Die Probleme fest im Griff behalten

Die Honigberger Kirchenkuratorin Erika Popescu baut auf Zusammenarbeit im Gemeinschaftsleben

Sonntag, 13. Juli 2014

Bei festlichen Veranstaltungen trägt Kirchenkuratorin Erika Popescu (links) immer die sächsische Frauentracht.

Kirche und Kirchenburg sind ihr zum zweiten Heim geworden.

Die Kirchenburg von Honigberg ist eines der besterhaltenen Baudenkmäler in Siebenbürgen.
Fotos: Dieter Drotleff

Noch bevor wir uns wie vereinbart im Pfarramt der evangelischen Kirchengemeinde A.B. von Honigberg/Hărman an einen Tisch setzen können, um über die vielseitige Problematik zu sprechen, mit der sich Erika Popescu (geb. Schmidts) als gewählte Kuratorin auseinandersetzt, treffen wir sie auf der Straße im Zentrum dieser schmucken Gemeinde an. Wie anders als im Gespräch mit Menschen, die ein Anliegen vorbringen, oder auch als alte Bekannte, die man schon seit Jahrzehnten kennt und schätzen gelernt hat. Erika Popescu befindet sich nun in ihrem dritten Mandat als Kirchenkuratorin, für das sie bei den im November 2013 stattgefundenen kirchlichen Wahlen bis 2017 gewählt worden ist.

Bei gleichem Anlass wurden in das Presbyterium Manfred Thiess und Christian Chelu, ebenfalls bis 2017,  gewählt, sowie Hans Kaufmes, Waltraut Nan (geb. Schuller) und Anna Hedwig mit Mandat bis 2015. In die Kronstädter Bezirkskirchenversammlung wurde Christian Chelu delegiert, wobei sein Mandat wie auch im Presbyterium 2017 abläuft. Die Zusammenarbeit innerhalb des Presbyteriums läuft sehr gut, wie Kuratorin Erika Popescu gleich einleitend betont. Die Aufgaben werden den Presbytern zugeteilt, die sich untereinander gut absprechen.

Auch mit den Mitgliedern der Gemeindevertretung, bestehend aus Hedda Thiess, Delia Stoica, Otto Bruss, Hedda Wagner, Christine Dieners, Martin Graef (jun.), Hendrik Lösch, Hannelore Farsch, Arthur Rosenauer und Nora Nan trifft man sich monatlich, um die Probleme der Kirchengemeinde zu besprechen. Anschließend folgt meist ein gemütliches Beisammensein. Wofür unsere Gesprächspartnerin besonderes dankbar ist, ist die Tatsache, dass sie auf die Mitarbeit fähiger, junger Menschen bauen kann, auf den Einsatz der Presbyter, die sich für die Kirche regelrecht aufopfern, wie sie betont. Dass das keine leerenWorte sind, ist am Zustand der Kirche und der Kirchenburg, am Heimatmuseum, der Kirchenkapelle, im Pfarrhaus und am Friedhof zu sehen.

Weltlicher Würdenträger

Der Kurator der Kirchengemeinde ist als erster weltlicher Würdenträger Stellvertreter des Pfarrers. Er unterstützt den Pfarrer bei der Erfüllung seiner Aufgaben. Auch vertritt er die Kirchengemeinde, wenn der Pfarrer verhindert ist oder dessen Stelle unbesetzt ist, heißt es in der Kirchenordnung. Jeden Mittwoch hält Kuratorin Erika Popescu von 9  bis 12  Uhr Sprechstunden im Pfarramt.

Laufende Probleme  wie Arbeiten auf den Baustellen in der Kirchenburg, Anliegen der Kirchenmitglieder, aber auch sonstiger Gemeindebewohner, kommen zur Sprache, Spenden oder Gebühren werden entgegengenommen, das Läuten der Glocken zur Andacht an in Deutschland verstorbene Honigberger wird auf Antrag programmiert. Dabei steht ihr Mihaela Chelu als Sekretärin mit Kompetenz zur Seite und nimmt ihr einige der Verwaltungsprobleme ab. Und deren gibt es viele, um die man sich bemühen und dafür Lösungen finden muss. Für das Wochenende war das Konzert des Blasorchesters aus Sachsenheim (Deutschland) angekündigt, für das die Vorbereitungen als gute Gastgeber abgeschlossen werden mussten, zudem finden Konzerte im Rahmen der Reihe Musica Barcensis in der Kirche statt, im August ist das Treffen der Honigberger eingeplant.

