Die Seilbahn soll verschrottet werden

Bürgermeister Stepanescu: „Dass ich ihren Abriss befürworte ist ausgeschlossen!“

Sonntag, 05. Februar 2012

Der ehemalige kommunistische Chefarchitekt und nach der Wende kurzzeitige Bürgermeister und Bürgermeistervize sowie Handelskammer-Vizepräsident von Reschitza, der aus Bukarest stammende Şerban Antonescu, sagte, die Industrieseilbahn gehöre zu den prägenden Elementen (des Stadtzentrums) dieser ansonsten an Sehenswürdigkeiten nicht gerade reichen Stadt. Der erste Präfekt und spätere Bürgermeister von Reschitza, Univ.-Prof. Dr. Liviu Spătaru, lancierte die Idee, aus der Seilbahn eine Freizeitattraktivität, eine Art „Spazierweg hoch über der Stadt“, zu machen, weil der studierte Wirtschaftskybernetiker überzeugt war,„diese Seilbahn eröffnet der Stadt Investmentperspektiven, aber dafür braucht sie Attraktivitäten“.
 

Und der heutige Bürgermeister, der Forstingenieur und Hochschullehrer für Tourismus an der Reschitzaer Hochschule „Eftimie Murgu“, der aus Teregova im Temeschtal kommende Mihai Stepanescu, sah diese Seilbahn – die seit dem Einstellen der Verhüttung von Eisenerz 1988 stillgelegt ist (ursprünglich, weil die aus den 60er Jahren stammenden Hochöfen generalüberholt werden mussten) – als integrierten Bestandteil des von ihm erträumten Freizeitparks auf dem fast 50 Hektar großen Gol-Platteau im Süden, oberhalb der Stadt. Irgendwo schwebte ihm Wuppertal als Vorbild vor.
 

Ab 2007 – also noch während des Mandats von Liviu Sp²taru – legte das Stahlwerk TMK der Stadt Reschitza sukzessive drei Verkaufsangebote vor für die Anlage, für welche das Werk für sich selber keinen Verwendungszweck mehr sah. Keines der Angebote wurde von der an chronischem Geldmangel leidenden Stadt in Betracht gezogen, nicht einmal das jüngste von 2011, als die Forderung auf ein Drittel der Ursprungsforderung heruntergeschraubt wurde: 150.000 Euro. Bürgermeister Stepanescu nahm zwar Kaufverhandlungen auf, hoffte aber, damit irgendein Kompensationsgeschäft einfädeln zu können.
 

Schließlich muss TMK ja Grundstücks- und Immobiliensteuern an die Stadt abführen und die könnte man dem Werk ja erlassen, um im Gegenzug die Seilbahn zu bekommen. Doch die Leitung des Stahlwerks und ihre russischen Besitzer in Moskau und Köln lehnten das Kompensationsgeschäft ab und wollten Geld sehen – das Stahlwerk läuft trotz Wirtschafts- und Finanzkrise gut und mit der Steuernzahlung hat man keine Schwierigkeiten, so lange auf der ganzen Welt Rohre für Pipelines gebraucht werden. TMK ist der weltweit zweitgrößte Rohreproduzent für Gas- und Erdöl- Überlandleitungen und preislich durchaus konkurrenzfähig, so lange das Hauptgewicht seiner Produktion in Osteuropa liegt.
 

Anfang Januar schlug nun eine Bombe ins dahinplätschernde Abwarte-Idyll ein. Ein Reschitzaer Privatunternehmer hat die Seilbahn gekauft.

Bürgermeister Stepanescu reagierte sofort: „Wenn die Käuferfirma in die Seilbahn investieren will, dann stehen wir für einen Assoziierungsvertrag mit dieser Firma, für eine öffentlich-private Partnerschaft, bereit!“ Fast im selben Atemzug kam auch eine unterschwellige Warnung: „„Dass ich den Abriss der Seilbahn befürworte ist ausgeschlossen!“
 

Die Stadt war im Vorfeld des Kaufs der Seilbahn vom Stahlwerk TMK nicht informiert worden: „Ich habe Gerüchte vom Kauf gehört und dann das Stahlwerk angerufen“, sagte Stepanescu. „Die haben mir die Gerüchte bestätigt: ein Reschitzaer Unternehmer hat die Seilbahn gekauft, um sie wahrscheinlich zu verschrotten. Was er mit den 2000 Quadratmeter großen Grundstück, das zur Seilbahn gehört, vorhat, weiß keiner. Ich bin nun neugierig, die Verkaufsdokumente beim Steueramt einzusehen, um selber Näheres zu erfahren. Bis dann kann ich auch den Namen des Unternehmers nicht sagen, weil ich ihn nicht offiziell kenne und weil er selber vom Verkäufer gefordert hat, vor der Öffentlichkeit anonym zu bleiben.

Aber eins sage ich schon jetzt: den Abriss genehmige ich nicht! Ein öffentliches Interesse dazu gibt es nicht. Ich hoffe immer noch, entweder auf europäische Gelder für eine öffentlich interessante Nutzung, oder auf eine public-private-partnership!“

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