Die schönste Zeit im Jahr?

Weihnachten zwischen Konsumwahn und Geschenke-Stress

Samstag, 17. Dezember 2016

Manchmal wird mit dem Weihnachts-Kitsch übertrieben.

Weihnachten stand vor der Tür. Wochenlang hatte ich mir schon den Kopf  zerbrochen, welche Geschenke ich kaufen sollte. Auf der Suche nach der perfekten Gabe habe ich alle Geschäfte in der Stadt abgeklappert und nächtelang im Internet gesurft. Günstig sollte es sein, aber teuer aussehen. Und natürlich dem Beschenkten eine Freude bereiten. Zu Heiligabend, eine Viertelstunde nach Kassenschluss, trat ich erschöpft aus dem letzten Einkaufszentrum, das ich Stunden zuvor in Panik gestürmt hatte. Endlich hatte ich für jeden etwas Nettes gefunden.  Überströmt von einem einzigartigen Glücksgefühl fuhr ich nach Hause. Und packte die Geschenke in grünes Papier mit Schneemännern ein. Ja, Schenken macht Freude.  Am frohesten war ich über einen roten Seidenschal, den ich für eine Freundin gekauft hatte. Ich fand ihn perfekt. Die Freude hielt bis zum Moment an, als sie das Papier aufriss, dem Schal nicht einmal eine Viertelsekunde gönnte und ihn total uninteressiert in eine Ecke legte.

Es kam aber noch schlimmer: Sie übergab mir feierlich eine Geschenktüte, in der eine lilafarbene Vase steckte. Ich tat so, als ob ich mich freuen würde. Irgendwie kam mir die Vase bekannt vor. Nach wenigen Minuten dann kam die bittere Erkenntnis: Es war die Vase, die ich ihr vor fünf Jahren zu Weihnachten geschenkt hatte.
Die oben beschriebene Situation kennt mit Sicherheit fast jeder. Schenken ist ganz schön anstrengend. Und nicht alle Geschenke erhalten die Freundschaft. Es ist wahr: Der Kauf eines Geschenks löst ein Glücksgefühl in der Person, die es kauft, aus. Psychologen und Forscher haben aber bewiesen, dass meistens der Käufer glücklicher ist als der Beschenkte.
Wie überlebt man also den Geschenke-Stress im Dezember? Wie macht man die Vorweihnachtszeit zu einer Zeit der Besinnlichkeit und Freude? „Dezember ist ein grausamer Monat“, hat ein Bekannter vor Kurzem auf Facebook gepostet. „Genau“, hieß es in einem Kommentar darunter. „Ich hasse Feiertage auch“. Zwar muss man damit nicht einverstanden sein, es gibt jedoch Momente, in denen man genau dasselbe denkt.

Die hektische Adventszeit

Glocken läuten überall, aus dem Radio ertönen nonstop Weihnachtslieder, Menschen hetzen durch die Supermärkte, ihre Wagen sind übervoll mit Einkaufstüten, überall grüßen riesengroße rote Coca-Cola- Weihnachtsmänner und überdimensionale Rentiere, auf allen Werbeplakaten sind glückliche Familien unter dem Weihnachtsbaum abgebildet.  
Mancher von uns findet, dass sich die Adventszeit von ihrem ursprünglichen Sinn weit entfernt hat.  In den Läden und Supermärkten wird zur Adventszeit der höchste Umsatz gemacht. Vor Weihnachten werben alle Unternehmen mit Sonderangeboten, reduzierten Preisen, an den Preisschildern hängen Glöckchen, Tannenzweige und Weihnachtsmann-Kappen. Manche Leute wollen den Stress vermeiden und kaufen ihre Geschenke online. Da viele Online-Shops in Rumänien  mit dem erhöhten Andrang nicht zurechtkommen, riskieren die Kunden, dass die Geschenke nicht rechtzeitig vor Heiligabend eintreffen. Es folgen Weinkrämpfe, nervöse Telefonate, Drohungen. Die Weihnachtsstimmung schwindet. Aber war sie überhaupt da? 

In großen Städten, wo blinkende Lichterketten die Gebäude schmücken und laute Popkonzerte und Reden von Politikern zum Anlass der feierlichen Festbeleuchtung organisiert werden, geht es immer hektisch zu. Auf den Weihnachtsmärkten gibt es jedes Jahr Stände mit Glühwein, kandierten Äpfeln, Lebkuchen und allerlei Kitsch: leuchtende Schneekugeln, Christbaum-Kugeln mit frechen Sprüchen, rosa Engelsflügel, funkelnde Weihnachtsmannmützen,  Jesuskind-Statuetten und Feuerzeuge mit Sternschnuppen. Und natürlich herrscht Gedränge. Das bringt keine Weihnachtsstimmung, sondern eher Stress. Außerdem ist man satt von den Weihnachtsliedern im Radio und will den vielen lachenden Weihnachtsmännern am liebsten aus dem Weg laufen.

Weihnachten  ohne Geschenke?

