Die Reformation in Kronstadt in zeitgenössischen Chroniken

Samstag, 26. März 2016

Seit über einem Jahrhundert befindet sich die Statue des Reformators Johannes Honterus, ein Werk des Berliner Bildhauers Harro Magnussen neben der Schwarzen Kirche.
Foto: Dieter Drotleff

Wir bereiten uns auf die 500- te Wiederkehr der Reformation der Kirche durch Luther im nächsten Jahr vor, da ist es wohl von Interesse einmal zu sehen, wie sich das Geschehen der Reformation in Kronstadt in den zeitgenössischen Quellen dargestellt hat. 1519 kamen die ersten Schriften Luthers nach Ungarn und auch nach Siebenbürgen, so dass der ungarische Reichstag 1523 strenge Strafen gegen alle Anhänger der neuen Lehre erliess. 1524 brachte der Erzbischof von Gran in einem Schreiben an Hermannstadt seinen Schmerz darüber zum Ausdruck, dass sich ein Teil der sächsischen Pfarrer zu Luthers Lehre bekannten. (in „Kirche und Schule der Siebenbürger Sachsen...“ von Friedrich Teutsch, Hermannstadt 1923). So war es nur noch eine Frage der Zeit, dass die Reformation der Kirche der Siebenbürger Sachsen erfolgte. Da diese von Kronstadt ausging, ist es interessant, wie die Zeitgenossen der Reformation gegenüberstanden.

In dem  erster Band der „Quellen zur Geschichte der Stadt Brassó“ (es ist zu beachten, dass es in Ungarn des Jahres 1903 nicht erlaubt war „Kronstadt“ zu schreiben!) sind 25 Chroniken, die die Zeit der Reformation enthalten. Es berührt eigenartig, dass von diesen 25 Beiträgen, nur 6 über diese berichten, fünf von ihnen in äusserst knapper Form:

1.) Auszug aus der Chronik von Simon Massa, Marcus Fuchs u. a.: In lateinisch wird berichtet, dass in diesem Jahr in der Kronstädter  Kathedralkirche (!) die papistische Messe abgeschafft wurde und öffentlich die Reformation der Kirche durch den gelehrten Herrn Magister Johannes Honterus eingeführt wurde, unter der Hilfe und dem Schutz des Herrn Johann Fuchs, dem Richter von Kronstadt. Dieser Bericht wird eingerahmt von der Nachricht über den Einfall von Heuschrecken und die Verwüstungen durch sie in Ungarn, Siebenbürgen, Walachei und für 1543 über ein Erdbeben in Siebenbürgen. Weiter berichtet diese Chronik, dass 1544, am 16. Februar der Pfarrer der Kronstädter Kirche seine Stelle verlässt und nach Tartlau zieht. An seiner Stelle wird am 22. April Johannes Honterus zum Pfarrer an der Kronstädter Kirche gewählt.

2.) „Kurzgefasste Jahr- Geschichte von Siebenbürgen, besonders Burzenland“ von Joseph Teutsch. Hier lesen wir:
„1542 wird das Reformationsbüchlein Herrn Honteri gedruckt.
Den M.(agister) Honterum soll der König von Polen Sigismund mit einem Stipendio  versehen haben, dass er hat studieren können in Krakau, woher er nachgehends gegen Basel gezogen.
1544 mens Februario werden mit Willen der Stadt- Obrigkeit die Bilder aus der Kirche geschaffet, die Neben- Altäre abgebrochen, das nur ein großes Crucifix bei dem Taufstein und der große Altar blieben.“    
 3.)  Im „Auszug aus dem Diarium des Paul Benckner d. Ä.“ steht:
„1542 wurde zu Kronstadt die päbstische Messe abgeschafft durch Johannem Honterum mit Hülf Johannis Fuchsens den 3. Octobris. In diesem Jahr ist auch die Reformatio der Kirchen in Burzenland durch Magistrum Joannem Honterum verfertiget und in Druck gegeben.  
1543 sind auf der Königin Isabellae und des Schatzmeisters (Kardinal Martinuzzi) Befehl aus Burzenland gen Weissenburg gezogen der Richter zu Kronen neben zween andern Ratsgeschworenen und der Dekanus Capituli sampt 2 andern Pfarrherrn, angenommene Reformation und  evangelische Lehr zu verantworten.
1544 wird zu Kronen zum obristen Pfarrherrn erwäldt der Hochgelehrte und Gottesfürchtige Herr Magister Johannes Honterus, Restaurator Doctrinae Evangelicae et honestarum disciplarum  in Transsylvania.“

