Dipl.-Ing. Karl Ludwig Lupșiasca zum Gedenken

Zum Ableben des ersten DFBB-Vorsitzenden notiert

Mittwoch, 18. April 2018

Am 7. Oktober 2005 erhielt Lupșiasca die Ehrennadel in Gold des Demokratischen Forums der Deutschen in Banat (7. Oktober 2005). Foto: der Verfasser

Es war der 28. März 2018, als im Deutschen Jugend-, Dokumentations- und Kulturzentrum „Alexander Tietz” just der Auftakt des Projekts „300 Jahre, seit das Banater Bergland auch mit Deutschen kolonisiert wurde“ stattfand, als in derselben Zeit, zwischen den Dörfern Gherteniș und Moritzfeld ein tragischer Verkehrsunfall geschah, der aus unserer Mitte den Alt-Forumsvorsitzenden und Historiker Dipl.-Ing. Karl Ludwig Lupșiasca (unschuldig am Unfall) aus dem Leben entriss. Es war für uns alle ein Schock an diesem Nachmittag, als wir die traurige Nachricht erfuhren...

Karl Ludwig Lupşiasca wurde am 7. Juni 1935 in Lugosch geboren. Sein Vater Franz war damals Handelsangestellter, später Kaufmann, seine Mutter Margarethe, geborene Wild, Modistin. Sie starb 2007 als Hundertjährige. Er hatte noch zwei ältere Schwestern, Theresia (1927) und Margarethe (1928) und als kleinstes Kind die Chance, von der ganzen Familie verzärtelt zu werden.

1942 kam Karl Ludwig Lupşiasca in die deutsche Volksschule, nach einem Jahr zusätzlich ins damalige Lugoscher Konservatorium (ab 1948 Volkskunstschule). Nach Auflösung der deutschen Schulen konnten die deutschen Schüler gegen Bezahlung die konfessionelle Schule des Notre-Dame-Klosters besuchen, waren aber aus anderen Schulen ausgeschlossen. Da Karl Ludwigs Eltern nicht die materiellen Mittel hatten, ihn in die Klosterschule einzuschreiben, konnte er die Volksschule erst wieder ab Ende Januar 1945 besuchen, nachdem die evangelische Kirche dafür einen Raum und die Schulbehörde einen Lehrer zur Verfügung stellte. Der Unterricht erfolgte rumänisch. Ab 1946 besuchte Karl Ludwig Lupşiasca das „Coriolan Brediceanu”-Lyzeum und ab 1953 die Abteilung für Kraftmaschinen der Mechanik-Fakultät des Temeswarer Polytechnikums. Sein Diplom in der Fachausrichtung Wasserkraftmaschinen erarbeitete er unter Aufsicht und Anleitung von Prof. Aurel Bărglăzan und erhielt 1958 das Staatsexamen.

Anfang August 1958 kam Karl Ludwig Lupşiasca über die damals übliche Zuteilung der Hochschulabsolventen ins Entwurfsbüro für Wasserkraftmaschinen des Reschitzaer Hüttenkombinats (CMR). Er verblieb in seinem Dienst bis zur Pensionierung 1995, bloß der Name und die Zugehörigkeit des Betriebs haben sich oft geändert. Er behauptete sich rasch zur fast unersetzlichen Arbeitskraft und wurde bereits über Dispens des Maschinenbauministeriums 1965, bevor er die vorgeschriebenen Dienstjahre erreicht hatte, Oberingenieur und Abteilungsleiter der Entwurfsabteilung für Francis-, Peltonturbinen und Speicherpumpen.

Seine erste Dienstreise ins Ausland erfolgte 1966 nach Leningrad, wo er noch mit persönlichen Aufgaben im Bereich der Kaplanturbinen für das im LMZ-Werk erarbeitete technische Projekt der Turbine für das Eiserne Tor die Entwürfe der Welle und Laufradnabe zeichnete. Drei Jahre später befand er sich für einen Monat in Grenoble / Frankreich, wo die Firma Neyrpic die Entwürfe für die Peltonturbinen der Lotru-Zentrale erstellte. Mit Ausnahme dieser Entwürfe erarbeitete das von ihm geleitete Team in Reschitza die Entwürfe aller bis nach seiner Pensionierung vom Reschitzaer Werk gelieferten und noch heute in Betrieb befindlichen Francisturbinen, Speicherpumpen und Peltonturbinen.

Zu den besonderen Leistungen seines Teams zählen die Francisturbinen der Wasserkraftzentralen Tarniţa, Mărişelu, Gâlceag, Şugag, Remeţi, Munteni, Retezat, Kapulukaia (Türkei) und Kilickaia (Türkei), die Speicherpumpen der Pumpstationen Gâlceag und Secueu sowie die Peltonturbine für das Franzdorfer Kraftwerk. Lupşiasca leistete in dieser Zeit auch technischen Beistand während der Fertigung, Aufstellung und Inbetriebnahme aller Maschinen, die von seinem Team entworfen worden waren. Als Experte seines Fachbereichs war er oft im Ausland. Für Verhandlungen mit anderen Firmen in Schweden, Österreich, Jugoslawien und in der damaligen Tschechoslowakei, für technischen Beistand in China und in der Türkei, für Vorstellungen von Offerten in Neuseeland, Indonesien, Indien und Costa-Rica.

