Digitales Urkundenbuch

Fast 5000 historische Urkunden zur Geschichte der Siebenbürger Sachsen im Internet verfügbar

Donnerstag, 29. März 2012

Hermannstadt - Wer in 800 Jahren alten Texten zur Landesgeschichte Siebenbürgens recherchieren möchte, braucht dazu nicht mehr in Archive oder Bibliotheken zu gehen. Seit kurzem sind mehr als historische 4000 Urkunden aus dem Spätmittelalter bequem im Internet verfügbar.

Vor 120 Jahren erschien in Hermannstadt/Sibiu das erste „Urkundenbuch zur Geschichte der Deutschen in Siebenbürgen“, sechs weitere Bände kamen in den folgenden 100 Jahren heraus, zuletzt der von Gernot Nussbächer zusammengestellte Band 7 aus dem Jahr 1991. Insgesamt wurden darin 4687 Urkunden aus der Zeitspanne von 1191 bis 1486 zusammen getragen.

Der in Heidelberg ansässige Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde (AKSL) hat diese Urkunden nun im Internet unter http://germa229.uni-trier.de:3000/ zugänglich gemacht. Seit April 2011 arbeitete Dr. Martin Armgart von der Universität Koblenz-Landau an der Vorbereitung des digitalen Urkundenbuches. Unterstützt haben diese Arbeit Dr. Adinel Dinca in Klausenburg/Cluj, Thomas Şindilariu aus Kronstadt/Braşov und Dr. Attila Verók aus Szeged. Wertvolle Hinweise gab der Kronstädter Historiker Gernot Nussbächer.

Der AKSL unter Leitung von Dr. Ulrich Wien habe diese Urkunden schon seit längerer Zeit einem breiteren Publikum zugänglich machen wollen, heißt es auf der Seite. Dank der Unterstützung des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien konnte das Vorhaben umgesetzt werden. Das Archiv soll auch für die Weiterführung des Urkundenbuches genutzt werden. Erste Nachträge sind bereits in das Archiv eingefügt. So wurde die älteste bekannte Erwähnung der Hermannstädter Probstei von 1185 ergänzt, das „jüngste“ Dokument stammt in der aktuellen Sammlung aus dem Jahr 1531.

Abschriften der Dokumente wurden in eine von der Universität Trier entwickelten Datenbank eingepflegt samt Ergänzungen und Anmerkungen, Textkorrekturen, zwischenzeitlich festgestellten Umdatierungen oder Fälschungsvermutungen. Jedes der – überwiegend in lateinischer oder ungarischer Sprache verfassten – Dokumente verfügt über einen deutschen Titel sowie dieselbe Nummer wie im gedruckten Urkundenband. Vermerkt ist der heutige Aufbewahrungsort sowie die dortige Signatur. Interessant für wissenschaftliche Arbeiten sind die Anmerkungen zum Zustand des Dokuments, zur Siegelung und ähnlichen Aspekten. Orts- und Archivbezeichnungen wurden vereinheitlicht, wobei sich beispielsweise herausstellte, dass das Hermannstädter Staatsarchiv mit rund 1300 Dokumenten die reichhaltigste Quelle der Urkundenbücher darstellt.

Besucher der Seite können Dokumente über eine Suchmaske finden. Daneben gibt es die Möglichkeit, die Dokumente nach dem Aussteller zu filtern, nach dem Amt des Ausstellers, dem Archiv, der Sprache, der Form der Überlieferung und weiterer Kriterien. Eine Kurzanleitung erleichtert die Benutzung des Online-Archivs. Als Abrundung gibt es ein umfangreiches Literaturverzeichnis, das die in den Urkundenbüchern zitierten Arbeiten enthält. 

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