„Dies ist der Tag zum Segen eingeweihet“

Bartholomäusfest im Zeichen der 150. Eigenständigkeit als Kirchengemeinde

Donnerstag, 29. August 2013

Der Festzug auf dem Gang zur Bartholomäer Kirche.

An dem Festgottesdienst beteiligten sich Kirchenglieder aus dem ganzen Burzenland sowie Gäste aus dem Ausland.

Der Schäßburger Stadtpfarrer Hans-Bruno Fröhlich leitete die Liturgie und hielt die Predigt.

Thomas Şindilariu hielt den viel beachteten Festvortrag.

Pfarrer und Presbyter nahmen an dem Festgottesdienst teil.

Der Organist Paul Cristian und die Sängerin Noemi Fazakas gestalteten den musikalischen Rahmen.
Fotos: der Verfasser

Unter einem besonderen Zeichen stand das diesjährige Bartholomäusfest, da heuer im Mai 150 Jahre seit der Gründung dieser eigenständigen Kirchengemeinde begangen wurden. 

Es ist eine Besonderheit im Rahmen der Evangelischen Landeskirche A. B., dass in einer Stadt zwei Kirchengemeinden bestehen. Dieses trifft für Kronstadt zu, wo es die Honterus- bzw. die Bartholomäusgemeinde gibt. Diese Trennung bestand bis vor Kurzem auch auf weltlicher Ebene in Deutschland, wo es zwei Heimatortsgemeinschaften der Kronstädter gab. Die der Kronstädter und die der Bartholomäer, die heuer allerdings fusioniert sind und nun eine einzige Heimatortsgemeinschaft bilden. Zu dem Fest am 25. August – ein Tag nach dem Stichtag, an dem des Apostels Bartholomäus gedacht wird – trafen nicht nur Kirchenglieder dieser Kirchengemeinde ein. Dazu waren auch die der anderen Kronstädter Gemeinde, der Honterusgemeinde, sowie aus Kirchengemeinden des Burzenlandes eingeladen worden. „Dies ist der Tag zum Segen eingeweihet“ lautet es im Lied 116, das aus voller Brust von den rund 200 Gästen in der Kirche erklang. Und es war tatsächlich ein segensreicher Tag. Schien das Wetter am Morgen nicht die besten Anzeichen zu bieten, so erstrahlte die Kirche nach dem Einzug des Festzuges, bestehend aus den angereisten Pfarrern und den Presbytern in hellem Sonnenschein, der tagsüber auch nicht mehr weichen sollte. 

Nach den einleitenden majestätischen Klängen der Orgel, an der Paul Cristian wieder seine Kunst unter Beweis stellte und die Musikstudentin Noemi Fazakas aus Jassy als Solistin begleitete, wurden der liturgische Teil und die Predigt vom Schäßburger Stadtpfarrer Hans-Bruno Fröhlich vorgenommen. Die Worte gingen den zahlreichen Gottesdienstbesuchern zu Herzen, wie anschließend in privaten Gesprächen viele der Teilnehmer betonten.

„Heute am Bartholomäustag wollen wir uns darauf besinnen, dass unser Leben sich in diesem Spannungsfeld – zwischen der Pflicht zum ethischen Handeln einerseits, aber der nötigen Demut und dem Bewusstsein, alles von Gott zu erwarten und ihm zu danken anderseits – abspielt. Wir wollen uns (einerseits) dazu ermahnen lassen, auf das Ziel hin – welches Gott uns gesteckt hat – uns zu bemühen. Und wir wollen (anderseits) nicht vergessen, dass – bei aller Anstrengung unserseits – wir nur mit Gottes Fürsorge hinkommen“ betonte er. Wer war aber Bartholomäus? Laut Überlieferung wird in Apostel Nathanael und Bartholomäus die gleiche Person gesehen, ein Mann aus einfachen Verhältnissen, den Gott gegeben hat. In dieser besinnlichen und feierlichen Atmosphäre folgte die Austeilung des Abendmahles durch die Pfarrer Hans-Bruno Fröhlich, Peter Demuth, Andras Pal und Uwe Seidner.

Mit großem Interesse folgten anschließend in der Kirche die Anwesenden dem Festvortrag von Thomas Şindilariu, Leiter des Archivs der Schwarzen Kirche, zum Thema „150 Jahre Bartholomäer Eigenständigkeit“, in dem er auf die Geschichte dieses ältesten Sakralbaus der Stadt, vor allem aber auf die verschiedenen Ereignisse einging, die dazu führten, dass schließlich Bartholomä im Mai 1863 zur eigenständigen Kirchengemeinde erklärt wurde. In dem Referat, das wir mit der freundlichen Genehmigung des Autoren in unserer Nächsten Ausgabe veröffentlichen werden, unterstrich er des Öfteren den Zusammenhalt der hiesigen Kirchengemeinde, deren wirtschaftliche Kraft dazu führte, dass diese eine Schule, einen Festaal, ein Freibad und andere Einrichtungen für gemeinnützige Zwecke im vorigen Jahrhundert errichten konnte. Das Barholomäusfest ist heute noch das einzige Kirchweihfest, das bei den Sachsen überlebt hat.

Diese Kirchengemeinde entfaltet immer noch verschiedene Aktivitäten. Einmal monatlich tritt der Frauenkreis zusammen, die Männerabende werden ebenfalls einmal monatlich begangen. Jeden Donnerstag findet der Seniorennachmittag statt. Zahlreiche Kirchenglieder haben gemeinsam mit den Presbytern, mit Kurator Werner Lehni und Kirchenvater Martin Weber zum Schmücken der Kirche, der Errichtung des Festzeltes, dem Säubern der Kirche und all den anderen organisatorischen Problemen beigetragen. Die von dem Frauenkreis erstellten gestickten Handarbeiten, die in einer Schau im Angebot standen, erfreuten sich auch bei den Käufern lobender Anerkennung.

Das gesellige Beisammensein am Kirchhof bei Imbiss und Getränken die vermittels dem Unternehmer und Stadtratsmitglied Christian Macedonschi angeboten wurden, die flotten Rhythmen der Burzenländer Blaskapelle geleitet von Vasile Glăvan, der Auftritt der Zeidner sächsischen Volkstanzgruppe, das gemeinsame Singen haben dazu beigetragen eine neue, schöne und gelungene Auflage des Bartholomäusfestes zu genießen.

Kommentare zu diesem Artikel

Johann Dieter Krauss, 06.09 2013, 13:56
Das Bartholomäusfest ist mitnichten das einzige siebenbürgische Kirchweihfest! In den Gemeinden des Nösnerlandes wurden die Kirchweihfeste in ununterbrochener Reihe gefeiert, solange die Gemeinden bestanden. Heute noch wird alljährlich das Kirchweihfest in Jaad, in Moritzdorf und Kuschma gefeiert. In den achziger Jahren habe ich als Vikar einen Kirchweihgottesdienst in Kleinbistritz gestaltet. Und seit diesem Jahr haben wir das Bistritzer Kirchweihfest wieder aufgenommen, und zwar zum Termin, an dem es bis zur Flucht 1944 gefeiert wurde: Zum Bartholomäustag, da um diesen Tag herum ein großer Jahrmarkt stattfand und der Tag des Schutzheiligen der Bistritzer Kirche, des Heiligen Nikolaus, für ein Kirchweihfest kaum in Frage kam, da mit großer Kälte zu rechnen war.

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