Die Zarenstadt am Ufer des Jantra

Veliko Tarnovo, ein perfektes Wochenend-Ziel

Donnerstag, 18. Dezember 2014

Bunte Häuser auf hohen Hügeln: Veliko Tarnovo ist eine malerische Stadt.

Hier haben die bulgarischen Zaren regiert: Die Burg Zarewez

Bemalte Wände verleihen der Stadt einen Hauch von Frische.

Graue Fassaden, effektvoll belebt
Fotos: Elise Wilk

Von Veliko Tarnovo habe ich zum ersten Mal von Freunden aus Bukarest gehört. „Es ist das bulgarische Schäßburg“, sagten sie. Von der rumänischen Hauptstadt liegt Veliko Tarnovo auf jeden Fall näher als Schäßburg - und genau so weit entfernt wie Kronstadt/Braşov. Nur 167 Kilometer muss man von Bukarest nach Tarnovo fahren und erspart sich dabei den stundenlangen Stau auf der überfüllten DN1. Von Kronstadt ist die ehemalige Hauptstadt Bulgariens 350 Kilometer entfernt, aber eine Fahrt lohnt sich auf jeden Fall. Wer schon mal mit dem Auto nach Griechenland oder in die Türkei gefahren ist, kennt die kleine Stadt im Norden Bulgariens bestimmt. Sie bietet sich als Zwischenstopp auf der Reise nach Griechenland an, aber auch als Ziel für ein gelungenes Wochenende.

In Giurgiu geht es über die Grenze nach Russe: Hier muss man sich eine Vignette für Bulgarien kaufen, die etwa 10 Lewa kostet. An der dortigen Wechselstube bekommt man einen guten Kurs. Ein Lew ist umgerechnet etwa 50 Cent oder 2 Lei. Von Russe sind es noch 100 Kilometer bis nach Veliko Tarnovo, auf holprigen Straßen und durch Ortschaften, die an rumänische Dörfer erinnern. Nach zwei Stunden ist man in der ehemaligen Hauptstadt Bulgariens, bekannt auch als „Stadt der Zaren“. Eine malerische Ortschaft am Flussgelände des Jantra, mit vielen Hügeln und bunten Häusern. Tarnovo ist 241 Kilometer von der neuen Hauptstadt Sofia entfernt. Für diejenigen, die nicht aus Rumänien anreisen, gibt es den 10 Kilometer weit entfernten Flughafen Gorna Orjachowiza. Wer nicht mit dem eigenen PKW anreisen will, kann aus Bukarest Transportmöglichkeiten bei Tourismus-Agenturen finden. Die Lage der Stadt als Kreuzweg und Schnittpunkt von vielen Verkehrs- und Handelsverbindungen trieb ihre Entwicklung dauernd voran. Veliko Tarnovo ist eine der ältesten Städte in Bulgarien. Ihre Geschichte geht auf mehr als fünf Jahrtausende zurück.

Eine Stadt für Feinschmecker

Wo wohnt man, wenn man nach Veliko Tarnovo will? Die Auswahl ist sehr groß, es gibt über 100 Hotels und Pensionen. Auf booking.com kann man mancherlei Schnäppchen finden, auch wenige Tage vor der Anreise. Also eignet sich die Stadt auch für einen spontanen Wochenend-Trip. Mit Blick auf die Burg, auf den Fluss oder auf schmale Straßen, wie in einem traditionellen bulgarischen Bauernhaus, mit Schwimmbad und Sauna, mit Bio-Frühstück - es gibt allerhand attraktive Übernachtungsmöglichkeiten. Was man bei einer Reservierung unbedingt beachten sollte: Es ist wichtig, ein Hotel mit eigenem Parkplatz zu finden - und die Hotels im Zentrum haben oft keinen. Es kursieren immer noch Gerüchte, dass man in Bulgarien Autos stiehlt, den Stress sollte  man sich lieber ersparen.

