Die Reste des Maschinenbauwerks sind 52 Millionen Euro wert

Gläubiger weisen Bewertung zurück und setzen Neubewertung von UCMR durch

Freitag, 26. August 2016

Das in den 1950er Jahren vom banatschwäbischen Baumeister Johann Frombach errichtete Gewerkschaftskulturhaus von Reschitza, heute nicht mehr allzu gut in Schuss, wird mit sechs Millionen Euro angegeben. Laut Gläubigern erscheint diese Summe als viel zu hoch.

Sie gehören zu den größten Industriehallen Südost-europas und dienten ursprünglich der Herstellung großer geschweißter Bestandsteilgruppen für Wasserkraftwerke. Seit gut 20 Jahren sind sie dem Verfall preisgegeben, auch wenn sie mit zu den ursprünglichen Argumenten für den Kauf der UCMR SA durch die in der Schweiz registrierte INET AG gehörten.
Fotos: der Verfasser

Bis vor Kurzem wusste niemand, was die Unternehmensreste wert sind, die von der Verbrechergruppe um den ehemaligen Präsidenten-Generaldirektor des Reschitzaer Maschinenbauwerks, Adrian Chebuţiu, übriggelassen wurden, nachdem dieser und seine Kumpane sich die Filetstücke beiseite geschafft hatten. Deshalb hat die Gläubigerversammlung sich nach langen Diskussionen durchgerungen, einen unabhängigen Gutachter anzuheuern, der ihr eine Bewertung liefern soll, was an Insolvenzmasse übrig bleibt. Der Auftrag der Gläubigerversammlung kam auf Druck des gerichtlich bestellten Insolvenzverwalters 2015 zustande. Laut Gesetz 85/2006 muss beim Insolvenzprozedere der Wert der vorhandenen Bürgschaften – mobile und immobile Besitztümer der insolventen Firma – angegeben werden. Warum die Aufforderung zur Evaluierung erst 2015 kam und nicht schon Jahre vorher, als die Insolvenz beantragt wurde, das müss(t)en Insolvenzverwalter Remus Borza und die Gläubigerversammlung be- und verantworten.

Unzufrieden mit Bewertung

Eine erste Bewertung seitens der mit der Evaluierung beauftragten Darian DRS SA wurde der Gläubigerversammlung am 21. April 2016 vorgelegt. Alle Gläubiger (das sind: die Autorität zur Verwaltung der Staatsaktiva AAAS, die in der Schweiz registrierte INET AG – der beim Handelsregister registrierte Besitzer von UCMR SA –, der Stadtrat/das Rathaus Reschitza und die Öffentliche Dienststelle für Steuern und Gebühren des Rathauses Reschitza) wiesen die Bewertung zurück, einige auch mit Argumenten. Die Gläubiger entschieden in der nächstfolgenden Sitzung (27. Juli), eine Neubewertung des Werksvermögens vornehmen zu lassen. An dieser sowie am Umstrukturierungsplan des Restunternehmens (dazu beauftragt sind UCMR-Geschäftsführer Cosmin Ursoniu und seitens des Insolvenzverwalters Nicoleta Ioana Ionete) wird gegenwärtig gearbeitet. Beide Grundsatzpapiere müssen auf der Gläubigerversammlung im Frühherbst vorgelegt werden.

Laut den Daten, in deren Besitz Reschitzaer Online-Publikationen dieser Tage gelangt sind, hat das Immobilienvermögen des Reschitzaer Maschinenbauwerks (nachdem die wertvollen Bukarester UCMR-Immobilien-Besitztümer und Liegenschaften längst von der Chebuţiu-Seilschaft verscherbelt worden sind) laut Evaluierungsbericht vom April 2016 einen Marktwert von 32.945.700 Euro, während das mobile Vermögen des Maschinenbauwerks (Maschinen und Anlagen, in Arbeit befindliche Anlagen zum Verkaufen auf Vertragsbasis, Fahrzeuge usw.) auf einen Marktwert von 19.144.600 Euro beziffert wird. Also ist das Werk laut der Darian DRS   SA rund 52 Millionen Euro wert.

