt, das Fest aber wurde bereits gefeiert, da zahlreiche Probstdorfer aus Deutschland, wie jedes Jahr, im August ihr Heimatdorf besuchen.

Zu Gottes Lob und Danksagungen begrüßte die zahlreichen Probstdorfer von nah und fern sowie Gäste in der frisch getünchten kleinen Kirche der die Gemeinde betreuende Pfarrer Reinhardt Boltres. Zusammen mit Reinhart Guib, dem Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien, und Dietrich Galter, dem Dechanten des Hermannstädter Bezirkes, wurde die Wiedereinweihungshandlung vollzogen. In seiner Predigt sprach Bischof Guib von Freude und Dank angesichts des schönen Abschlusses der Bemühen zur Instandsetzung der Kirchenburg, wozu die Dagebliebenen, Zugewanderten und Heimgekommenen beigetragen haben. Die Entwicklung in Probstdorf sei „keine Triumph- sondern eine Hoffnungsgeschichte“, in der die renovierte Kirche beweist, dass es hier eine einladende Gemeinde gibt und die evangelische Kirche in Rumänien eine Zukunft hat. Den Gottesdienst musikalisch umrahmt haben Teodora Cîrciumaru (Orgel) und Elisa Gunesch (Sopran).

Dass die kleine Gemeinde in Probstdorf die erste der 18 Gemeinschaften ist, die das aus EU-Mitteln finanzierte Sanierungsprojekt abschließt, dürfte niemanden wundern. In diesem Ort im Oberen Harbachtal/Valea Hârtibaciului hat die Heimatortsgemeinschaft immer wieder Mittel zur Verfügung gestellt für Reparaturen, wie dies der HOG-Vorsitzende Michael Hügel mitteilte. Vor allem aber haben sich Dr. h.c. Barbara Schöfnagel und Wolfgang Hosiner und ihre Stiftung „Au-Ro“ hier niedergelassen und erfolgreich gezeigt, dass die lokale Bevölkerung umgeschult und eingesetzt werden kann für das Verwerten des landwirtschaftlichen und touristischen Potentials der Gegend. Mit Hilfe von Freiwilligen – eine Gruppe junger Niederländer gehörte zu den „Servierern“ beim Festessen – wurden nicht nur mehrere Bauvorhaben sondern auch ein Armutsbekämpfungsprojekt durchgeführt.

Die Unterzeichnung des Finanzierungsvertrages für das Sanieren der 18 Kirchenburgen in den Landkreisen Hermannstadt/Sibiu, Alba und Kronstadt/Braşov und Muresch mit dem Ministerium für Tourismus und Regionalentwicklung im Oktober 2010 war eine der letzten Amtshandlungen des emeritierten Bischofs D. Dr. Christoph Klein gewesen, wozu der DFDR-Abgeordnete Ovidiu Ganţ entscheidend verholfen hatte. Aus EU-Mitteln der Achse 5.1 des Regionalen Operationellen Programmes zur Restaurierung des kulturellen Erbes sowie nachhaltigen touristischen Nutzung stehen insgesamt 5,5 Millionen Euro zur Verfügung. In Probstdorf kommen davon rund 185.000 Euro zum Einsatz. Von Grund auf saniert wurden damit der Glockenturm, der mit frischen Leitern ausgestattet nun besteigbar ist, und das kleine Westtürmchen, um die bereits drainierte Kirche wurde eine Noppenfolie gelegt für besseren Schutz vor Feuchtigkeit, doch ist auch der Kirchturm hergerichtet, die Dachhaut erneuert und in der Kirche ein neuer Bretterfußboden gelegt worden. Ebenfalls repariert, gestrichen und frisch gedeckt wurde die Ringmauer.

Im Namen des Landeskonsistorium der Evangelischen Kirche als dem Bauherrn, dankte Hauptanwalt Friedrich Gunesch den zahlreichen Institutionen und Personen für die Kooperation beim erfolgreichen Umsetzen des Vorhabens. Erwähnt wurden die staatlichen rumänischen Institutionen und die verschiedenen Firmen, desgleichen die GTZ, deren Büro die Machbarkeitstudie 2007-2008 vorgelegt und finanziert hatte sowie der Kreisrat und Barbara Schöfnagel, die das technische Projekt gesichert haben. Für den zu leistenden Eigenbeitrag kamen die Kirchengemeinde Probstdorf mit ihrem Kuratorenehepaar Adela und Michael Gierling, die HOG und der Bezirk auf.

Zum feierlichen Gottedienst waren Dr. Michael Schwarzinger, der Botschafter Österreichs in Bukarest, und der deutsche Konsul Alfred Körner aus Hermannstadt/Sibiu gekommen, die Grußworte sprachen. Das deutsche Forum war durch den Vorsitzenden des Hermannstädter Kreisforums Martin Bottesch vertreten, die Agentur der Entwicklungsregion Zentrum durch Direktorin Maria Ivan und der Kreisrat durch dessen stellvertretenden Vorsitzenden Ioan Banciu.  

Kommentare zu diesem Artikel

Mechel, 19.10 2012, 00:55
Ein schöner, kurzer, informativer Artikel der alles sagt und bildlich beschreibt. Wunderbar. Danke!
Alles Gute dem gesamten ADZ-Team.
Ich habe ihn auf www.probstdorf.de verlinkt und hoffe ihr seid damit einverstanden.

Viele Grüße
Michael Hügel

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