Die Menschen sollen das Potenzial der Stadt erkennen

Stefan Frank ist seit September vergangenen Jahres der neue Direktor des InterContinental Hotels

Mittwoch, 22. Mai 2013

Frank: „Ich würde mir wünschen, dass Bukarest und Rumänien einen deutlich besseren Ruf erlangen – einen, den die Stadt und das Land auch verdient hätten...“
Foto: Michael Mundt

Mit Stefan Frank hat das InterContinental Hotel in Bukarest seit September letzten Jahres einen neuen Direktor. Der 40-Jährige, der die Nachfolge von Marten Schoenrock antrat, hatte zuvor in verschiedenen Hotels Managementpositionen innegehabt. Zuletzt war er als Resident Manager in der Bankenmetropole Frankfurt/Main für den reibungslosen Ablauf des Hotelbetriebs zuständig, ehe ihn die Olympischen Spiele kurzzeitig nach London lockten und nun Bukarest sein neuer Arbeitsplatz ist. Das Interview führte Michael Mundt.

Herr Frank, Olympische Spiele in London, dass klingt sehr spannend. Wie sind Sie zu diesem Job gekommen?

Die Marke Holiday Inn, welche genau wie InterContinental ein Tochterunternehmen der InterContinental Hotels Group ist, war der offizielle Hotelpartner der Olympischen Spiele wie auch der Paralympischen Spiele in London. Die Idee war, das olympische Dorf wie ein Hotel zu führen, und dafür wurden in einem weltweiten Auswahlverfahren zwölf Mitarbeiter aus den insgesamt über 4500 Hotels der Gruppe ausgewählt, welche als Residential Service Leads jeweils einen der Blöcke im olympischen Dorf betreuen durften.

Und wie hat es Sie im Anschluss in die rumänische Hauptstadt gezogen?

Das Projekt in London war natürlich ein zeitlich begrenztes und mein Vorgänger, Marten Schoenrock, der ebenfalls Deutscher ist, hatte mir schon zuvor auf Konferenzen begeistert von seinen beruflichen Herausforderungen und seinem Leben in Bukarest berichtet. Er sagte einmal, „Stefan, wenn das mal kommt, dann musst du dich bewerben.“ – Ich musste mich nicht bewerben, ich bin gefragt worden. Und beim Stichwort „Bukarest“ konnte ich mich an all das erinnern, was Marten mir erzählte. Ich bin dann mit meiner Familie hierher gekommen, wir haben uns alles angeschaut, und schlussendlich hat einfach alles gepasst.

Hatten Sie eine Vorlaufzeit, in der Sie den Umzug planen konnten?

Zunächst einmal gehört Mobilität im Hotelmanagement zum Beruf, da kann ein Wechsel des Arbeitsplatzes durchaus sehr schnell gehen. Ich habe Ende August von der finalen Entscheidung erfahren und am 15. September hier angefangen. Ich gehöre jedoch zu den Kollegen, die bisher eher selten umgezogen sind. Andere waren in 15 Jahren in vier oder fünf verschiedenen Ländern tätig, die Familie immer im Schlepptau. Wir haben auch noch unser Haus in der Nähe von Frankfurt, welches uns einen Ankerpunkt bietet.

Auch das Bukarester Crowne Plaza hat mit Franz Rattenstetter einen deutschen Geschäftsführer, tauscht man sich da unter Kollegen aus?

Das Crowne Plaza gehört ebenfalls zur InterContinental Hotelgruppe, und natürlich treffen wir uns regelmäßig. Da gibt es dann Zeiten, in denen man sich bestimmt einmal die Woche trifft und dann aber auch wieder Zeiten, da trifft man sich nur einmal im Monat. Es kommt in erster Linie darauf an, welche Veranstaltungen wir besuchen.

Ihr Kollege spricht davon, dass in Bukarest persönliches Networking besonders wichtig ist.

