Die Saline von Praid

Die Ortschaft Praid und deren Bewohner leben von dem entstandenen Touristenstrom

Sonntag, 23. Februar 2014

Über eine Holztreppe geht es hinunter in den Stollen...

In das Salzbergwerk werden die Touristen mit Bussen gebracht.

In dem Stollen befindet sich eine Kapelle, aber auch mehrere Anlagen für sportliche Betätigung.
Fotos: Dieter Drotleff

Als wichtiger Mineralstoff und zugleich Gewürzmittel ist Salz unentbehrlich in der Nahrung von Mensch und Tier. Verwendet wird dieses allerdings auch als technischer Rohstoff in der chemischen  Industrie und  im Gewerbebereich. Eine außergewöhnlich wichtige Rolle spielte das Salz schon in prähistorischen Zeiten. In einigen Kulturen wurde dieses sogar als heilig betrachtet. Der Abbau des Salzes  geht bis auf die jüngere Bronze- und ältere Eisenzeit zurück. Durch den vorgenommenen Transport sind in die Geschichte einige Handelsrouten als Salzstraßen eingegangen, wobei die ältesten von Hallstatt (Österreich) zur Adria, an das Schwarze Meer, an die Nordsee oder nach Frankreich führten. Heute erfreuen sich viele der alten Salinen touristischer Bedeutung.

Die Salzreserven Rumäniens werden auf 400 Millionen Tonnen geschätzt; unser Land gehört somit zu den diesbezüglich reichsten Ländern. Gegenwärtig befinden sich diese noch zu 80 Prozent in staatlichem Monopol. Einige der Salzbergwerke des Landes sind seit Jahren zu beliebten Ausflugszielen geworden und dienen auch als unterirdische Sanatorien, besonders für Personen mit Atemwegsbeschwerden. Eine dieser Salinen ist jene von Praid, gelegen an der gemeinsamen Grenze der Kreise Mureş und Harghita, nahe dem Kurort Sovata.

Behandlung, Entspannung und Geistlichkeit

In dem Bergwerk wird auch heute noch Salz abgebaut, obwohl die erste diesbezügliche urkundliche Erwähnung auf das Jahr 1405 fällt, lange vor jener der Ortschaft. Der Salzabbau geschieht auf mechanischem Weg. Die Zahl der Bergleute unter den Ortsbewohnern ist jedoch gering verglichen mit der gewonnenen Salzmenge. Das in Praid abgebaute Salz dient wegen des geringen Reinheitsgrades mehr industriellen Zwecken als dem häuslichen Gebrauch. Die produktive Tätigkeit geschieht unter den Stollen, die für Besucher geöffnet sind und wo täglich Hunderte Personen eintreffen.

Der Transport der Touristen und der Kurgäste erfolgt mit Bussen durch einen 1500 Meter langen unterirdischen Tunnel, 120 Meter unter der Erdoberfläche. Während der Fahrt wird man ein etwas unsicheres Gefühl nicht los, bedenkt man, in welches Abenteuer man sich begibt. Dann setzt man zu Fuß den Einstieg auf einer Holztreppe fort, bis in das Innere des Stollens. Erst nachdem man den engen Tunnel verlässt, bemerkt man die riesigen Ausmaße des Stollens. Hunderte Menschen jeden Alters sitzen dort entspannt auf Bänken, um die salzige Luft auf sich einwirken zu lassen. Kinder spielen auf etxra eingerichteten Spielplätzen. Touristen informieren sich auf Schautafeln über die Geschichte des Bergwerkes oder betrachten die ausgestellten Werkzeuge aus der Zeit des historischen Salzabbaus. An den Tischen wird das Jausenbrot  mit  Kaffee oder Erfrischungsgetränken genossen.

Kioske bieten ein relativ reiches Angebot an Snacks, aber auch Souvenirs, Informations- und Bildmaterialien. All dies bei effektvoller Beleuchtung, sodass man auch einen guten Blick auf die Wände und deren Salzschichten bis an die hohe Decke hat. Salzskulpturen, darunter jene des Heiligen Nepomuk als Schutzpatron des Bergwerkes – ein Werk des nun im Rente gegangenen Bergarbeiters Szekeres Lajos –  sind zu bewundern. In  dem riesigen Stollen wurde 1993 auch eine Kapelle mit einem aus Salz gehauenen Altar geweiht, in der die Besucher geistigen Segen erhalten und sich an Gottesdiensten beteiligen können. Dort werden jeden Montag orthodoxe, jeden Donnerstag reformierte und jeden Freitag römisch-katholische Gottesdienste gefeiert. Für diese Konfessionen gibt es Kirchen in der Gemeinde, in denen die Gottesdienste für die Dorfbewohner und Besucher abgehalten werden.

