Die Temeswarer Millenniumskirche, Pfarrkirche der „Fabrikstadt“

Patrozinium: „Gottesmutter Maria, Schutzpatronin der Ungarn“

Dienstag, 02. Mai 2017

Millenniumskirche, Innenansicht: Die heiligen Messen werden hier in rumänischer, deutscher, ungarischer und italienischer Sprache zelebriert. Foto: privat

 

Die erste Kirche der katholischen Pfarrgemeinde Temeswar-Fabrikstadt wurde in den Jahren 1764-1765 erbaut. Der damals ausgewählte Baustil der Kirche war das sogenannte provinzielle Barock. Durch ihre geringen Maße und den kargen Innen- und Außenschmuck erweckte dieses Gotteshaus den Eindruck einer Dorfkirche. Schon kurz nach ihrer Weihe entsprach sie wegen der immer größeren Anzahl der Gläubigen nicht mehr den Bedürfnissen der Pfarrei. Es musste mehr als ein Jahrhundert vergehen, bis die Baupläne einer neuen Kirche ausgeführt werden konnten. Auf Initiative des Abt-Pfarrers Antonius Vudy wurde im Jahre 1886 ein Baukomitee zur Errichtung einer neuen römisch-katholischen Pfarrkirche in der Fabrikstadt ins Leben gerufen. Das Baukomitee, unterstützt von der königlichen Freistadt Temeswar und der Stadtelite, entschloss, dem Gotteshaus den Namen „Millenniumskirche“ zu geben, da man 1896 im ganzen Lande 1000 Jahre seit der Landnahme durch die ungarischen Stämme feierte.

Seiten des Klerus wählte man als Präses des Komitees den Abt-Pfarrer Antonius Vudy, von der weltlichen Seite wurde Dr. Karl Telbisz zum Präses gewählt, der damalige Bürgermeister Temeswars. Die Baupläne der Millenniumskirche erarbeitete der Budapester Architekt Ludwig von Ybl. Die Arbeiten wurden vom Temeswarer Baumeister Josef Kremer durchgeführt. Der Grundstein wurde am 4. Oktober 1896 feierlich durch Diözesanbischof Alexander Dessewffy gelegt. Nach einem Jahr waren die Arbeiten an der Kirche schon sehr fortgeschritten. Zum Bau der Kirche, die 71,12 Meter lang und 27,5 Meter breit ist, wurden fast vier Millionen Bauziegeln verwendet. Das Hauptportal, aus Eichenholz, ist vier Meter hoch und 2,6 Meter breit. Die Türme sind 65,7 Meter hoch und 7,5 Meter breit. Die Innenfläche der Kirche beträgt 1170,15 Quadratmetern und beherbergt 48 Sitzbänke für die Gläubigen. Die große Glocke wiegt 2420 Kilogramm und wurde 1896 vom Meister Anton Novotny aus Temeswar gegossen. Sowohl der Hauptaltar als auch die Nebenaltäre sind aus Eichenholz und wurden von Dominik Donath aus Österreich gebaut.

Der Stil des Hauptaltars ist neu-romanisch, die Statuen der heiligen Könige Stephanus und Ladislaus von Ungarn schmücken seine Nischen. Das Gemälde des Hauptaltars ist das Werk des Künstlers Georg Vastagh und stellt die Gottesmutter Maria dar. Leider mussten in der Zwischenkriegszeit die ungarischen königlichen Insignien und das Wappen vom Gottesmutterbild verschwinden, denn sie erinnerten die neuen staatlichen Obrigkeiten an die Zeit vor 1919. Das Kircheninnere wurde mit sezessionistischen Motiven, aber auch mit verschiedene Szenen oder Heiligendarstellungen von Bernard Menczer bemalt. Die Arbeiten an der Kanzel wurden von Karl Wagner aus Arad ausgeführt.

Über dem Eingangsportal in der Kirche stehen drei in natürlicher Größe ausgeführten Statuen: links und rechts die heiligen Apostel Petrus und Paulus, in der Mitte der Heiland Jesus Christus mit dem Kreuz als Stütze. Der Fußboden der Kirche besteht aus farbigen Platten, die auf Beton verlegt wurden. Unter dem rechten Turm befindet sich die Kapelle des heiligen Antonius von Padua.

Die Gesamtkosten des Bauwerkes erreichten die Summe von 500.000 Forint. Die Weihe der Kirche fand am 13. Oktober 1901 statt und wurde von Diözesanbischof Alexander Dessewffy vorgenommen. In den Altären befinden sich Reliquien folgender Heiligen: Gerhard, Laurentius, Laurian und Verekundus. Die Chorempore der Millenniumskirche ist von einer beeindruckenden Orgel dominiert. Diese wurde im Jahre 1901 vom Temeswarer Orgelbaumeister Karl Leopold Wegenstein (1858-1937) gebaut. Wegenstein war seinerzeit einer der wichtigsten Orgelbauer des Banats und darüber hinaus. Die erste Reparatur stammt aus dem Jahre 1926, die zweite erfolgte 1936, als der Meister noch am Leben war. Die vorletzte größere Reparatur wurde von Professor Dr. Walter Kindl vorgenommen. Er hat das pneumatische Getriebe in ein elektrisch-pneumatisches umgebaut und ergänzte die Registeranzahl von 37 auf 42. Um eine vollständige Renovierung des Instruments vorzunehmen, wurde der Orgelbauer Pap Zoltán aus Oderhellen / Odorheiul Secuiesc zu Rat gezogen. Er analysierte das Instrument, machte eine Diagnose und begann im Juli 2004 die Restaurierung, die er mit Erfolg im April 2005 beendet hat. Die ganze Restaurierung wurde durch die Eheleute Carlo und Margherita Marchegiano, zwei Wohltäter der Millenniumskirche, finanziell getragen. Das Gotteshaus wurde in den letzten Jahren auch zum Zentrum der kleinen italienischsprachigen Gemeinde in Temeswar. Im Jahre 2001 fand die Hundertjahrfeier der Kirchenweihe statt. In letzter Zeit wurde eine totale Sanierung des Kirchendaches durchführt. Die großen Vitralien des Altarraumes werden zur Zeit von Familie Angela Horvath und Răzvan Gavrilă, Temeswarer Restaurateure, gänzlich und fachmännisch restauriert.

Seelsorger der Gemeinde sind János Kapor, Pfarrer, und Zoltán Toman, Kaplan.

Von Claudiu Calin, Diözesanarchivar

 

 

 

 

 


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