In Bukarest hat eine verhältnismäßig kleine Gemeinschaft sehr viel Einfluss darauf, wie Geschäfte gemacht werden, und wenn man etwas von diesem Kuchen abhaben möchte, dann nimmt man an diesem Networking teil. Das ist jedoch nicht nur in Bukarest so, wobei es hier vielleicht etwas ausgeprägter ist. Und als Hoteldirektor sehe ich mich natürlich auch als den ersten Verkäufer des Hauses an.

Was gehört denn zu Ihren Aufgaben als Hoteldirektor?

Bei uns im InterContinental leite ich das Hotel in allen Belangen, das umfasst den strategischen Bereich – also Umsatzmanagement, Personalwesen, Vertrieb, Marketing – und im operativen Bereich den Empfang, die Reinigung sowie die gesamte Gastronomie. Unterstützt werde ich von meinem Stellvertreter sowie einem erweiterten Abteilungsleiterkreis von ungefähr zwölf Personen, die jeweils für einen bestimmten Bereich verantwortlich sind.

Gibt es in der täglichen Arbeit einen Unterschied zu Deutschland?

In Frankfurt, wo ich lange Zeit gearbeitet habe, hatten wir mit 46 Nationalitäten ein sehr internationales Team. Hier in Bukarest arbeiten – mit zwei Ausnahmen, meinem Stellvertreter und dem Küchenchef – ausschließlich Rumänen im Team. Doch genau wie in meinen bisherigen Stationen sind auch hier die Kollegen freundlich, offen und motiviert.

Wie rekrutiert das InterContinental seine Mitarbeiter, bilden sie selbst aus?

Unsere Mitarbeiter müssen natürlich gewisse Grundvoraussetzungen mitbringen, aber noch wichtiger ist, dass sie die richtige Einstellung für einen Beruf in der Dienstleistung haben. Für die Aus- und Weiterbildung verfügt die Hotelgruppe auch über eine eigene Trainingsabteilung, welche spezielle Ausbildungsprogramme entwirft. Das reicht dann von kleinen Maßnahmen wie einem zweitägigen Wechsel in eine andere Abteilung bis zu einem mehrtägigen professionellen Trainingsprogramm im Ausland.

Haben Sie eine persönliche Bindung zu Rumänien?

Das erste Mal war ich vor über 20 Jahren in Rumänien. In einem zweiwöchigen Arbeitseinsatz habe ich dabei geholfen, ein Waisenhaus im Norden des Landes zu renovieren. In dieses Programm bin ich eher zufällig reingerutscht, aber es war eine der besten Sachen, die mir passiert sind. Außer meinem Treffen mit Marten Schoenrock hatte ich dann jedoch über 20 Jahre keinen Kontakt mehr zu Rumänien. Seit September bauen meine Familie und ich nun eine intensive Beziehung zu Land und Leuten auf. Dabei hat es uns schon in die Berge sowie ans Meer gezogen, aber auch im Umland, wie zuletzt in Snagov, waren wir schon unterwegs – und ganze Samstage kann ich zum Beispiel auf dem Obor-Markt verbringen. Nicht nur die Arbeit ist also eine schöne Herausforderung, auch die Freizeitgestaltung bereitet mir und meiner Familie viel Freude.

Was schätzen Sie besonders an Bukarest und was vermissen Sie hier?

Im Besonderen schätze ich meinen neuen Arbeitsplatz und das Team, das ich hier vorgefunden habe, damit verbringe ich auch die meiste Zeit. Darüber hinaus aber auch die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung, die wir hier haben, Land und Leute und insbesondere den rumänischen Wein. Auf der anderen Seite vermisse ich natürlich Familie und Freunde, aber zum einen bekommen wir häufig Besuch, und zum anderen bin ich ein Mensch, der eine gewisse Zukunftsausrichtung hat. Ich schaue nicht so viel zurück, sondern freue mich vielmehr auf die neuen Herausforderungen.