Geschichtlicher Rückblick

Das Salzvorkommen im heutigen Praid war schon den Römern bekannt. In der nahe gelegenen Ortschaft Sărăţeni wurde ein römisches Kastrum entdeckt, das voraussichtlich eine Verteidigungsrolle für das hiesige Salzvorkommen hatte. Erste urkundliche Erwähnungen der Ortschaften aus dem Umfeld bestehen für Sărăţeni (1332), Korund (1333) und Ocna (1493). Praid ist als Siedlung erst im 16. Jahrhundert, im Jahre 1564, vermerkt. Der erste schriftliche Vermerk über den dortigen Salzabbau ist einem königlichen Schreiben Sigismunds von Luxemburg aus dem Jahre 1405 zu entnehmen.

Die lokalen Szekler erfreuten sich ihres Rechtes, das Salz auszubeuten und zu verkaufen. Das galt bis zum Jahr ihres Aufstandes 1562. Dieser wurde jedoch niedergeschlagen und als Strafmaßnahme wurde ihnen dieses Recht genommen. Sigismund II. sah in dem Salzabbau eine große Einnahmequelle, die nicht mehr den hiesigen Bewohnern überlassen werden konnte.

Die Ortschaft Praid verdankt ihre Existenz und das anschließende Aufblühen dem hiesigen Salzvorkommen. Unter der Herrschaft der Habsburger wurden auch österreichische Fachleute dorthin gebracht, die neue Abbaumethoden und Geräte einführten. Wendepunkt war das Jahr 1762, als Bergbauingenieur Fredl Aladar mit der Leitung des Bergwerks beauftragt wurde. Die Produktion erfuhr unter ihm einen ständigen Aufschwung. Das Salz wurde unter glockenförmigen Räumen abgebaut und, in Büffelleder verpackt, von Pferden ans Tageslicht gezogen. Aus Sicherheitsgründen wurden auch weitere neue Stollen angelegt. Unter diesen befindet sich gegenwärtig einer der größten unterirdischen Räume des Landes mit 96 Metern Höhe, 40 Metern Breite und 100 Metern Länge.

Salz als Therapie

Nach 1960 wurde – auf Initiative des damaligen Direktors des Bergwerkes, Telegdy Karoly, und des Arztes Veres Arpad – der Stollen auch für die Behandlung von Atemwegserkrankungen eröffnet. Geeignet ist dieser dank seiner mikroklimatischen Eigenschaften: die Sauberkeit der Luft, die konstante Temperatur, der geringe Ozongehalt, der große Salzgehalt der Luft. Allerdings ist zu empfehlen, sich vor Beginn einer Therapie einer ärztlichen Kontrolle zu unterziehen, da bei manchen Krankheiten – Lungentuberkulose, hoher Blutdruck, Klaustrophobie, Schwangerschaft, Herzbeschwerden – die Therapie auch gegenteilige Auswirkungen haben kann.  Heilende Wirkung wurde festgestellt bei Asthma, Bronchialerkrankungen, Silikose und Immunschwäche. In den Sommermonaten ist der Salzstollen für Behandlungen von 8.00 bis 17.00 Uhr geöffnet, in der kalten Jahreszeit von 8.00 bis 12.00 Uhr. Ein weiterer Anziehungspunkt ist das Freibad mit salzhaltigem Warmwasser. Dieses befindet sich in einer Entfernung von rund 200 Metern vom Eingang zum Bergwerk.

Weitere Attraktionen in und um Praid

Südwestlich der Gemeinde befindet sich ein Salzberg, der eine Fläche von  acht Hektar einnimmt. Dieser steht unter Naturschutz und gilt als beliebtes Ziel für Touristen.

Im Jahr 2012 wurden die Arbeiten an einem Thermal-Freibad eingeleitet, die am 30. April 2014 abgeschlossen werden sollen. Es ist das größte Freibad mit Thermalwasser in Siebenbürgen, mit einer Investition von 1,55 Millionen Euro. Zwei Schwimmbecken, eines mit 1092 Quadratmetern für Erwachsene und eines für Kinder mit 253 Quadratmetern, mit Tiefen von 1,20 bis 1,60 Metern, sollen hier entstehen. Für entsprechendes Ambiente werden eine Getränkebar im Wasser und stimmungsvolle Beleuchtung sorgen. Auch eine moderne Gaststätte und weite Flächen zum Sonnenbaden werden den Besuchern zur Verfügung stehen.  

Empfehlenswert sind Besuche in dem nahe gelegenen Kurort Sovata oder ein Ausflug in die Nachbargemeinde Korund, berühmt durch seine typische Keramik. In Praid kann man auch das Gedenkmuseum des bekannten Dichters Aprily Lajos (1885 – 1967) besuchen. Dieser ist zwar in Kronstadt geboren, hat aber seine Kindheit in Praid verbracht. Obwohl er 1929 nach Budapest übersiedelte, hatte er die Landschaft immer wieder in seinen Gedichten besungen.
Entlang der Hauptstraße kann man an Ständen Salz und Salzprodukte aus der Saline für verschiedenste Verwendungen oder einfach nur als Souvenir erstehen.

Kommentare zu diesem Artikel

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*