Die Tragweite der HILFE ZUR SELBSTHILFE

Erfolgreiches Projekt der Banater deutschen Wirtschaftsstiftung

Mittwoch, 30. Oktober 2013

Die römisch-katholische Pfarrkirche von Deutschsaska

Die schmucke Pension und Privatklinik Dr. Ioan Sporea Fotos: Privat

Temeswar - SASCA MONTANA oder Deutschsaska, im Kreis Karasch-Severin, ist eine ehemalige Grubenarbeiterortschaft mit einer sehr, sehr langen Tradition. Es wurden mehrere Erze gefördert, schon zur Zeit der Römer, und insbesondere das hier geförderte Kupfererz "sorgte" für eine stetige Entwicklung der Ortschaft.

In der Zeit der österreichischen Verwaltung sind mehrere Investitionen getätigt worden, so daß auch Fachleute aus dem Kaiserreich herangezogen wurden. Dies führte zu der schnellen Entwicklung des Gemeinschaftslebens bzw. dem Ausbau oberhalb der alten rumänischen Siedlung - Sasca Român² - in Sasca Montan². Dazu gehörte die katholische Kirche, wie auch die rumänische orthodoxe Kirche im unteren Teil der Ortschaft, Handwerker, Geschäftsleute, etc.

Mit der Schließung der Kupferminen in Sasca Montană kam auch die massive Abwanderung vieler Grubenarbeiter, auch der deutschen Bevölkerung. Zur Zeit leben im Ort nur noch sieben deutsche Personen.

Die Ortschaft liegt in einem wunderschönen Gebiet, etwas abseits von der Hauptstraße Orawitza – Neu-Moldova und ist leider, wie in vielen Fällen, derzeit über eine sehr schlechte Straße erreichbar. Für Naturfreunde, für Tourismus ein ideales Gebiet, zumal die Entfernung bis zur Donau bzw. Donauklamm, bloß 30 Kilometer beträgt. Das Gemeinschaftsleben in der Gemeinde, insbesondere das der deutschen Bewohner, hat sich sehr stark vermindert und vielleicht auch aus diesem Grund organisiert das Demokratische Forum der Banater Berglanddeutschen alljährlich, im Rahmen der Kulturdekade, gemeinsam mit der römisch-katholischen Pfarrkirche das hiesige Kirchweihfest.

Überraschend und erfreulich zugleich war auch in diesem Jahr die große Teilnahme der Bewohner - nicht nur der Katholiken - am Gottesdienst . Die Kirche war fast voll gewesen, und es wurde in deutscher, rumänischer und ungarischer Sprache gebetet. Das Zusammenleben der Menschen, das gemeinsame Schicksal über Jahrhunderte hinweg, hat konfessionelle Schranken schon längst überwunden. Das anschließende  Kulturprogramm, im Schatten alter Lindenbäume, im gepflegten Kirchhof, organisiert und betreut vom DFB der Berglanddeutschen in Zusammenarbeit mit dem Pfarramt und Gemeinderat sorgte für gute Stimmung. Für viele Teilnehmer älterer Semester ist das Kulturprogramm rings um den Kirchweihstrauß stets die Anregung zu Erinnerungen an die eigenen Jugendjahre, die Zeit, in der noch ein reges Gemeinschaftsleben in Sasca Montană stattfand. Einen sehr guten Eindruck hinterließ auch das ehemalige Pfarrhaus, das von seinem jetzigen Eigentümer sehr gut und schön renoviert worden ist.

