Die Zukunft der Arbeit

Von Fähigkeiten und Ausbildungschancen

Sonntag, 05. Mai 2019

Im Rahmen der Ausstellungsreihe „Harun Farocki: Die Entgrenzung der Arbeit“, die Werke des im Jahr 2014 verstorbenen Regisseurs zeigte, lud das Goethe-Institut am 18. April zum Fokus-Talk in den Pavillon 32 ein. Sowohl Studenten als auch Personen, die bereits mit beiden Beinen fest im Arbeitsleben stehen, versammelten sich an diesem Abend zum Austausch rund um das Thema „Die Zukunft der Arbeit“.


Einführung in die Thematik bot der Film „Ein neues Produkt“ des Regisseurs Harun Farocki. In dem 2012 veröffentlichten Film wird in knappen 37 Minuten eine ungeahnte Perspektive auf die Arbeitswelt sichtbar. Nach der Methode des Direct Cinema gedreht (weder Kommentar noch Interviewsequenz, der Zuschauer ist stiller Beobachter), gibt der Film einen Einblick in die internen Mechanismen des modernen Arbeitsmarktes.


Auf die Optimierung der Arbeitswelt fokussiert, nimmt sich die Hamburger Firma „Quickborner Team“ zum Ziel, eben diese internen Strukturen aufzubrechen und weiter zu verbessern. Es geht dabei vor allem um den Umgang mit Mitarbeitern. So soll ein neues Unternehmenskonzept, das auf der Flexibilität, Wertschätzung und der persönlichen Entwicklung eines jeden Angestellten basiert, zu neuem Arbeitsanreiz führen. Die Entwicklung geht von „Mein Arbeitsplatz“ zu „Meine Fläche“ – Arbeitswelt und Privatleben sollen von nun an nicht mehr strikt getrennte Lebensbereiche sein, so wie es in der Vergangenheit stets praktiziert wurde. Stattdessen soll Arbeiten künftig offen, individuell und gleichzeitig agil gestaltet sein – gewisser-maßen den Lebensgewohnheiten des Angestellten angepasst.
Über diese Verschmelzung zweier Komponenten, die unterschiedlicher nicht sein könnten – Arbeitswelt und Privatleben – wurde auch im Anschluss des Filmes im Goethe-Institut debattiert.


Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Deutsch-Rumänischen Industrie- und Handelskammer, Sebastian Metz, übernimmt an diesem Abend die Moderation der interaktiven Diskussion, an der auch live auf Facebook teilgenommen werden konnte. So stellt sich an diesem Abend heraus, dass auch Marian Popa, Direktor der Deutschen Bank Global Technology Romania, Fan des Home-Office-Prinzips ist, also von zu Hause aus arbeitet. Er arbeite einfach da, wo gerade Platz ist. Zwar müsse man dafür seinen Mitarbeitern einen enormen Vertrauensvorschuss geben, allerdings sieht Popa genau darin die Möglichkeit, die Ernsthaftigkeit und Kommunikation innerhalb des Unternehmens zu festigen: „Man muss den Mitarbeitern etwas zutrauen, ihnen wichtige Aufgaben geben, eben keine Roboteraufgaben, denn erst dadurch erfährt man eine positive Einstellung“.


Als die Frage nach einer der heutigen Arbeitswelt angepassten (modernisierten) Ausbildung junger Menschen kommt, sieht Popa die Verantwortung viel mehr in der Gesellschaft und der Person selbst liegend als in den ausbildenden Universitäten. In einer Gesellschaft, die konstantem Wandel unterliegt und in der es praktisch keinen Status Quo mehr gibt, hat Marian Popa zu Universitäten eine klare Meinung: Es sind Institutionen der Vergangenheit. Es kommt ihm vor allem auf die Basiskompetenzen an, die ein Mitarbeiter in der modernen Arbeitswelt seiner Meinung nach haben sollte: Respekt, Vertrauen, Kommunikation und Ernsthaftigkeit. „You do not build a job anymore, you build a person“ (Man bildet keinen Beruf mehr aus, sondern baut eine Person auf). Der Trend müsse weg von Unternehmen als Talentconsumer und vielmehr in Richtung Talentcreator gehen, so könne man das Problem des Talentmangels beheben, meint Popa. Ein Unternehmen könne nicht immer nur komplett ausgebildete Mitarbeiter einstellen, vielmehr sollten sie auf Basisfähigkeiten setzen und den Mitarbeiter dahingehend weiter ausbilden, so Popa.


Diese Aussagen Marian Popas im Hinterkopf behaltend, stellt sich unweigerlich die Frage nach der zukünftigen Ausbildung. Personen für eine Tätigkeit mit Kompetenzen ausbilden, die es noch nicht einmal gibt? Das stellt das Bildungssystem wahrscheinlich vor eine Reihe von Problemen. „Wir haben kein Problem, wir haben nur Sorgen“, meint Marian Popa dazu. Sorgen, die es allerdings zu lösen gilt – ob in naher oder ferner Zukunft.

 

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