Die Schwaben in Napkor

Leiter der Deutschen Selbstverwaltung digitalisiert Dokumente der Sathmarer Schwaben

Donnerstag, 05. April 2018

Die Schwaben: v.l.n.r: Miklós Kéninger, Vorsitzender der Deutschen Selbstverwaltung in Napkor, Arthur Glaser, ifa-Kulturmanager des DFD Sathmar und Jozsef Toth, Vorstandsmitglied des Schwäbischen Vereins in Napkor beim Sitz des DFD in Sathmar
Foto: die Verfasserin

Die Schwaben in Napkor,Ungarn, gehören eigentlich zu den Sathmarer Schwaben, denn ihre Vorfahren kamen aus dem Kreis Sathmar/Satu Mare nach Ungarn. „Nachdem die Familie Kállai sah, dass die Ansiedlung der Schwaben durch die Grafen Károlyi im Komitat Sathmar erfolgreich war, warb sie um die Schwaben im Sathmarer Land”, mit diesen Worten beginnt Miklós Kéninger, Vorsitzender der Deutschen Selbstverwaltung der Gemeinde Napkor, seine Erzählung über die Ansiedlung der Schwaben in Napkor.

Die Familie Kállai versprach den Ansiedlern Felder und sechs Jahre lang Abgabenbefreiung. Die Gutsherren hielten ihre Versprechung nicht und die Schwaben wollten Napkor schon verlassen, als Graf Károlyi die Gutsherren verpflichtete, Wort zu halten. Sogar ein Vertrag wurde 1765 zwischen den Ansiedlern aus Fienen/Foieni und den Kállai abgeschlossen. Den Ansiedlern aus Fienen schlossen sich Schwaben auch aus anderen Gemeinden an, wie Schinal, Schamagosch und Kaplau.

Im Jahr 1770 gründete der damalige römisch-katholische Pfarrer, Antonius Ziwinger, eine eigenständige deutschsprachige Schule. „Das bedeutet, dass die Schwaben in Napkor langfristig geplant haben“, meint Miklós Kéninger. Die Ansiedlung wurde im Jahr 1834 erweitert. Laut den Matrikelbüchern, die von Miklós Kéninger gründlich studiert wurden, kam in diesem Jahr unter anderem ein gewisser György Jung aus Fienen nach Napkor. Aus den Matrikelbüchern geht hervor, dass die Schwaben aus Ungarn ihre Verwandten in Rumänien über zwei Menschenalter hinweg besuchten. Der Erste Weltkrieg war ein Wendepunkt, denn in den 1920er Jahren verloren die Schwaben ihre Muttersprache. „Die Assimilierung begann in Napkor früher als in Sathmar“, meint Miklós Kéninger, „jedoch ging es nicht reibungslos“. Im Jahr 1842 schrieben die Ungarn in Napkor dem Erzbischof in Eger einen Brief, in dem sie die Einführung der ungarischen Sprache in der Kirche und in der Schule verlangten. Vor Ostern in der Karwoche gab es vor der Kirche sogar eine Schlägerei deswegen, erzählt Miklós Kéninger. Im Jahr 1865 funktionierte der deutschsprachige Unterricht in Napkor noch, doch nach dem Zweiten Weltkrieg beschleunigte sich die Assimilation. Auch gab es viele Mischehen. „Der größte Teil der Menschen in Napkor ist deutscher Abstammung. Sie halten an ihren schwäbischen Traditionen fest. In den Familien werden schwäbische Gerichte zubereitet und in der Gemeinde werden verschiedene traditionelle Veranstaltungen gefeiert. Sogar ein alter deutscher Weihnachtsbrauch wurde noch bei den Schwaben in Napkor gepflegt, und zwar haben manche Familien den Christbaum im Zimmer an den Tragbalken verkehrt herum befestigt“, berichtet der Vorsitzende der Deutschen Selbstverwaltung in Napkor über die jetzige Situation. Die Deutsche Selbstverwaltung wurde in Napkor 2010 gegründet und der Schwäbische Verein vor vier Jahren. Vor ungefähr zehn Jahren nahm der Verein die Verbindung zunächst mit den Schwaben in Petrifeld/Petre{ti auf. „Wir haben gehört, dass es in Petrifeld ein schwäbisches Museum gibt und wollten es besichtigen. So lernten wir die damalige Bürgermeisterin der Gemeinde, Maria Nagy (Rimili), kennen. Ihr verdanken wir, dass wir mit der Zeit auch mit den anderen Bürgermeistern der schwäbischen Gemeinden Kontakte ausbauen konnten. Überall wurden wir liebevoll empfangen, wir wurden wie Verwandte behandelt“, sagt Miklós Kéninger. Eugen Schönberger, der römisch-katholische Bischof der Diözese Sathmar, lädt die Vertreter des Schwäbischen Vereins jährlich zur Herz-Jesu-Feier ein.

Der Leiter der Deutschen Selbstverwaltung in Napkor begann seine Arbeit an der Geschichte der Sathmarer Schwaben noch im Jahr 2005. Er nahm sich vor, die schriftlichen Dokumente zu digitalisieren. „Alles begann im Jahr 2005, als die römisch-katholische Kirche in Napkor vor der Renovierung stand. Der Pfarrer hatte mich gebeten, die alten Papiere, die nicht mehr gebraucht wurden, wegzubringen. Unter diesen entdeckte ich wertvolle, 250-300 Jahre alte kirchliche Dokumente und Gebetsbücher, die ‘Himmelschlüssel’ genannt wurden“, berichtet Miklós Kéninger. Da die meisten Sathmarer Schwaben aus Sathmar stammen, nahm er Kontakt mit dem Staatsarchiv in Sathmar auf und erhielt die Genehmigung, die Matrikelbücher, die noch im Jahr 1950 von der Polizei in den Pfarreien beschlagnahmt worden waren, zu studieren. Regelmäßig besucht der Leiter der Deutschen Selbstverwaltung in Napkor auch das Archiv der römisch-katholischen Diözese in Sathmar. Um nach den Vorfahren der Sathmarer Schwaben in Deutschland zu forschen, nahm Miklós Kéninger zudem Verbindung mit dem in Stuttgart lebenden Pfarrer Emmerich Tempfli auf. In Zukunft ist in dieser Hinsicht auch mit Arthur Glaser, dem ifa-Kulturmanager des Deutschen Forums und der Deutschen Jugendorganisation Sathmar Gemeinsam, eine Zusammenarbeit in Sath-mar geplant.

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