Die lila Wunderpflanze

Temeswarer bauen Lavendel an

Samstag, 29. Oktober 2016

Im September kamen kleine Besucher nach Stamora Română, um mit der Pflanze Bekanntschaft zu schließen.

Lavendel ist als Heilpflanze und für Wellness-Anwendungen sehr beliebt.

Eine Dekoration mit der violetten Pflanze ist Aromatherapie und sorgt für gute Atmosphäre im Haus.

Der Lavendelgarten der Familie erfreute sich in diesem Jahr über gleich zwei Blütezeiten.

Cătălin und Gabi heirateten in diesem Jahr. Zu ihrem Hochzeitsmotiv gehörte Lavendel einfach dazu.

Hübsch sowohl frisch oder als Trockenstrauß
Fotos: privat

Lila Felder, so weit das Auge reicht – in der Sommerhitze der Provence blüht und duftet der Lavendel, ein Markenzeichen für Südfrankreich. Doch der Trend, Lavendel anzubauen, nimmt auch in Rumänien zu. Viele Arten passen sich hervorragend dem rumänischen Klima an und begeistern sowohl die Züchter, als auch Kunden, die aus den violetten Pflanzen duftende Dekorationen für Haus und Hof gestalten können. Und auch wenn die Blütezeit des Lavendels in der Provence ziemlich klar feststeht – von Juni bis August – kann der Lavendel in Rumänien sogar zwei Mal im Jahr blühen. Der Temeswarer Hobbyzüchter Cătălin Căluşeriu und seine Frau Gabriela (Gabi) konnten sich im September über eine zweite Blüte ihres Lavendelgartens freuen.

„Unsere lieben Pflanzen wollten uns in diesem Herbst eine Überraschung bereiten“, freut sich Cătălin Căluşeriu, während er durch den Hof des Dorfhauses unweit von Temeswar schreitet. Durch eine schmale Tür betritt er dann den Garten. Kleine, runde, hellgrau-grüne Büsche in Fußballgröße bedecken das Gelände. Der violette Blütenteppich erfreut das Auge - und die Nase.
Das junge Ehepaar aus Temeswar hat gerade Besuch in seinem Lavendelgarten. Kinder eines Temeswarer Kindergartens sind gekommen, um mit der „Wunderpflanze” Bekanntschaft zu schließen. Wie summende Bienchen strömen die kleinen Gäste in den Garten, unter der strengen Aufsicht ihrer Erzieherinnen. Cătălin und Gabi freuen sich besonders, vor allem da dies das erste Mal ist, dass sie sich über Lavendelblüten im Herbst freuen können - und das schon im dritten Jahr, seitdem sie in Stamora Română, etwa 20 Kilometer von Temeswar entfernt, die ersten Lavendelsetzlinge gepflanzt haben. Die ersten 50 Pflanzen 2014 wurden im gleichen Jahr auf 300 vermehrt, in diesem Jahr sind es schon rund tausend blühende Büsche in ihrem Garten. „Ich möchte sogar um tausend Stämmlinge mehr pflanzen”, sagt Cătălin Căluşeriu. Die ersten zwei Jahre waren bloß ein Experiment für den 33-jährigen Polizeibeamten, der seine Leidenschaft für Pflanzenzucht vor einigen Jahren entdeckte. Insgesamt zwölf Arten hat der Temeswarer in seinem 2000 Quadratmeter großen Garten angebaut. „Ich liebe Pflanzen und alles was schön ist und empfinde mich als Lavendelsammler”, scherzt der junge Mann.

Auch wenn sein Garten noch jung ist – eine Lavendelpflanze ist erst im vierten Jahr ausgewachsen - konnte der Temeswarer in diesem Jahr bereits rund 150 Kilogramm Lavendelblüten pflücken. „Die Pflege ist ganz einfach. Der Lavendel muss einfach in der Sonne sein und regelmäßig gegossen werden“, sagt Cătălin Căluşeriu. Unkraut kann allerdings viel Stress verursachen, dafür muss er bis zu zwei Mal in der Woche von Temeswar nach Stamora Română fahren und den Lavendelgarten pflegen. Im Winter bleiben die Pflanzen einfach in der Erde. Wichtig ist, im Frühling und Spätherbst etwas Kompost in die Erde einzubringen. „Das sorgt dafür, dass der Lavendel immer wieder neu wachsen kann“, erklärt Cătălin. „Es wurde übrigens herausgefunden, dass der Lavendel auf armen Böden besser wächst als auf zu gut gedüngten Böden“, fügt er hinzu.

Cătălin und seine Frau mischen sich unter die Kleinen im Garten. Dabei knien sie sich ab und zu auf die Größe der jungen Besucher nieder, pflücken Lavendelblüten und erzählen ihnen etwas zur Verwendung des Lavendels. „Diese duftende Blume hilft uns, besser zu schlafen. Wenn wir eine Blüte unter unser Kissen legen, dann werden wir gleich in tiefe, schöne Träume eintauchen“, sagt Cătălin Căluşeriu mit sanfter Stimme den erstaunten Gesichtern um ihn herum. Die Kleinen schauen ihn mit neugierigen Augen an, dann beginnen sie hoch interessiert, die Pflanzen zu beschnuppern. In einer anderen Gartenecke zeigt Cătălins Frau Gabi den Besuchern, wie sie die violetten Blumen zu schmucken Sträußen zusammenbinden kann. Aus der großzügigen Blüte in diesem Jahr lässt sie Lavendelsträuße für verschiedene Dekorationszwecke entstehen, verwandelt Blüte und Öl in Lavendelseife oder bindet kleine Säckchen mit Blüten, ideal als Lufterfrischer in Haus oder Kleiderschrank. All diese Bastelideen kann man auch online auf der Facebookseite „Casa Lavandei Garden” bewundern und sogar bestellen. Als kleine Erinnerung an ihren Besuch erhielten auch die Kinder vor ihrer Abfahrt nach Temeswar so ein Säckchen.

Lavendel – eine vielseitige Pflanze

Die Pflanze ist in der Kosmetik sowie in der Heilkunde seit Jahrhunderten äußerst geschätzt. Der Name Lavendel ist vom lateinischen „lavare“ (auf Deutsch „waschen“) abgeleitet und bezieht sich auf dessen Verwendung in Badeessenzen und -ölen. Tatsächlich verwöhnt die Pflanze mit ihrem herbsüßen Duft nicht nur die Nase, sie beruhigt auch gestresste Nerven, lindert Kopfweh, lockert verspannte Muskeln, hilft bei Magen- oder Darmproblemen und schenkt tiefen, erholsamen Schlaf. Kein Wunder, dass Lavendel als Heilpflanze bei Wellness-Anwendungen hoch im Kurs steht.
Die Pflanze wird gerne auch als Gewürz verwendet. Für die Küche eignet sich allerdings nur der sogenannte Echte Lavendel (auf Lateinisch „Angustifolia“). Sowohl Blätter als auch Blüten sind genießbar und fester Bestandteil der Gewürzmischung Kräuter der Provence. Für herzhafte Gerichte zum Hauptgang lässt sich Lavendel hervorragend mit anderen provenzalischen Kräutern wie Thymian, Rosmarin, Salbei, Majoran, Fenchelsamen, Lorbeer, Bohnenkraut und Oregano kombinieren. Lavendel schmeckt aber auch als Gewürz zu süßen Speisen wie Crême brulé, Tiramisu, Sorbet oder Pudding. Ein paar Blüten der Pflanze aromatisieren außerdem auf herrliche Weise Zucker, Marzipan oder Honig.


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