Bilanz am Richt- und Sitttag

Besten Einblick in des Gemeindeleben bietet immer wieder der Richt- und Sitttag, der heuer am 2. März abgehalten wurde. Als eigenständige Kirchengemeinde mit 123 Kirchenmitgliedern (Stand: Ende des Vorjahres) zählt Honigberg zu den zahlenmäßig starken Gemeinden innerhalb des Kronstädter Kirchenbezirkes. Heuer fanden sogar noch drei Zugänge statt, wie die Kirchenkuratorin betonte. In der von Pfarrer Kurt Boltres betreuten Kirchengemeinde wurden jeden Sonntag die Gottesdienste gefeiert. Auch Muttertag und Erntedankfest wurden in festlichem Rahmen begangen. Dabei haben die Frauen der Kirchengemeinde dazu beigetragen und die Teilnehmer mit Kuchen und Krapfen bewirtet. Stolz sind die Honigberger auf den von Diana Bâldea geleiteten Kirchenchor. Zwar umfasst dieser nur 16 Mitglieder, zeichnet sich jedoch durch die Qualität seiner Darbietungen aus.

Mehrere besonders dringende Arbeiten wurden in der Kirchenburg durchgeführt. Der Fußboden im hinteren Teil der Kirche wurde erneuert, der Aufgang zum Turm von der West-Seite her überholt und die Treppen mit Geländer gesichert. Seit letztem Jahr ist auch das Innere des Kirchturms beleuchtet. Repariert wurde auch die Türe zum hinteren Eingang der Kirche, die Holztreppen durch Steintreppen ersetzt. Neue Treppen gab es auch für den Aufgang zur Kirchenkapelle. Die Mauer der Kirchenburg wurde repariert, mehrere Kornkammern in der Kirchenburg gereinigt und das Tor zum Pfarrhof erhielt einen neuen Anstrich. Ein neuer Wasseranschluss zur Burghüter-Wohnung wurde gesichert. Auch das Heimatmuseum in der Burg wird immer wieder durch neue Exponate bereichert. In diesem Jahr wurden Arbeiten an der Ringmauer vorgenommen. In der Kirche soll der Fußboden vor dem Altar erneuert werden. Über all dies muss man sich stets mit den engsten Mitarbeitern beraten und vor Ort sein, um während der Arbeiten nach dem Rechten zu sehen. Auf unserem Rundgang mit Kuratorin Erika Popescu im Inneren der Kirchenburg und am Pfarrhof war nicht zu übersehen, dass hier ständig etwas repariert oder erneuert wird.

Prinz Charles zu Besuch

Vor einem Jahr war sogar Prinz Charles in Honigberg zu Besuch. Nur eine Viertelstunde vor seinem Eintreffen wurde Kuratorin Erika Popescu über den hohen Besuch verständigt.  Der Empfang verlief ohne viel Protokoll; der Gast zeigte sich besonders von der Kapellenausmalung beeindruckt, von der Kreuzigungsszene an der Ostwand. Die Kapelle wurde um 1300 gebaut. Im 15. Jahrhundert wurde diese zu einem Wehrturm ausgebaut und erst nachträglich ausgemalt. Die vollständige Freilegung und Restaurierung erfolgte durch das Denkmalamt in den Jahren 1996 – 1998. Aus Eigeninitiative ließ das Presbyterium nun die Treppe zur Kapelle reparieren und beim Eingang zu dieser das Podium sichern, damit die Besucher einen besseren Blick auf die Fresken haben.

