Die Quellen der Vorstellung

Vortragsreihe der Universität Bukarest eröffnet

Sonntag, 16. Dezember 2012

Professor Radu Bogdan studierte Philosophie an der Universität Bukarest und erhielt seinen Doktortitel an der Universität Stanford. Foto: Aida Ivan

„Die Einladung des Rektors” heißt die Vortragsreihe, die am Nikolaustag vom Rektor der Universität Bukarest, Mircea Dumitru, im Bukarester „Haus der Hochschullehrkräfte” (Casa Universitarilor) eröffnet wurde. Der erste Vortrag unter dem Titel „Die Quellen der Vorstellungskraft: Entwicklung, Gesellschaft, Kultur“ wurde von Prof. Radu J. Bogdan gehalten, einem wichtigen Vertreter der rumänischen akademischen Welt.

Der Wissenschaftler ist der Leiter der Abteilung für Kognitionswissenschaften an der Tulane Universität, New Orleans, an der er Philosophie des Geistes und Kognitionswissenschaften lehrt. Viele seiner Bücher sind im Verlag MIT Press erschienen, der für das Massachusetts Institute of Technology (MIT) wissenschaftliche Beiträge publiziert. Radu Bogdan ist auch Gastdozent an der Universität Bukarest, an der er das Masterprogramm für Kognitionswissenschaften „Open Mind” gegründet hat und dieses auch leitet.

Ziel der Vortragsreihe ist, die intellektuellen Persönlichkeiten auch als Vorbilder für die jüngeren Generationen zu fördern. Zugleich soll ein Raum für akademische Debatten geschaffen werden, die Themen behandeln, an denen Wissenschaftlerkreise und die rumänische Gesellschaft Interesse haben.

In seinem Vortrag hat Radu Bogdan die Hypothese aufgestellt, dass die Vorstellungskraft, eine universelle Kompetenz, nicht älter als 150.000 Jahre sei. Für die Vorstellung scheint es kein biologisches Organ zu geben, das zur Reife kommt, meinte er. Die Vorstellung hat Radu Bogdan „Motor des Intellektes” genannt. Das „So tun als ob”-Spielen der Kinder soll eine vorübergehende Anpassung an die Umgebung, eine Reaktion auf den soziokulturellen Druck sein, da die Welt der Erwachsenen Ansprüche stellt, die nicht zu den Assimilationsfähigkeiten der Kinder passen. Es stellt sich die Frage, ob das repetitive, mimetische Benehmen der spielenden Kinder ein Warteraum der Vorstellung sein könnte.

Diese Strategieentwicklung ist etwas Allgemeinmenschliches, die Vorstellung hingegen wird unterschiedlich verwendet. Radu Bogdan veranschaulichte seine Behauptung anhand eines Vergleichs mit der Grammatik: Die Grammatik ist nicht mit dem Ziel entstanden, Schriftstellern wie Shakespeare als Ausdrucksinstrument zu dienen. Das ursprüngliche Ziel der Grammatik war es, die Gedanken zu ordnen. Dasselbe gilt für die Strategieentwicklung und die Vorstellung: Wenn man über eine solche Kompetenz verfügt, dann kann man sie in anderen Bereichen nutzen.

Die Vorstellung lebt zunächst wie ein Parasit, entwickelt sich aus der Fähigkeit, Strategien zu entwickeln, und macht einen Sprung in eine andere Richtung. Die Strategieentwicklung sei also die Matrix, der Brutkasten der Vorstellung, so Radu Bogdan. Die Schlussfolgerung des Professors war, dass die Vorstellung kein mentales Organ sei, sondern eine Konstruktion. Die Denkfähigkeit auf einem höheren Niveau scheint aus mehreren Bauteilen zusammengesetzt zu sein, was dazu führt, dass der Intellekt fragil und instabil ist. Manchmal geschieht es, dass Bestandteile dieser Zusammensetzung nicht richtig funktionieren. Deshalb gibt es Krankheiten wie Autismus und Schizophrenie. Solche Krankheiten erscheinen bei Tieren nicht, in ihrer Welt regiert noch das Prinzip der natürlichen Selektion, das stabil ist.

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