Was wünschen Sie sich beruflich und privat für die Zukunft?

Ich würde mir wünschen, dass Bukarest und Rumänien einen deutlich besseren Ruf erlangen – einen, den die Stadt und das Land auch verdient hätten – und dass die Menschen das Potenzial Bukarests erkennen, um als Geschäftsreisende oder Touristen hierherzukommen. Mit dem InterContinental haben wir das ideale Hotel für Veranstaltungen und Kongresse, aber auch für einen Städtetrip. In bester Lage bieten wir als höchstes Hotel der Stadt zugleich einen atemberaubenden Blick über diese. Persönlich möchte ich das Land noch weiter bereisen, insbesondere in Richtung Norden, nach Hermannstadt und Kronstadt, aber auch ins Donaudelta.


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Ein luxuriöses Wahrzeichen im Herzen der Hauptstadt

Die Geschichte des InterContinental Hotelgebäudes beginnt in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als der Erzählung nach ein amerikanischer Geschäftsmann der Cyrus Eaton Group die Stadt besuchte. Bukarest verfügte damals nur über einige wenige Hotels, welche in dieser Nacht allesamt belegt gewesen sein sollen. Dem Geschäftsreisenden blieb somit nichts anderes übrig, als in einer der Hotellobbys zu übernachten. Die Idee, in Bukarest ein neues Hotel zu bauen, schlug er später seinem Arbeitgeber vor, und in der Folge einigte sich die InterContinental Hotelgruppe darüber mit der rumänischen Regierung. Mit der Umsetzung und der Integration in das Stadtbild wurden die rumänischen Architekten Dinu Hariton, Gheorghe Nadrag, Ion Moscu und Romeo Belea beauftragt.

Belea beschreibt die Zeit, in der das Gebäude errichtet wurde, wie folgt: „Im Jahr 1966 gab es  für die InterContinental Gruppe günstige Rahmenbedingungen, um hier ein Hotel zu errichten. Mit Bukarests Hauptarchitekten, Professor Maicu, haben wir Standorte für das erste international bedeutende Hotel gesucht. Der ursprüngliche Entwurf war dem heutigen Bild mit seinen drei bananenförmigen Flügeln sehr ähnlich, nur waren sie ursprünglich sehr viel größer geplant und das Hotel um einiges kleiner. Die Vertreter von InterContinental haben entschieden, dass der Universitätsplatz das Zentrum der Stadt sei und es deshalb genau dort gebaut werden müsse, an der Stelle des ehemaligen Restaurants La Zisu.“
Eröffnet wurde das Hotel schließlich am 23. Mai 1971, nach nur drei Jahren Bauzeit. Mit seinen 90 Metern war es für 25 Jahre das höchste Gebäude der Stadt und das einzige 5-Sterne-Hotel Rumäniens. Es arbeitete nach internationalen Standards, musste sich aber trotzdem den lokalen Gegebenheiten anpassen. So wurden in den Kellern riesige Silos integriert, um Lebensmittel einzulagern, die in Rumänien zeitweise nur schwer verfügbar waren. Den Gästen konnten so jederzeit Speisen und Getränke von höchster Qualität angeboten werden.

Seit dem Jahr 2007 betreibt die InterContinental Gruppe das Hotel in Form eines Managementvertrages, dass heißt sie stellt das Management des Hauses und führt es nach eigenen Standards. Auf 22 Stockwerken beherbergt es 257 Zimmer, 21 Suiten, acht Konferenzräume sowie zwei Restaurants. Das im Erdgeschoss befindliche Restaurant Modigliani erreicht bei den Benutzern der Internetplattform TripAdvisor derzeit den siebten Rang unter 548 Restaurants in Bukarest. Genießen kann der Besucher auch die Aussicht aus dem in der obersten Etage befindlichen Pool, bei klarem Wetter lassen sich in der Ferne sogar die Karpaten erkennen.

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