Die Qual der Wahl

Sonntag, 17. März 2019

Wir Menschen suchen die Freude, denn sie gleicht der Sonne, die unser Leben erhellt und erwärmt. Wo finden wir sie? Es gibt zwei Wegweiser, die uns aber in zwei entgegengesetzte Richtungen weisen. Der eine Wegweiser hat die Gestalt des Lustbechers. Er behauptet: Nur das, was unsere fünf körperlichen Sinne ergötzt, schenkt uns die ersehnte Freude. Sein Motto: „Lebe dich aus!“ Der andere Wegweiser ist das Kreuz. Dieser sucht uns zu überzeugen, dass wahre Freude nur aus der Beherrschung der Sinne und der Erhebung des Herzens zu Gott entspringt. Sein Motto: „Per crucem ad lucem – durch das Kreuz zum Licht!“ Welchem der beiden Wegweiser wollen wir folgen? Wir haben die Qual der Wahl!

Viele wählen den Lustbecher, denn er verlangt keine Selbstüberwindung. Sie wollen das Leben „in vollen Zügen“ genießen bei Spiel und Tanz, bei Genuss- und Sexorgien, bei Geldgewinn und in allem, was die körperlichen Sinne befriedigt. Ihr Credo hat Goethe in den Mund des „Faust“ gelegt: „Das Drüben kann mich wenig kümmern. Aus dieser Erde quillen meine Freuden!“ Gibt es dafür eine lebenslange Garantie? Nein, der Wind bläst ja auch nicht immer aus derselben Richtung. Wenn Zeiten der Leiden kommen, was dann? Der bisherige lebenslustige Optimist wird ein wehleidiger Pessimist. Er muss mit „Faust“ klagen: „Nur mit Entsetzen wach ich morgens auf. Ich möchte bittre Tränen weinen, den Tag zu sehn, der mir in seinem Lauf nicht einen Wunsch erfüllen wird, nicht einen. So ist mir das Dasein eine Last, der Tod erwünscht, das Leben mir verhasst!“ Am Ende des Weges, den der Lustbecher als Freude verheißt, steht grausam lächelnd der Pessimismus.

Das hat auch der Dichter Lenau am eigenen Leib erfahren: „Ob jeder Freude seh ich schweben, der Geier bald, der sie bedroht; was du gesucht, geliebt im Leben, bald ist´s verloren oder tot!“ Jeder, der dem Wegweiser „Lustbecher“ folgt, macht die gleiche Erfahrung wie Arthur Schopenhauer: „Das Leben ist ein Geschäft, das die Kosten nicht deckt!“ Und welches Schicksal erwartet den Lustbechertrinker in der Ewigkeit?

Der Wegweiser „Kreuz“ scheint auf den ersten Blick nur Entbehrung anzubieten. Wo bleibt da die Freude? Drei Apostel erfuhren auf dem Berge Tabor bei der Verklärung Christi einen kleinen Vorgeschmack der Freude, die allen verheißen ist, die dem Wegweiser „Kreuz“ folgen. Begeistert riefen sie aus: „Herr, hier ist es gut sein!“. Der „Kreuzweg“ führt zu einer ewigdauernden Freude, die alles Begreifen übersteigt. Sie gleicht der Sonne, die ihr Licht und ihre Wärme nicht nur in sich allein trägt. Sie gibt sie auf unsere Erde weiter und bringt alles zum Grünen und Blühen. So ist es auch mit der Freude, die aus dem Kreuz Christi strömt. Sie erweckt im Kreuzwähler eine Geisteskraft, die sich über alle Freuden der Sinne erhebt und schafft das Fundament jeder wahren und bleibenden Freude: Das gute Gewissen! Hinzu gesellt sich – laut Titusbrief – die freudige Hoffnung „auf das Erscheinen der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Retters Christus Jesus!“ Und Jesus verheißt uns: „Euer Herz wird sich freuen und niemand nimmt euch die Freude!“

Das hat auch der Dramendichter Franz Grillparzer, der kein Kirchenmann war, erkannt: „Senk es tief in jede Brust: Eines nur ist Glück hienieden. Eins: Des Innern stiller Frieden und die schuldbefreite Brust!“

Wer aus dieser Freudenquelle trinkt, überwindet leicht alle Leiden, an denen der Lustbechertrinker zerschellt. Er singt mit der heiligen Creszentia von Kaufbeuren: „So sei es beschlossen und bleibe dabei: Hier schneide, hier brenne, dort gnädig mir sei! Zum Danke, dann will ich hinschreiben aufs Grab: Nach Leiden Gott himmlische Freuden mir gab!“
Das Fazit: Wer aus dem Lustbecher trinkt, wird zum Pessimisten. Wer aus dem Kreuzbecher trinkt, wird zum Optimisten. Wofür entscheiden wir uns? Wir haben die Qual der Wahl.

 

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