Die rumänische Eisenbahngesellschaft CFR – ein schwieriges Wendekapitel

Dauerreparatur und Umstrukturierung: Dreizehn Eisenbahnlinien vor der Schließung

Dienstag, 08. Oktober 2013

Grauer Alltag am Temeswarer Nordbahnhof
Foto: Zoltán Pázmány

Ein beredtes Beispiel für das schwierige Dasein sämtlicher staatlicher Gesellschaften Rumäniens bietet heuer die staatliche Eisenbahngesellschaft CFR. Die Gesellschaft hat wohl nach der Wende mittels starker Einschnitte in die geerbte riesige Verwaltungsstruktur den wirtschaftlichen Tiefpunkt der 90er Jahre überwunden, hat jedoch weiterhin große Altlasten mitzuschleppen.

Das rumänische Eisenbahnnetz beträgt 20.730 Kilometer, davon sind 3292 Kilometer elektrifiziert und 2707 Kilometer zweispurig. Wenn in den meisten EU-Ländern die Eisenbahn zu den angesehensten Institutionen zählt, ununterbrochen stark in Komfort und Erhöhung der Geschwindigkeit investiert wird – westeuropäische Eisenbahnen verkehren schneller als die Autos – stehen CFR nach der Wende nicht mal die erforderlichen Gelder für die Wartung des Schienennetzes zur Verfügung. CFR betreibt vier Zuggattungen von Regio (Personenzüge), Interregio bis zum Intercity. Als Renommierzug der CFR gilt seit 2003 der Siemens-Desiro-Zug „Blauer Pfeil“ (Săgeata Albastră), der – obwohl für den Nahverkehr gebaut – doch nur auf langen Strecken zum Einsatz kommt. Höchstgeschwindigkeit auf den wichtigen Magistralen ist 100 Kilometer pro Stunde. Obwohl die CFR Jahr für Jahr an Fahrgästen verloren hat, die sich dem Busverkehr zugewandt haben, obwohl etliche der Langsamfahrstrecken, die vielen kleinen, früher bumsvollen Personen- oder Pendlerzüge aufgelassen wurden, hat CFR pünktlich nach zwei Jahren wieder seine üblichen Verteuerungen der Fahrkarten vorgenommen: Der Preis der Fahrkarten für Regio- und InterRegio-Züge ist ab 1. September um 10 Prozent angestiegen.

Der Wille zur Modernisierung und zum Anschluss an das moderne EU-Eisenbahnnetz ist wohl da, das Großunternehmen überlebt jedoch Jahr für Jahr, zwischen gleichfalls kostspieliger Dauerreparatur und verordneter Umstrukturierung, zum Großteil durch staatlichen Eingriff bzw. durch die von allen Regierungen nach 1989 gewährten hohen Zuwendungen aus dem Staatsbudget, durch periodischen, für das Budget schädlichen Millionen-Schuldenerlass oder mit unliebsamen Personalkürzungen. Gemäß der Versprechungen, die die rumänische Regierung der Europäischen Kommission und dem Internationalen Währungsfonds zwecks Rentabilisierung dieses wichtigen Transportsektors gegeben hat, soll eine umsichtige Umstrukturierung Hand in Hand mit der Modernisierung von CFR nun zielstrebiger vorangetrieben werden.

Zwischen Privatisierung und dem Aus

Eine der vielversprechendsten Handlungsrichtungen dieses auf mehrere Jahre laufenden Vorhabens ist die Hinwendung zum Privatsektor: Vor Kurzem hat die CFR AG eine Versteigerung veranstaltet, um landesweit 14 Eisenbahnstrecken an private Transportgesellschaften zu vermieten. Diese Strecken werden von den CFR-Zweigstellen Bukarest, Temeswar, Klausenburg, Kronstadt und Galatz verwaltet. Zu dem Angebot gehörten u. a. die Eisenbahnlinien Ploieşti-Telega, Ploieşti-Măneciu, Câmpia Turzii-Turda, Făurei-Tecuci und Orawitza-Anina. Leider erwies sich diese erste Versteigerung als totaler Reinfall, da nur eine einzige Linie für eine Zeitspanne von vier Jahren in Privathand überging. Bedingung war die Übernahme des jeweiligen Personals und die Gewährung eines Mindestlohns. Den restlichen 13 Linien droht nun gar die endgültige Schließung.

