Die „Teutschen“ von Neppendorf

Buchvorstellung und Vortrag über die Ansiedlung der Landler in Siebenbürgen

Donnerstag, 15. Oktober 2015

Pfarrer Joseph Ettinger kann als der Urvater der Landlerforschung betrachtet werden, so Dr. Mathias Beer, der Herausgeber des Buches „Kurze Geschichte der ersten Einwanderung oberösterreichischer evangelischer Glaubensbrüder nach Siebenbürgen“.
Foto: Michael Mundt

 Hermannstadt – Im August 1834 hielt Joseph Ettinger, der Ortspfarrer von Neppendorf/Turni{or, einen Vortrag aus Anlass des 100. Jahrestages der Ankunft der ersten aus Oberösterreich deportierten Protestanten. Im Laufe des 18. Jahrhunderts sollten mehr als 4.000 von ihnen aus unterschiedlichen Regionen Innerösterreichs nach Siebenbürgen deportiert werden. Hier entwickelten sie ein eigenes Gruppenbewusstsein, das seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts seinen Ausdruck in der Bezeichnung Landler fand.

Seinen Vortrag veröffentlichte Ettinger ein Jahr später auch als Buch, was mit dazu beitrug, dass sich aus den Transmigranten, oder „Teutschen“ wie sie von den Sachsen genannt wurden, die Gruppe der Landler entwickelte, eine Minderheit innerhalb der Minderheit der Siebenbürger Sachsen. Eines dieser Exemplare bewahrte der ebenfalls in Neppendorf geborene Dr. Ing. Helmut Köber in seinem privaten Archiv auf. Er war es auch, der Dr. Mathias Beer, selbst Landler und Lehrbeauftragter an der Eberhard Karls Universität Tübingen, zu einem Nachdruck des Buches anregte. Dieser konnte mit Hilfe der vom „Verein Kärntner Landlerhilfe“, dem Land Kärnten und der vom Schiller Verlag erfahrenen Unterstützung umgesetzt werden. In der Neuausgabe des Buches „Kurze Geschichte der ersten Einwanderung oberösterreichischer evangelischer Glaubensbrüder nach Siebenbürgen“ verbindet Mathias Beer eine originalgetreue Kopie des Buches mit einer sprachlich modernisierten Transkription und ordnet den Text sowie den Autor darüber hinaus auch historisch ein.

In seiner Buchpräsentation am Dienstag, im Büchercafé Erasmus, wusste der Autor dann auch den Zuhörern und selbst den Landlern unter ihnen, so manche Anekdote aus dem Verhältnis zwischen den Transmigranten und den alteingesessenen Neppendorfern zu erzählen. So währte zu Beginn des 20. Jahrhunderts, nachdem die Neppendorfer Kirche erweitert wurde, ein Streit über eine neue Sitzordnung zehn Jahre an . Waren zuvor die ersten Reihen für die Siebenbürger Sachsen reserviert, forderten die Landler nun eine Sitzordnung ausschließlich dem Alter nach. Doch dieses letzte Privileg wollten die Sachsen, 175 Jahre nach der Ansiedlung der Landler, keineswegs hergeben und so verschliss der eine Dekade andauernde Streit drei Pfarrer und zwei Bischöfe bis ein komplizierter Kompromiss am Ende des Ersten Weltkriegs den Streit belegte. Das Buch ist ab sofort im Hermannstädter Erasmus Büchercafé, der Schiller Buchhandlung sowie über die Internetseite buechercafe.ro erhältlich.

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