"Die Orgel gehört in die Kirche"

Ein Einblick in die Welt der Orgelmusik

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Professor Felician Roşca an der Cavaillé-Coll Orgel mit vier Klaviaturen, die in der „Basilica del Santisimo Sacramento”-Kirche aus Buenos Aires steht. Foto: Privat

Die von Zoltan Pap gebaute mechanische Orgel in der Adventisten-Kirche in Temeswar. Foto: Privat

Die Orgel in der „Millenium“-Kirche am Trajansplatz wurde 1901 von der Temeswarer Orgelbaufirma des Carl Leopold Wegenstein gebaut. Foto: Zoltán Pázmány

26 Absolventen haben seit 1990 bis heute die Orgelklasse von Prof. Univ. Dr. Felician Rosca, an der Musikfakultät in Temeswar abgeschlossen. In diesem Jahr hat er sechs Studenten: vier Masteranden und zwei Lizenziaten. Sie kommen meistens aus einem religiösen Umfeld und spielen dann auch in den Kirchen, deren Konfession sie angehören: katholisch, protestantisch oder neoprotestantisch. In den orthodoxen Kirchen gibt es keine Orgeln, „aber ich habe einst meine eigene in eine orthodoxe Kirche transportiert und dort auch gespielt“, sagt Professor Rosca der BZ. Er selbst ist mit seinen 61 Jahren ein berühmter Organist und ist auf Bühnen aus der ganzen Welt aufgetreten: „Natürlich muss ich auch üben, mindestens zwei Stunden pro Tag, sonst schaffe ich es nicht, die Stücke so zu spielen, wie sie gespielt werden sollen”. Derzeit bereitet sich Professor Rosca auf drei neue Konzerte in Paris vor. Dort wird er rumänische Stücke – sowohl Barock (siebenbürgischen Barock) als auch zeitgenössische Musik – vorführen. Ein Stück, das vom Temeswarer Komponisten Horia [urianu geschrieben wurde, wird er dort in Uraufführung spielen. Das, auf der weltberühmten Cavaillé-Coll Orgel in der Sainte-Trinité Kirche aus Paris, die, seiner Meinung nach, eine der schönsten auf der ganzen Welt ist.

Felician Roșca: Musiker und Konzertveranstalter zugleich

„Ich fördere die rumänische Musik. Der rumänische Botschafter in Uruguay hat mir einst gesagt, dass ich mit meinem Repertoire eine tiefgreifendere patriotische Geste mache, als andere durch Worte“, erzählt Professor Roșca. Das Orgelspiel ist nicht nur sein Job, sondern auch seine Leidenschaft. Schon 1979, zwei Jahre nach seinem Abschluss am „Ciprian Porumbescu“-Konservatorium in Bukarest, hat er aus eigenen Mitteln, zusammen mit Zoltan Pap, ein Orgelbauer aus Odorheiu Secuiesc, eine Orgel aus dem Ort Sl²tini]a gekauft, restauriert und sie danach im Haus der Gewerkschaften in Karlsburg/Alba Iulia installiert. Dort hat er mehrere Konzerte und Festivals mit internationaler Beteiligung veranstaltet, wie zum Beispiel das Festival „Tinereţea Capodoperelor. Aus politischen Gründen musste er Karlsburg verlassen und ließ sich in Großwardein/Oradea nieder, wo er eine Stelle im Museum des Kreischlandes („Muzeul Tarii Crisurilor“) erhielt. Seine Orgel kam natürlich mit. Seit 1991 ist er Professor an der Musikfakultät der West-Universität in Temeswar, wo er seine eigene Orgelklasse leitet.

„Nach der Revolution hat mich Professor Damian Vulpe nach Temeswar, an die Uni, eingeladen. Es gab zuvor keine Orgelklasse und keine Studenten. Ich musste alles von Grund auf aufbauen“, so Professor Roșca. Üblich ist es, dass die Studenten bis zur achten Klasse Klavier studiert haben und sich dann für die Orgel entscheiden. Solange Professor Roșca auch am “Ion Vidu”-Lyzeum lehrte, hat das gut funktioniert. Doch seitdem er sich nicht mehr auch darum kümmern kann und den Lehrstuhl seinen ehemahligen Studenten überlassen hat, wurde die Klasse mehrmals aufgelöst und wiedergegründet. Jetzt gibt es am „Ion Vidu” erneut keine Orgel-Klasse für Lyzealschüler. Doch Studenten findet Profesor Roșca auch so. Mit ihnen ist er schon bei Festivals in mehreren europäischen Großstädten aufgetreten: Rom, Paris, Turin, Novi Sad sind nur einige davon.

Timorgelfest 2015 schon komplett geplant

Professor Roșca hat schon einen Namen in der internationalen Orgel-Szene. „Ich arbeite eng mit einem amerikanischen Verein für Organisten zusammen. Von dort bekomme ich Informationen über andere Instrumentisten und von da nehme ich auch meine Kontakte”. Er ist nicht nur Organist und Lehrer, sondern organisiert auch das Internationale Orgelfestival „Timorgelfest” in Temeswar, das in diesem Jahr zum 14. Mal stattfand. Felician Roșca denkt schon an die Auflage von 2016, denn für 2015 ist alles schon geplant. „Es ist kein Festival für Debütanten und wir haben natürlich auch festgesetzte Kriterien, die ein Organist einhalten muss, um daran teilzunehmen“. Sie müssen schon bei vielen Konzerten mitgemacht haben und ein einheitliches Programm bieten können, mit einer Thematik, die sich der allgemeinen Thematik des Festivals unterzieht. In einem Jahr war es französische Musik, in einem anderen spanische. 2015 haben sich die Veranstalter vorgenommen, nur rumänische Musik vorzuführen. Und die Organisten werden dann auch nur Rumänen sein – egal, ob sie in Rumänien oder im Ausland leben.