Für nur 35 Euro pro Nacht bekommt man ein Doppelzimmer mit Halbpension in der Nähe des Fußballstadions, nur 15 Gehminuten entfernt vom Zentrum. Beim inbegriffenen Abendessen kann man einen großen Salat, eine Hauptspeise und zwei Getränke zur Wahl von der Karte bestellen. Andere Hotels sind zentraler gelegen und bieten nur Frühstück. Trotzdem verhungert man nicht - im Zentrum und in der Nähe der Burg gibt es eine Vielzahl von Restaurants mit großen Portionen zu günstigen Preisen. Wer gerne lokale kulinarische Spezialitäten probiert, ist in Veliko Tarnovo richtig. Bob Tschorba, eine leckere Bohnensuppe, Eintöpfe, mit Ei und Käse überbackener Maisbrei, Musaka mit Auberginen und gehacktem Fleisch, riesige gemischte Salate - das alles kann man zu sehr günstigen Preisen probieren. Dazu passt, besonders im Winter, ein Glas „Trojanska slivova“ - Pflaumenschnaps. Gute Restaurants findet man überall. Besonders zu empfehlen ist „City Pub“, ein Lokal mit Musik der 80er Jahre, wo man nicht nur gut essen kann, sondern auch auf eine nette Atmosphäre trifft und wo ab und zu bulgarische Rockbands auftreten. Ein anderer Tipp ist die große Konditorei auf drei Etagen im Zentrum, nicht zu übersehen, wo es riesige Portionen Schokoladenkuchen und Cappucinotassen in Schallplattengröße gibt. Achtung: ein Kuchen reicht auch für zwei!

Wie in einem Märchenbuch

Das bedeutendste Kulturdenkmal in Veliko Tarnovo ist die mittelalterliche Burg Zarewez, die sich auf dem gleichnamigen Berg befindet, der von allen drei Seiten vom Fluss Jantra umgeben ist. Neben Zarewez befindet sich ein weiterer historischer Hügel – Trapesiza, auf dem noch archäologische Ausgrabungen stattfinden. In der Altstadt von Veliko Tarnovo fühlt man sich, also ob man mitten in die Seiten eines Märchenbuchs geraten wäre. Auf den engen „Gurko“ und „Samovodska charshiya” Handwerker-Straßen gibt es 200 Jahre alte Gebäude. Jedes zweite birgt eine Galerie, einen Souvenirladen oder ein winziges Café. Man kann auf diesen Straßen ganze Stunden verbringen und hier mit einer Shopping-Tour beginnen. In den Souvenirläden kann man günstig Andenken erstehen, von lokalen Künstlern hergestellt. In den koketten Läden auf der Hauptstraße gibt es Markenkleidung zu attraktiven Preisen oder originelle Kleidungsstücke von bulgarischen Designern. In den „CBA“-Supermärkten findet man leckere bulgarische Schokolade. Wenn es dunkel wird, kann man das quirlige Nachtleben der Studentenstadt genießen. Eine sehr nette Musikbar auf der Hauptstraße ist „Melon Club“, wo an Wochenenden Live-Konzerte stattfinden.

Besonders zu empfehlen: ein Besuch am 22. März

Veliko Tarnovo ist immer einen Besuch wert. Wer es aber von seiner allerschönsten Seite erleben will, sollte am 22. März, dem offiziellen Feiertag der Stadt, kommen. Am Abend findet eine audiovisuelle Klang- und Licht-Show auf dem Hügel Zarewez statt: Untermalt von Musik, Lichtspielen, Laser und Kirchenglocken wird von der tragischen Geschichte Bulgariens erzählt. Wer an diesem Tag anreisen will, muss frühzeitig ein Zimmer buchen. Nähere Informationen über Hotels, Restaurants und aktuelle Ereignisse erhält man im touristischen Informationszentrum an der Hauptstraße. Wer ein Wochenende in Veliko Tarnovo plant, sollte unbedingt auch einen Besuch im sechs Kilometer entfernt liegenden archaischen Dorf Arbanasi andenken, wo sich mehrere prächtige Architekturdenkmäler aneinanderreihen. Auch hier findet man günstige Übernachtungsmöglichkeiten in schicken Pensionen.


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Reisetipps

Unterkunft:
Arena Tarnovo Hotel (ab 30 Euro mit Halbpension)
Hotel Play (ab 30 Euro mit Frühstück)

Essen:
Hadji Nikoli Inn, 19, G. S. Rakovski Str
City Pub, Hristo Botev Str. 15

Unterhaltung:
Melon Pub, Nezavisimost Str. 21

Beste Besuchszeit:
Zum Stadtfeiertag am 22 März oder im Sommer

Informationen über die Stadt:
www.velikoturnovo.info.ro

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