Die derzeitige Situation im Landeskreises Temesch z. B. könnte, mangels anderer Lösungen, baldigst auch in anderen Kreisen Verbreitung finden: Obwohl sämtliche für Privatverwaltung zur Verfügung stehenden Strecken schon an private Unternehmen vergeben wurden, könnten weitere Strecken im Kreis folgen. Bei der Temeswarer Filiale spricht man eh schon seit einiger Zeit von der „Privatisierung“ der Strecke Temeswar Süd-Busiasch-Lugosch-Ilia. In der Westregion, die unter der Verwaltung der regionalen CFR-Zweigstelle Temeswar steht, wurden in letzter Zeit mit gutem wirtschaftlichen Gewinn folgende Strecken an Privatunternehmen konzessioniert: Simeria - Pestiş, Simeria - Hunedoara, Jebel - Liebling, Lupeni - Livezeni, Temeswar Ost - Radna und Gertjanosch - Josefsdorf. Die Gesamtlänge dieser Eisenbahnstrecken macht 147 Kilometer aus, CFR kassiert dafür insgesamt eine Jahresmiete von 559.000 Lei.

Paradeprojekt: Der paneuropäische Korridor IV

Die überaus kostspieligen und verzögerten Arbeiten an den rumänischen Autobahnen scheinen ihr unrühmliches Pendant auch bei der rumänischen Eisenbahn zu haben: Die großangelegten Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten am Schienennetz, deren Finanzierung durch EU-Gelder gesichert ist, sind leider arg in Verzug geraten. Eine im September durchgeführte Kontrollaktion bei den Sanierungsarbeiten des paneuropäischen Eisenbahnkorridors IV ergab starke Verspätungen der Arbeiten auf fast allen fünf Abschnitten.

So liegt der Stand der Arbeiten auf der wohl wichtigsten Teilstrecke, dem Abschnitt Staatsgrenze – Curtici – Arad – Kilometer 614, der laut Vertrag 2014 fertiggestellt werden soll, bei zirka 33 Prozent. Bauausführer ist eine Unternehmergruppe, der Alstom Transport, Swietelsky Baugesellschaft, Astaldi und Dafora angehören. Vertragsverletzungen und schlecht ausgeführte Arbeiten führten zur zeitweiligen Schließung einiger Baustellen. Noch schlechter, bei fast 15 Prozent, stehen die Arbeiten derzeit auf den Teilstrecken Simeria - Coşlariu und Vinţu de Jos – Coşlariu (Termin ist 2014). Der Stand der Arbeiten auf den Abschnitten Coşlariu – Schäßburg, Coşlariu – Micăsasa (2015) liegt bei 33,36 Prozent, der bei Micăsasa –  Hetzeldorf/Aţel und Hetzeldorf/Aţel – Schässburg (2015) bei 12,72 bzw. 17,15 Prozent.

Als Herz- und Paradestück dieses Großprojekts gilt die Modernisierung des alten und architektonisch wertvollen Arader Bahnhofs. Der 1910 nach Plänen des Architekten Ludovic Szantay errichtete Monumentalbau soll mittels EU-Geldern im Gesamtwert von 250 Millionen Euro zu dem modernsten, einem wahrlich europäischen Tor Rumäniens, umgewandelt werden. Die Arbeiten wurden schon im Juni 2012 begonnen und sollen laut Vertrag in 27 Monaten abgeschlossen werden. Nach Abschluss sollen die hochmodernen Ausrüstungen allen internationalen und nationalen Zügen auf der Strecke Simeria - Arad - Staatsgrenze eine Höchstgeschwindigkeit von 160 Kilometer pro Stunde gewähren.

Kommentare zu diesem Artikel

Swen, 12.10 2013, 14:08
Herr Aloexander
Wetternwirtschaft gibt auch inDeutschland
(lezte Skandal in Bayern)
Ausländer investieren in Rumänien nur wenn SOFORT GEWINNE gibt!!
Schmiergelder: Frag mal OB Johannes!!!!
Alexander, 08.10 2013, 18:13
Simple und einfach: Ohne Reform des Staatsapparats wird das nichts. Die Exekutive ist nicht in der Lage Projekte durchzuführen. Die Infrastruktur hemmt die Entwicklung des ganzen Landes. In anderen Ländern berechnen Volkswirte die Kosten für jeden Stau - allein schon der Gedanke welche Kosten der Zustand der Straßen im Hinblick auf die Abnutzung und die damit verbundene Wertminderung der Fahrzeugflotte hervorruft - und dies wäre ja nur ein Kostenfaktor.
Den Rumänen muss man zurufen: Ihr wollt höhere Einkommen? Dann arbeitet an eurer Effizienz! Neben Korruption und Vetternwirtschaft sind es die Stukturen in den Ministerien und Ämtern ... Alle sind zuständig, aber keiner ist verantwortlich. ... Man habe kein Geld, verschwndet es aber in großem Maße. ... Zudem schreckt die rumänische Exekutive sehr erfolgreich private Investoren ab.

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