Konzerte bringen wenig Geld

„Es gibt keine Organisten, die nur von Auftritten bei Konzerten leben können. Nicht einmal die sehr berühmten“, so Professor Rosca. Alle brauchen einen Nebenjob, denn das Geld aus den Konzerten genügt für ein dezentes Leben nicht. „Bestenfalls haben sie einen Job, der mit Musik verbunden ist, so wie ich meine Orgelklasse an der Fakultät habe“, führt er weiter fort. Es kann sein, dass ein Musiker sogar weniger Geld für die Teilnahme an einem Festival bekommt, als seine Reisekosten ausmachen. Doch einige machen es aus Freundschaft, andere um ihre Karriere voran zu bringen. In der Regel bleiben einem Organisten so ungefähr 500 EUR nachdem er die Reisekosten bezahlt hat. Das gilt für Orgelkonzerte und Festivals allgemein.

Das Timorgelfest gibt es seit 1992 in Temeswar, aber aus Geldmangel konnte es nicht jährlich organisiert werden: Es gab sogar eine Periode von sieben Jahren, in der das Festival gar nicht stattfand. Erst seit 2010, als die Musikfakultät angefangen hat, zusammen mit der Philharmonie das Festival zu veranstalten, konnten die Musiker über die Philharmonie auch bezahlt werden. Zuvor konnte die Universität diese Kosten nicht übernehmen und in den ersten Jahren spielten die Musiker sogar kostenlos. Für 2015 möchte Professor Rosca eine Neuigkeit ins Festival einbringen: einen Orgel-Wettbewerb. Musikstücke aus dem siebenbürgischen Barock, von J.S. Bach, aus dem Romantismus und auch moderne Musikstücke, sollen die Sieger bestimmen.

Über 1.400 Orgeln in Rumänien

Im Veranltungskreis Temesch gibt es 99 sakrale Orgeln (nicht mit den Jazz-Orgeln zu verwechseln). Das zeigt uns die Webseite www.monografia-orgilor.uvt.ro, wo alle Instrumente dieser Gattung aus Rumänien registriert und beschrieben sind. Dieses Inventar wurde von der West-Universität durch ein Projekt des Nationalrates für Forschung im Hochschulwesen (CNSIS) durchgeführt. Sein Ziel ist es, Daten und Fotos aller Orgeln aus Rumänien zu sammeln und diese den Musikforschern und dem breiten Publikum zur Verfügung zu stellen. „Wenn es in einem Land mehr als 1.400 Orgeln gibt, dann heißt das, dass diese zur Kultur des Landes dazugehören“, so Professor Ro{ca. „Auch wenn Rumänien ein vorwiegend orthodoxes Land ist, gibt es hier eine europäische Kultur, die die religiösen Grundsätze sprengt“. Die meisten sind alte Instrumente – wie die Orgel in Galatz/ Galati, zum Beispiel, die vom Vater des Schriftstellers Vasile Alecsandri aus Frankreich gekauft und der Kirche gespendet wurde. Doch es gibt auch neu gebaute Orgeln. Professor Felician Rosca hat aus eigenen Mitteln eine barocke Orgel erstellen lassen. Der Meister Zoltan Pap aus Odorheiu Secuiesc, mit dem er seit vielen Jahren zusammenarbeitet, hat sie genau nach den Kriterien einer alten Barock-Orgel gebaut. „Sie funktioniert mechanisch und hat einen süßen Klang“, so Rosca. Jetzt steht sie in der Adventisten-Kirche, auf der Independentei-Straße 16 in Temeswar.

Ein teures Instrument

In Rumänien gibt es mehrere Orgelmeister, die ihre eigenen Bau- und Reparaturunternehmen besitzen. Wenigstens 15, sagt der Professor. Bis 1990 gab es nur zwei, aber jetzt gibt es diesen Mangel an Orgelbauern nicht mehr. Sie sind auch diejenigen, die das Stimmen der Instrumente durchführen – einmal im Frühling und einmal im Spätherbst. Das muss so sein, wegen der Temperaturschwankungen und wegen der Luftfeuchtigkeit. Darüber hinaus muss die Orgel für jedes einzelne Konzert gestimmt werden. Das lernen die Studenten von ihrem Professor natürlich auch, denn mit solch einem Instrument muss man vorsichtig umgehen. „Es sind ganz teure Instrumente. Aber das hängt dann natürlich auch davon ab, wo man diese herstellen lässt - in Frankreich oder in England kostet es viel mehr als in Rumänien. Und die alten Orgeln sind auch viel teurer als die neuen, weil sie einen größeren kulturellen Wert haben. Es gibt Orte, wo die Orgel genauso viel kostet wie die Kirche”, so Felician Rosca. Er selbst hat seine eigene elektronische Orgel im Unterrichtsraum. Daneben die Partituren, die für das Studium vorbereitet sind. In einigen Wochen wird er diese Musikstücke in Frankreich, auf einer der schönsten Orgeln der Welt, in der Sainte-Trinité Kirche, vorführen.

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