Die Südkarpaten im Bild für Liebhaber und Kenner

Herbert Horedts Bildband im Schiller Verlag bietet grandiose Einführung in eine beeindruckende Berglandschaft

Donnerstag, 07. Januar 2016

Herbert Horedt: „Die Südkarpaten. Auf den höchsten Bergen Rumäniens“, Schiller Verlag: Hermannstadt 2015, 102 S., 71 Farbfotos; Großformat 27x27 cm, ISBN 978-3-944-52969-1, 75 RON/19,90 Euro

Das Dorf Holzmengen vor der Kulisse der Südkarpaten
Foto: Herbert Horedt

Noch ein Bildband zu den Karpaten – so könnte der Rezensent oder Leser zunächst reagieren, wenn er von der aktuellen Neuerscheinung des Schiller Verlags hört – einen Bildband über die Südkarpaten mit Fotos und Texten von Herbert Horedt. Und darauf antworten mit einem lässigen „so what?“ Dass dieser Bildband aber etwas ganz Besonderes bietet, erschließt sich beim Blättern schnell auf den ersten und auch auf den zweiten vertieften Blick.

Es gibt zweifellos schon einiges auf dem Markt, aber kaum ein Produkt, das mit diesem Bildband konkurrieren könnte. Der jüngst erschienene Band bietet hoch professionelle Fotografien und Texte, die manches in den Schatten stellen, was an oft mittelmäßigen oder gerne auch (oft zu) schnell produzierten Angeboten zu finden ist.

Auf den ersten Blick beeindrucken die Aufnahmen, allesamt Farbbilder in Hochglanz, mit denen dieser Band seine Leser erfreut. Dazu zählen horizontweite Panoramabilder wie etwa der Dörfer Holzmengen/Hosman und Kastenholz/Caşolţ vor der Kulisse des Fogarascher Gebirges (S. 28 und 43) oder des Bucegi-Gebirges (S. 13), Bilder harmonischer Symbiose von Berg und Burg etwa im Falle der Burg von Rosenau/Râşnov oder der Törzburg/Bran (S. 16 und 17), oft atemberaubende Detailaufnahmen von Bergseen, Gletschern und Berggipfeln – manchmal besonders kontrastreich zwischen Schnee und Himmel, oder auch Bilder, die das Leben auf dem Berg als Teil der natürlichen und anthropogenen Kultur der Berglandschaft skizzieren, etwa Huskys am Bulea-See (Bâlea; S. 16), Bergdörfer und ihre schmucken Kirchen, wie etwa Fundata im Westen des Bucegi-Gebirges (S. 11) oder eine Schafherde vor gewaltiger Kulisse (S. 47).

Von den Wegen bis zu den Wipfeln und von sommerlichen bis winterlichen Impressionen reicht die kluge Bildauswahl des Bandes, die durch Satellitenbilder noch ergänzt wird. In Zeiten der „Selfie-Fotografie“ tut es ausgesprochen gut, einmal so professionelle Fotos in dieser Konzentration in einem Band versammelt zu sehen. Die Aufnahmen laden zum Reisen wie zum Bewundern dieser grandiosen und fast überirdischen Schönheit der Natur gleichermaßen ein.
Der Band ist sinnvoll nach Regionen und Bergzügen gegliedert. Fotografisch dokumentiert und im Begleittext hintergründig präsentiert werden hier im ersten Abschnitt (S. 8–76) die Bucegi-Gebirgsgruppe (Grupa Montană Bucegi), die Fogarascher Gebirgsgruppe (Grupa Montană Făgăraş), die Parâng-Gebirgsgruppe (Grupa Montană Parâng) und die Retezat-Gebirgsgruppe (Grupa Montană Retezat).

Im zweiten Abschnitt des Prachtbandes geht es anschließend weiter mit Texten und Bildern zu „Geographischen Themen“ (S. 77 – 102) wie unter anderem die geomorphologische Gliederung, Karseen und Blockgletscher, die höchsten Gipfel der Südkarpaten, Schneegrenze, Klima und Waldgrenze, Relief und Vergletscherung. Spätestens hier wird auch dem kritischen Leser auf den zweiten Blick deutlich, dass er neben den superben Fotografien auch eine hoch kompetente Einführung in die Geografie dieses Gebirges erhält, das in den Fotos präsentiert wird. Diese Texte sind durchaus anspruchsvoll verfasst, genügen auch wissenschaftlichen Ansprüchen und bieten Laien wie Kennern eine ausgezeichnete hintergründige Einführung in das Werden und die gegenwärtige Gestalt sowie die Geografie dieses Gebirges.

Es steckt viel Arbeit, aber auch ein riesiger Aufwand und nur schwer noch messbare Höhenmeter hinter und in dieser verdienstvollen Publikation. Das Warten auf das richtige Wetter, dann der Aufstieg und wiederum das Warten auf das richtige Licht – nur so können solche Fotos entstehen, wie in diesem Band zu sehen sind. Wer diese Bilder genießt, wird wohl auch dem Schluss des Autors zustimmen, wenn der festhält: „Der Reiz der Südkarpaten besteht in der teilweise völlig unberührten Natur. In einigen Gebirgen kann man tagelang wandern, ohne einen Menschen zu treffen.“ (S. 7)
Dass die Fotografien und die Texte hier in eine so perfekte Sinfonie geraten, liegt vor allem an der Fachkompetenz des Autors und Fotografen, des Geografen Herbert Horedt. Die Bilder sind zwischen 2004 und 2014 entstanden. Er dokumentiert hier seine Leidenschaft für die Karpaten.

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