Auch kann man nun wieder auf den Kirchturm steigen. Die Holztreppen wurden repariert und Sicherungsgitter angebracht. Ein Ausgang konnte freigelegt werden, der in der Kriegszeit zugemauert worden war und an den sich Anna Hedwig noch erinnerte. Am Kirchendach wurden 68 Quadratmeter Fläche einer Reparatur unterzogen. Die laufenden Arbeiten werden aus dem Erlös für den Eintritt getragen. Dringende Reparaturen stehen für den kleinen Turm an. Dafür beabsichtigt man, europäische Mittel zu beantragen.

In der  Kirchengemeinde arbeitet man wirtschaftlich. Nach Rückerstattung der Schule wurde das Gebäude an die Gemeinde vermietet, der alte Kindergarten konnte verkauft werden. Zwei weitere Gebäude aus dem Kirchenbesitz wurden ebenfalls vermietet. Das eine an die Orgelbauwerkstatt, der alte Priesterhof an einen privaten Kindergarten.

Das Pfarrhaus ist entsprechend renoviert. Hier wurden auch drei Gästezimmer eingerichtet. Insgesamt verfügen diese über neun Betten und sind mit voll ausgestatteten Baderäumen versehen. Den Wagen kann man im Pfarrhof parken.

Den Aufgaben gewachsen

Geboren wurde Erika Popescu in Honigberg, wo sie schon ihre Kindheit verbrachte und die Schule besuchte. In der hiesigen Teppichfabrik, die weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt war, fand sie auch ihren Arbeitsplatz, wobei ihr die deutsche Muttersprache viel zu Hilfe kam, da man so die Verständigung mit den deutschen Abnehmern sichern konnte. Erika Popescu stieg  zur Abteilungsleiterin auf und führte die Verantwortung für 427 Frauen, wie sie heute noch genau zu berichten weiß. In diesem Amt war sie bis zum Rentenantritt tätig. Die damalige Teppichweberei „Covorul“ hatte 1200 Arbeitnehmer, vor allem Frauen.  Arbeitsplätze sicherte vor der Wende auch die staatliche landwirtschaftliche Maschinenstation, wo ihr Gatte als Buchalter ebenfalls bis zu seinem Rentenantritt 1990 aktiv war. Tochter Isabelle Ilica Popescu, die in Bukarest Mathematik und Informatik studierte, lebt heute in Deutschland, wo sie an einer Schule unterrichtet. Sie hat sich dort aktiv in die Tätigkeit der Heimatortsgemeinschaft eingeschaltet, wo sie im Vorstand als Kassiererin wirkt. 

Die tatkräftige Kuratorin ist nicht nur in den kirchlichen Kreisen als solche bekannt. Sie scheut es nicht, offen auch für andere Belange der evangelischen Kirchengemeinde einzutreten, gleich ob es sich um das Rathaus der Gemeinde oder gar die Kronstädter Präfektur oder den Kreisrat handelt. Mit Bürgermeister Mihai Dişor gibt es eine gute Zusammenarbeit, besonders dann, wenn man wenig fordert. Auch ist dieser immer wieder bei den Festen der sächsischen Gemeinschaft dabei, wie kürzlich beim zehnjährigen Bestehen der Orgelbauwerkstatt oder dem Begegnungsfest der Honigberger im Jahr 2011. Am 10. August 2014 wird nun das dritte dieser Feste der Honigberger stattfinden, vorausgesetzt es kommen auch interessierte ehemalige Gemeindebewohner, die heute in Deutschland leben. 

Eine gute und enge Zusammenarbeit pflegt die Kuratorin mit der Vorsitzenden der HOG in Deutschland, Anneliese Madlo. Gegenseitige Aussprachen, aber auch Begegnungen, finden regelmäßig statt. Unterstützung kommt von den ehemaligen Landsleuten, wenn diese nötig ist, vor  allem für die Instandhaltung des Friedhofes. Auf einem Rundgang durch die schmucke Gemeinde kann man sich selbst davon überzeugen, dass diese das beste Spiegelbild ihrer Bewohner darstellt.

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