Die Suche ist oftmals eine Detektivarbeit

Literaturwissenschaftlerin stellt Projekt vor

Donnerstag, 03. Dezember 2015

Dr. Michaela Nowotnicks Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, die Bestände der deutschen Bevölkerung in Rumänien zu dokumentieren, um dem drohenden Verlust des Kulturerbes entgegenzuwirken.
Foto: Michael Mundt

Hermannstadt – Am vergangenen Donnerstag stellte Dr. Michaela Nowotnick ihr aktuelles Projekt zur Erfassung und Notsicherung der in Privatbesitz befindlichen Quellen und Dokumente zur deutschen Literatur und Kultur in Rumänien der interessierten Öffentlichkeit im Begegnungs- und Kulturzentrum „Friedrich Teutsch“ vor. Mit der rumäniendeutschen Literatur beschäftigt sich die Germanistin schon seit einigen Jahren. Ihre Dissertation mit dem Titel „Die Unentrinnbarkeit der Biographie. Eginald Schlattners Roman Rote Handschuhe – Eine Fallstudie zur rumäniendeutschen Literatur nach 1945“, schloss sie im vergangenen Jahr ab.

Während ihrer Forschungen gewann Nowotnick, so ließ sie die Zuhörer während ihres einstündigen Vortrags erfahren, die Erkenntnis, dass die Sekundärliteratur insbesondere zu Schriftstellern sehr gut erforscht ist, es auch große Archive wie das Securitate-Archiv in Bukarest gibt, doch Bestände von Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen fehlen und so dass sich viele Dokumente dementsprechend noch in Privatbesitz befinden müssten. Das von der Bundesregierung finanzierte Projekt hat sich nun zum Ziel gesetzt, eine Dokumentation von Beständen der deutschen Bevölkerung in Rumänien durchzuführen, um dem drohenden Verlust deutschen Kulturerbes im Land entgegenzuwirken und darüber hinaus Materialien der Forschung zugänglich zu machen sowie Interesse am Forschungsgegenstand zu wecken.

Schon während ihrer Arbeit an der Dissertation konnte Nowotnick wichtige Kontakte zu Persönlichkeiten mit größeren Privatbeständen aufbauen, welche zu dokumentieren eine dringliche Aufgabe ist, da es zu verhindern gilt, dass Quellen verloren gehen. Als Beispiel brachte sie unter anderem das von Manfred Wittstock betreute Künstler- sowie das Filmarchiv von Frieder Schuller an. Dabei sichtet die Literaturwissenschaftlerin zunächst einmal und stellt fest, was überhaupt vorhanden ist. In einem zweiten Schritt wird dann versucht mit dem Besitzer oder dem Verwalter den bestmöglichen Umgang für die entsprechenden Dokumente zu finden, falls diese von Nässe und Schimmel bedroht sind oder wie beispielsweise Videokassetten nur eine bestimmte Lebensdauer besitzen. Auf Wunsch können die Bestände allerdings auch in das Teutsch-Haus übernommen werden. Das Projekt selbst jedoch, hat als Ziele eine Datenbank, welche die vorhandenen Bestände dokumentiert und Auskunft über die besitzende oder verwaltende Person, die Herkunft, den Inhalt und Umfang sowie Zustand und eventuellen Handlungsbedarf gibt.

Das die privaten Bestände der Deutschen in Rumänien von großer Bedeutung sind, liegt in der Natur von Minderheitengesellschaften, so Nowotnick. Neben ihrem literarischen besitzen sie oftmals auch einen politischen Wert, da sie Auskunft über die gesamte Minderheit geben. Allerdings sind nur wenige Bestände geschlossen überliefert beziehungsweise liegen geschlossen in Archiven zu Verfügung, sodass prinzipiell jeder Fund von Bedeutung sein kann. Darüber hinaus konstatierte Nowotnick, ist ein Großteil der Bestände aus den Bereichen Kultur und Literatur ab dem Jahr 1930 noch nicht gesichert und auch viele weitere Bestände stehen der Forschung noch nicht zur Verfügung. Ihre Ausgangsthese, dass institutionelle Bestände sich nicht erhalten haben, da von einem Bildersturm gesprochen wurde, der mit dem Exodus ab 1990 eingesetzt haben soll, hat sich gleichwohl nicht bestätigt. „Es ist viel mehr erhalten, als man allgemein denkt,“ so Nowotnick. Erfreulich, so die Literaturwissenschaftlerin weiter, ist auch, dass in den letzten Jahren Strukturen und Einrichtungen geschaffen wurden, die sich dem Erhalt des deutschen Kulturerbes verschrieben haben.

Kommentare zu diesem Artikel

Armand, 09.12 2015, 17:19
Ein lobenswertes Projekt!
Doch: Zwanzig Jahre hindurch waren in München am IKGS drei Literaturwissenschaftler tätig (bitte mich zu korrigieren, falls es mehr waren/sind), die sich tag-täglich hauptberuflich nur damit beschäftigt haben, um das zu tun, was nun Frau Dr. Nowotnick im Alleingang tut bzw. zu tun beabsichtigt.
So darf man sich nun fragen: Was haben diese Herren und die anderen Mitarbeiter des IKGS all die Jahre tatsächlich gemacht?
Wo sind die Forschungsergebnisse ihrer Tätigkeit, wenn diese wichtige Sichtung und Archivierung nicht einmal ansatzweise in Angriff genommen wurde?

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