4.) Der „Auszug aus „Annotata quaedam“ berichtet nur dass die Pontifikalmesse 1542 abgeschafft wurde.
5.)  Am ausführlichsten berichtet Hieronymus Ostermayer in den „Historien“ über die Reformation:
„Eodem anno (1542). Hat man im Monat Octobris angefangen evangelische Mess zu halten in Croner Kirch und die papistische weggeschafft, Gott und seinem heiligen Namen zu Ehren. Amen.
Item hat Herr Joannes Fux durch den hocherleuchten und recht gelehrten Mann Magistrum Joannem Honterum die Reformation der Kirchen aufgericht in Burzeland und im Druck lassen ausgehen. Dieses ist der Königin und Herrn Schatzmeister hart zuwider, als folgen wird. Gott aber der Allmächtige wolle wider all Toben und Wüten dies angezündete wahre Licht bei uns und unsern Nachkömmlingen gnädiglichen erhalten bis in Ewigkeit uns scheinen lassen. Amen.
Anno 1543. Ist Herr Joannes Fux zum 3. mal zum Richter erwählt worden. Auf dieses hat die Königin und der Schatzmeister zu Weissemburg mit den Papisten eine Versammlung gehalten und Herrn Magistrum Joannem Honterum sampt dem Reformation- Büchlein undder Stadt Obrigkeit dahin beruefen. Und sein von den Geistlichen dahin verreisen Herr Nicolaus Pfarr zu Rossnaw, Herr Jeremias Pfarr zu Cron, item der Herr Richter sampt  etlichen Herren. Den Herrn Magistrum aber haben sie nit mitziehen lassen. Weil aber bemeldte Herren durch Gottes Hilf wohl bestanden wider die papistischen Gesellen, sein sie glücklichen heimkommen, und also das Evangelium je mehr im Land ausgebreitet. Gott sei Ehr, Lob und Dank. Amen.
...
Eodem den 16. Tag Februarii hat unser Pfarr zu Cron Hierernias  Jekel (Stadtpfarrer Jekel hatte schon im Sommer 1542 geheiratet) die Pfarr aufgeben und die Tartler Pfarr angenommen und dahin gezogen, aus was Ursach, ist unnötig zu erzählen (?).
Auf dies ist dem Herrn Hans Fux von der Gemein die Pfarr- und Kirchsorg befohlen worden zu verwalten, bis Gott einen frommen Seelensorger würde bescheeren.
Item sein mit Willen der Obrigkeit die Bilder aus den Kirchen, auch der große Altar in der Pfarrkirch abgebrochen worden.
Dito den 22. Tag Apilis ist mit gemeiner Wahl der gelehrt und gottsfürchtig Mann Herr Joannes Honterus zum Pfarr in Cronstadt erwählet worden.

Den 23. Tag Januarii am Mittag die 12. Stund ist der gottsfürchtig Herr Magister Joannes Honterus, Pfarr in Cronstadt aus dieser Welt verschieden. Dieser Mann war ein Mann, seinem Vaterland zu dienen, und, was demselbigen Nutz, zu fördern und zu fürchten. Denn er hat die Lehre des heiligen Evangelii und. den rechten Gottesdienst allhie erst an-gericht und die Schulen reformiert zu Nutz der Jugend und die Truckerei aufbracht und des H. Heiligen Evangelii halben viel erlitten und ausgestanden von den Papisten oder  vielmehr falschen Christen, und sonderlichen in seinem Pfarrampt hat er nichts anders denn vieler Seelen Heil und Seligkeit gesucht. In Summa ein fromb, demütig, lehrhaftig,  ehrerbietig, niemand verschmähend, und darzu ein treuer Hirt seiner Schäflein, dessen Seel in der ewigen Ruhe schwebt und lebet ewiglich. Amen.
In dieses Stell ist erwählet worden der Herr Valentinus Wagnererus, der ein Discipol Herrn Joanni Hontero und damals Rector gewesen. Gott verleih ihm ein langes Leben. Amen.“
6.) Den letzten Eintrag (lateinisch) finden wir im „E Calendario Laurentii Kertzii“:
- Am 3 Oktober 1942 reformiert Johannes Honterus, mit der Hilfe von Johannis Fuchs in Kronstadt die Messe.   
- Am 22. April wird Johannes Honterus zum Pfarrer der Kirche in Kronstadt berufen.
- Am 23. Januar 1549 stirbt Johannes Honterus, Pfarrer der Kirche in Kronstadt, 12 Uhr Mittags.
Es ist bemerkenswert, dass nur drei Chroniken die Entfernung der „Bilder“ aus der Kirche erwähnen, die Umgestaltung der Lateinschule in ein modernes Gymnasium findet keiner der Berichterstatter für erwähnenswert, nur Ostermayer erwähnt es kurz. Dafür wird aber ausführlich über Erdbeben, kriegerische Ereignisse, Heuschreckenplage, Pest und ähnliche Tagesereignisse  berichtet.
Es ist verwunderlich, dass ein so einschneidendes Ereignis wie es die Reformation und der Umbau der Schule war, die schreibenden Zeitgenossen so wenig beeindruckt hat. Auch dass nur Ostermayer die verschiedenen Tätigkeiten Honteri´s würdigt ist kaum erklärbar.

Kommentare zu diesem Artikel

Tourist, 28.03 2016, 01:54
man muss die Reformation vor allem politisch sehen. Man suchte damals so weit im Osten nach einer theologischen Begründung, um sich aus ärgster Bedrängnis irgendwie mit den Türken arrangieren zu können und nicht mehr beim heiligen Krieg des katholischen Westens mitmachen zu müssen, der das kleine Siebenbürgen sicher zermalmt hätte. Die Opfer des 15. Jahrhunderts waren schon schlimm genug. In diesem Jahrhundert sind so viele Sachsendörfer wie nie zuvor und nie danach dem Untergang geweiht gewesen. Man musste einfach verhandeln mit dem Feind und das ging nur indem man sich von Rom und vom spanisch/österreichischen Kaiser lossagte. Das Mittel dazu war die Reformation.

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