In seinen Dankesworten an die Unterstützer erwähnte Pfarrer Daniel Dumitru, zum wiederholten Male, den Namen der Familie Dr. med. Ioan Sporea aus Temeswar. Warum unterstützt diese Familie die Ortsgemeinschaft so intensiv materiell und mit persönlicher Beteiligung? Dr. Ioan Sporea ist Facharzt für Gastroenterologie und betreibt mit seiner Ehefrau Johanna - Mutter geborene Grafenberger - und Tochter Diana eine Privatklinik in Temeswar. Im Rahmen der vom "Banater Verein für internationale Kooperation BANATIA" geförderten Privatinitiativen ist diese Praxis finanziell unterstützt worden, zum Ankauf von modernen Geräten, wie Ultraschallapparaten, Laborausstattungen und weiteren Spezialgeräten  für medizinische Untersuchungen (Gastroskopie, Kolonoskopie usw.). Auch Dr. Ioan Sporea ist der Auffassung, daß man eigenes Glück auch weitergeben soll, daß man anderen helfen sollte und im Rahmen der Möglichkeiten der Gemeinschaft einiges geben muss.In diesem Sinne verstärkt sich die "Hilfe zur Selbsthilfe" und führt zur Wiederbelebung des Gemeinschaftslebens. Die Familie hat vor Jahren ein altes Mühlengebäude erworben und dieses zu einer kleinen Pension mit österreichischen Flair umgestaltet (im Hintergrund hört man steyrische Musik). Das Ehepaar Sporea ist an diesem Feiertag auch steyrisch gekleidet gewesen, aus Respekt und Solidarität für die noch verbliebene kleine deutsche Gemeinschaft aus Montansaska.

Dr. Sporea ist ständig bemüht die Gemeindeverwaltung anzuregen neue Projekte in Angriff zu nehmen um so auch das Wirtschaftsleben zu verbessern. Nach Unterbrechung der Kupfererzförderung, in den neunziger Jahren, sind viele "Wandergrubenarbeiter" weggezogen und haben ihre Wohnungen verlassen. Einen so verwahrlosten Wohnblock hat Dr. Sporea erworben und als erste Maßnahme das Dach in Ordnung gebracht, wie auch Aussenreparaturen vollzogen, in der Überlegung eine Pension einzurichten und auch die hässliche Aussicht abzuschaffen; alles in Eigenleistung.

In einem weiteren Förderprojekt, im Rahmen der Unterstützung durch die Bundesregierung  aus Rückflussgeldern, hat "BVIK BANATIA" die Ausstattung einiger medizinischen Untersuchungsräume mitfinanziert. Anläßlich der "Kerweih" haben wir das Ergebnis sehen dürfen. Im Erdgeschoss ist im linken Flügel die Praxis eingerichtet worden, auf einem sehr hohen Standard, mit großzügigen Warteraum, moderne Toiletten, etc. Auf der rechten Seite soll eine Küche für die in der ersten Etage eingerichtete Pension gestaltet werden; die Frühstückstische stehen schon (in den Essräumen). Im allgemeinen bietet sich hier ein beeindruckendes Bild. In der Praxis werden kompetente - von Fachärzten aus Temeswar - Untersuchungen bei sozial verträglichen Tarifen durchgeführt. Am Wochenende bringt Dr. Sporea Fachärzte aus Temeswar mit, die das Angenehme mit dem Nützlichen zusammenführen wollen und so Patienten aus dem umliegenden Ortschaften mit hoher Kompetenz untersuchen können, sodass diese Menschen nicht mehr lange kostspielige Fahrten bis nach Temeswar auf sich nehmen müssen.Die schöne Umgebung mit dem Nera-Klamm, dem Beiu{ni]a-Wasserfall im Naturschutzgebiet Nera kompensieren teilweise den Aufwand der beteiligten Ärzte. Die sehr stark ionisierte Atmosphäre im anliegenden Susara-Tal, eine schon vor mehr als 200 Jahre bekannte Talsache, hat einen wohltuenden Einfluss auf die Bewohner, Wanderer und Wochenendbesucher, so Dr. Sporea mit Ehefrau.

"Hilfe zur Selbsthilfe" kann sich durch den sogenannten Schneeballeffekt zu einem ökonomischen, sozialen, kulturellen und humanitären Phänomen entwickeln, wenn die Personen die dahinterstehen, mit Verantwortungsgefühl, Lokalpatriotismus und Liebe für die Menschen des Ortes wirken. Ein erfolgreiches Projekt, mit so vielen erfreulichen Nebeneffekten ist ein schönes Geschenk für alle Beteiligten, Förderer, Vermittler und Geförderte.

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