Paradoxerweise ist die Zeit der Ruhe und Besinnlichkeit zur Stresszeit geworden, in der man Geschenke für Freunde, Kollegen und Verwandte jagt. Oft findet man nichts. Aber etwas muss man doch kaufen. Es ist ja Weihnachten. Dann legt man die ewigen Hautcremes, Socken, Krawatten, Rasier- und Duschgels in den Einkaufskorb. Milliarden von unpassenden Gaben werden jedes Jahr zu Weihnachten geschenkt.  Auch auf uns selbst kommt eine wahre Geschenkflut zu. Doch auf wenige freuen wir uns wirklich. Warum machen wir eigentlich Geschenke zu Weihnachten?  Einer Erklärung nach kommt das Schenken von einem heidnischen Brauchtum zur Wintersonnenwende, den Göttern Opfer zu bringen. Ein anderer Ursprung für das Schenken ist im alten Rom zu finden. Zu Jahreswechsel war es üblich, dass die hohen Herren die Beamten und Sklaven anlässlich der Saturnalien beschenkten. Auch in der Geschichte von Jesu Geburt gibt es Geschenke: Die Hirten und die Heiligen Drei Könige bringen dem Jesuskind die ersten Gaben.

Aktionen gegen  den Konsumwahn

Zu Weihnachten wird am meisten konsumiert. Millionen von Tannenbäumen werden gefällt, Milliarden von Weihnachtsgänsen und -schweinen werden geschlachtet, Tonnen an Verpackungsmüll weggeworfen. In verschiedenen Aktionen wird versucht, die Leute zu überzeugen, mehr an die Umwelt zu denken.
Seit 2012 gibt es die Aktion „Null Euro Weihnachten“. Es wurde ein Wettbewerb ausgerufen: „Wer schafft es, Weihnachten für Null Euro zu verbringen und dennoch seinen Freunden und seiner Familie ein frohes Fest zu bereiten?“, lautet der Aufruf. Viele suchen Recycling- oder Gratis-Geschenk-Ideen, die oft besonders originell ausfallen.
Der Trend in diesem Jahr ist ein Weihnachtsbaum, der keine Tanne ist. Plastikbäume sind out. Am beliebtesten  ist der Bücher-Weihnachtsbaum. Um ihn zu „bauen“ benötigt man ein paar Bücher. Man legt sie im Kreis auf dem Boden aus. Darüber legt man einen weiteren Kreis mit einem leicht verkleinerten Radius, und so weiter. Am Ende erhält man einen stattlichen Bücherbaum. Den schmückt man mit einer Lichterkette.

Einige stellen sich die Frage: Sollte man besser dem Konsumwahn entfliehen und gar keine Geschenke kaufen? Andere beschließen, das Geld zu spenden, um wirklich jemandem zu helfen, anstatt unnütze Gegenstände zu verschenken.
Bei manchen Familien geht es schließlich so weit, dass sie vereinbaren, sich nichts mehr zu schenken, um dem Weihnachtsstress zu entgehen. Insgeheim wünschen sich manche trotzdem eine kleine Überraschung.
Was also soll man dann schenken? In unserer Wohlstandsgesellschaft, wo die meisten Leute alles haben, was sie brauchen, sind nichtmaterielle Geschenke manchmal sinnvoller. Am Wichtigsten sind für Freunde und Familie gemeinsame Erlebnisse und gemeinsam verbrachte Zeit.

Die schlechtesten Geschenkideen

Kaffeetassen mit Motiv – Vor 15 Jahren waren sie vielleicht eine originelle Idee, heute sind sie etwas aus der Mode gekommen. Aufschriften wie „Die beste Großmutter der Welt“ oder „Hände weg von meiner Tasse“ sind nervig. Aber noch schlimmer ist, wenn auch das Foto vom Beschenkten oder vom Schenker drauf ist.
Kosmetik-Sets – besonders in der Vorweihnachtszeit sind die Supermärkte davon voll. Die Sets, die aus Duschgel und Körpercreme bestehen, sind akzeptabel, wenn man nichts anderes findet. Anscheinend greifen viele Leute zu dieser Lösung. Denn die Sets verschwinden in Rekordzeit vom Regal.
Parfum – wäre eigentlich ein schönes Geschenk, meistwerden jedoch Sorten gekauft, die der Beschenkte nicht (mehr) mag.
Socken – eigenlich sind sie sehr praktisch, trotzdem sind sie Nummer Eins unter den ungewolltesten Geschenken. Zu derselben Kategorie gehören Schals und Handschuhe.
Haushaltsgeräte – die Wahrscheinlichkeit, dass sie in einer Schublade verstaut und dort vergessen werden, ist höher als 90 Prozent.
Lebensmittelkörbe – eine ähnliche Notlösung wie Kosmetiksets...
Außerdem: Ein Geschenk, das man gerne selbst für sich behalten würde, ist nie eine gute Idee. Es muss dem Beschenkten gefallen, nicht dem Käufer.

Bessere Geschenkideen

Ein Flugticket – Bei Ryanair gibt es im Januar und Februar auf bestimmten Strecken Tickets für fünf Euro.
Ein Jahresabo für eine Zeitschrift – unter der Voraussetzung, dass es eine ist, die der Beschenkte mag und oft kauft.
Karten für ein Konzert – auf eventim.ro findet man schon jetzt Tickets für einige Konzerte im Jahr 2017
Objekte von rumänischen Designern – auf carturesti.ro gibt es die Sektion „ROD“ (Romanian Design). Hier findet man Schmuck-Unikate, interessante T-Shirts und auch Kleidung, die im Ausland viel teurer ist. Zu empfehlen sind die Kaffeekannen mit Zeichnungen von George Roşu oder die illustrierten Kalender von Alexia Udrişte. Zwei andere Websites, wo man  originelle „Made in Romania“-Produkte findet, sind dizainar.ro und breslo.ro.

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