Die Repser Orgel dank der Konzertbesucher restauriert

Zwei Drittel der Kosten sind bereits gedeckt

Donnerstag, 26. Januar 2012

Die Repser Orgel wird zurzeit in der Werkstatt in Honigberg repariert.

Rund eintausend Menschen kamen zur Jahreswende ins Konzert in die Schwarze Kirche.

Die sanierungsbedürftige Repser Kirche – links im Foto, die Orgelempore.

Das Konzert zur Jahreswende „wächst von Jahr zu Jahr“: Am 31. Dezember 2011 schlug der Publikumsrenner der Schwarzen Kirche erneut die eigenen Rekorde. 750 Konzertbesucher waren vor zwei Jahren gekommen, einhundert mehr im vorigen Jahr, schließlich konnten für die diesjährige Auflage 950 Karten verkauft werden.

Das Konzert war nicht nur den Komponisten gewidmet, die 2012 gefeiert werden – u. a. G. Gabrieli, C. Debussy, J. Massenet und der Mühlbacher Gerhard Schuster – sondern auch einem wertvollen Musikinstrument, das dringende Unterstützung braucht. Seit 2009 fließt der Erlös der verkauften Konzertkarten in das Restaurierungsprojekt der Orgel aus Reps. Koordiniert wird die Benefizaktion von der Evangelischen Kirche A. B. Kronstadt (Honterusgemeinde).

Wie viel gelang es in diesem Jahr für die Rettung der Repser Orgel „herbei zu musizieren“? Ganze 7500 Euro! Denn neben dem Konzert zwischen den Jahren haben auch der Orgelsommer, die Konzertreihe „Musica Coronensis“ und das Weihnachtskonzert am 15. Dezember ihren Beitrag geleistet. Nochmal soviel hatten schon vor Jahren die Repser für ihre Orgel gespendet. Hinzu kommt der Erlös der Musikveranstaltungen in der Schwarzen Kirche für die Zeitspanne 2009 – 2010.

Die Repser Orgel ist eins der wichtigsten erhaltenen Instrumente in Siebenbürgen. Sie wurde höchst-wahrscheinlich im 17. Jahrhundert errichtet, das genaue Baujahr konnte jedoch noch nicht festgelegt werden. Die Inschrift „1726“, die auf dem Instrument entdeckt wurde, steht vermutlich für die ersten gründlichen Restaurierungs- und Umbauarbeiten. Einige Jahrzehnte später wurde das Instrument von Johannes Prause repariert, im 20. Jahrhundert von Karl und Otto Einschenk.

Auch die Platzierung der Orgel ist beson-ders: sie steht nicht auf der Westempore oder über dem Altar, wie die meisten Instrumente in Siebenbürgen, sondern auf einer kleinen eigenen Empore im Hauptschiff, links vom Triumphbogen. Vor einigen Jahren gelangte sie auf Umwegen aus der sanierungsbedürftigen Repser Kirche auf die Südempore der Schwarzen Kirche. Voriges Jahr konnte sie von den ersten Spendengeldern profitieren und wurde in die Orgelwerkstatt in Honigberg für den Start der Restaurierungsarbeiten verlagert.

Seither wurden bereits die Bemalung und die Verzierungen des wertvollen, original erhaltenen Prospekts gereinigt. Anstelle der düsteren Farben von vorher leuchtet das Instrument jetzt in intensivem Blau und Gold.

Da die Orgel nicht homogen ist, sondern in mehreren Bauetappen entstanden ist, sollen zunächst die Pfeifen fachkundig sortiert werden. Im Idealfall müsste festgelegt werden, aus welcher Legierung diese bestehen – doch die Kosten des Verfahrens könnten das Budget überschreiten. „Das Prinzip ist, alles beizubehalten und zu reparieren, was nicht unbedingt ersetzt werden muss“, erklärt Steffen Schlandt, Kantor der Schwarzen Kirche und Initiator des Restaurierungsprojekts. „Es gibt Pfeifen, die undicht sind oder nicht klingen, an manchen Stellen ist das Holz vom Wurm zerfressen und muss neu geschnitzt werden.“

Zwei Drittel der Kosten, die etwa bei 35.000 Euro liegen, stehen bereits zur Verfügung – und dies allein durch den Beitrag der Konzertbesucher und Musikliebhaber aus Kronstadt und Reps. Noch zwei ganze Jahre müssten die Konzerteinnahmen für das Projekt beansprucht werden, damit die Gesamtkosten allein getragen werden können.

Wäre jedoch das Geld schon da, so könnte die Orgel noch in diesem Jahr eingeweiht werden. Die Koordinatoren des Projekts erhoffen sich die Unterstützung eines großzügigen Sponsors – denn schon bei der Reparatur der Glocke im Turm des Alten Rathauses war eine bedeutende Finanzierung aus der freien Wirtschaft entscheidend.

„In diesem Zusammenhang sollte die Deutsche Botschaft in Bukarest nicht unerwähnt bleiben“, sagt Steffen Schlandt. „Sie ist der Hauptförderer der ‘Musica Coronensis’ und hat heuer auch das Konzert zur Jahreswende unterstützt, dessen Programm somit bunter, interessanter gestaltet werden konnte. Dank dieser Förderung unserer Musik können wir Konzerte veranstalten, die ihrerseits Geldgeber für weitere Projekte werden, bei-spielsweise für die Repser Orgel.“

Kommentare zu diesem Artikel

Historiker, 14.03 2012, 16:38
Hoffentlich kommt die Orgel nach erfolgreicher Restaurierung und Beendung der Kirchenrenovierung in Reps wieder an ihrem "Heimatort" zum Erklingen.
Ottmar, 26.01 2012, 15:01
Warum bekommt man für die Restauration eines solchebedeutenden Kulturgutes nicht von den EU-Hilfsfonds etwas dazu.
Da gibt es bestimmt einen Weg, die Politiker sollten sich hier kundig machen. Für was gibt es Minister,Staatssekretäre für Kultur....

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