Zwei Einsprüche gegen diese Bewertung

Höchstwerte gibt der Gutachter für die Maschinen- und Anlagenausstattung an (15,7 Millionen Euro), für die Grundstücke und Immobilien (Produktionshallen, Büro- sowie Labor- und Lagergebäude) in der Altstadt (13,3 Millionen Euro), den Industriestandort Câlnicel (an der Einfahrt nach Reschitza aus Richtung Temeswar, wo eine der größten Industriehallen Südosteuropas steht – 6,5 Millionen Euro), das Gewerkschaftskulturhaus (sechs Millionen Euro), die Industriehallen und Bürobauten am Standort Mociur (4,6 Millionen Euro – hier ist das meiste bereits abgerissen und Grundstücke sind freigemacht worden, ohne dass ein Verkaufs- oder Nutzungsziel angegeben ist), die werkseigenen Appartements und Einzimmerwohnungen (1,2 Millionen Euro) sowie den ehemaligen Werkskindergarten und die Kinderkrippe im Stadtteil Moroasa (636.800 Euro). Offenen Einspruch gegen die Evaluierung – die alle Gläubiger in der obigen Form abgelehnt haben – erhob die staatliche Steuerbehörde AAAS, die sich „mehr Details über den Bewertungsmodus sowie genauere Zusammenfassungen der Gesamtwerte“ wünschte, um „detailreicher“ wissen zu können, welche Bürgschaftswerte bei Bedarf angezapft werden können und welches der Gesamtwert einer eventuellen Bürgschaft ist, mit der man rechnen könne. Dieser Einspruch ist im Sitzungsprotokoll vermerkt.

Immobilienmarkt Reschitza ignoriert

Der andere Einspruch kam von der Dienststelle des Reschitzaer Rathauses für Steuern und Gebühren. Das Gutachten habe „die reale Lage des Immobilienmarktes von Reschitza außer Acht gelassen“,  moniert die Dienststelle, „und außerdem gibt es im Rathaus Reschitza einen Dienst zur Verwaltung der Öffentlichen und Privaten Domäne der Stadt, durch dessen Berichte jeder Gutachter sich über die reale Lage und die Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt des Munizipiums Reschitza informieren kann.“ Der Gläubiger unterstreicht in seiner protokollierten Stellungnahme auch, dass „die Immobilienrichtwerte des Gutachters für das Gewerkschaftskulturhaus, den Kindergarten und die Kinderkrippe, die Appartements und die Einzimmerwohnungen extrem hoch angesetzt sind, demzufolge die Akzeptanz solch hoher Richtwerte durch die Gläubigerversammlung keineswegs der geeignete Weg wäre, um die Insolvenzprobleme von UCMR SA zu lösen.“

Im Klartext: umsonst hat der Gutachter einen so hohem Wert für diese Immobilien angegeben – wer kauft sie denn zu diesem Preis, wenn sie auf den Markt kommen? Sowohl der Auftrag zu einer realistischeren Einschätzung des Marktwertes als auch für die Ausarbeitung eines Umstrukturierungsplans sind von der Gläubigerversammlung und vom Insolvenzverwalter am 27. Juli erteilt worden. Inzwischen hat sich das Rathaus Reschitza mit einem Signal seiner Besorgnis in der Öffentlichkeit bemerkbar gemacht: Gibt es schon wieder irgendwelche obskuren Interessen, dass manche der Immobilien des Werks überbewertet werden? Wenn ja, müssten die Hauptgeschädigten die Gläubiger sein, darunter in zwei Erscheinungsformen das Rathaus Reschitza und als Hauptgeschädigter der rumänische Staat über die Steuerbehörde AAAS. Und was geschieht, wenn wir es mit einer gezielten Unterbewertung des Werksvermögens zu tun haben? Dann ist der nochmalige Verlierer des Pokers das Reschitzaer Maschinenbauwerk UCMR SA.

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