1965 heiratete er Hilde Bähr und hat mit ihr zwei Töchter: Gudrun Ria (1967) und Edda Elfriede (1975). Gudrun, verehelicht Simon, ist zz. Physiklehrerin in Heidelberg / Deutschland und hat zwei Kinder: Sieglind (1992) und Jan Alexander (1997). Edda ist Kindergärtnerin für Deutsch als Muttersprache in Reschitza und Mitglied des „Franz Stürmer“-Chors bzw. der Erwachsenenvolkstanzgruppe „Enzian“. Seine Gattin Hilde ist am 18. Juli 2006 an Krebs in Deutschland gestorben.

Gleich nach der Wende beteiligte sich Karl Ludwig Lupşiasca an der Gründung des Demokratischen Forums der Banater Berglanddeutschen (DFBB) am 9. Januar 1990 in Reschitza und wurde für ein Jahr lang zum ersten Vorsitzenden des DFBB gewählt. Die nächsten zwei Jahre, vom 16. Februar 1991 bis zum 10. Februar 1994 war er stellvertretender Vorsitzender, danach, vom 10. Februar 1994 bis zum 7. Februar 2004, wieder Vorsitzender. In dieser Verantwortung, mit Unterstützung seiner Ehegattin und seiner engsten Mitarbeiter, ist es ihm gelungen, ein echtes Vereinsleben aufzubauen, weitere Mitarbeiter heranzuziehen und das Ansehen des Forums zu stärken. Die Leitung der Kulturarbeit überließ er fast gänzlich dem schon vor der Wende gegründeten Kultur- und Erwachsenenbildungsverein „Deutsche Vortragsreihe Reschitza”. In dieser Zeit war Karl Ludwig Lupşiasca auch Vorstandsmitglied des Banater Forums und des Landesforums (beide ab dem 19. November 1990).

Trotz der schweren beruflichen Aufgaben hat Karl Ludwig Lupşiasca seine Beschäftigung mit Musik und Lokalgeschichte niemals aufgegeben. Als Geiger wirkte er im Reschitzaer Symphonieorchester bis zu dessen Auflösung 1965 und beteiligte sich an dem von Pfarrer Paul Lackner betreuten Hausquartett.

1995 gründete er zusammen mit Josef Ruzicska und Karl Stoianovici das „Banater Bergland”-Trio, eine Musikgruppe, die im In- und Ausland bekannt wurde. Er leitete die Musikgruppe bis zu seinem Tode, zurzeit in Neubesetzung.

Veröffentlicht hat Karl Ludwig Lupşiasca viele Beiträge über Entwurf und Bau von Wasserkraftmaschinen in den Fachzeitschriften „Construcţia de Maşini” und „Hidrotehnica” sowie in Publikationen von Symposien. Seine Forschungsergebnisse im Bereich der ländlichen Wasserräder, vorzüglich der Löffelmühlen, erschienen in den Temeswarer „Analele Banatului” und in dem Sonderband des Reschitzaer Museums „Kulturraum mittlere und untere Donau”. Darüber hinaus erschienen seine lokalhistorischen Beiträge in der „Neuen Banater Zeitung”, in der rumäniendeutschen Tageszeitung „Neuer Weg”, danach „Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien”, „Banater Zeitung”, „Echo der Vortragsreihe” und in den von ihm redigierten „Heimatheften der Banater Berglanddeutschen” (Nr. 1,  November 1990 - Nr. 28, März 2000). In den Jahren 1982 - 1990 erschien unter seinem Namen in der „Neuen Banater Zeitung” die Folgeserie „Arbeiterstadt im Wandel der Zeit”. Über die hiesige Geschichte hielt er verschiedene wissenschaftliche Vorträge, u.a. auch innerhalb der „Deutschen Vortragsreihe Reschitza“.

1997 erschien sein erster Band zur Geschichte des Banater Berglands: „Dieses von Natur aus reiche Land. Geschichte des Banater Berglands in der Zeitspanne 1718 - 1855”. Es folgten ein zweiter Band, „Das Emporbringen und Aufblühen dieser Bergwerke. Eine Geschichte des Banater Berglands in der Zeitspanne 1855 - 1920” (2000) und ein dritter, „Höhepunkt ihrer Geschichte. Eine Geschichte des Banater Berglands in der Zeitspanne 1920 - 1948“ (2006). Er unterschrieb als Mitherausgeber an zwei Auflagen des „Handbuchs der Banater Berglanddeutschen“, erschienen 2009 und 2013.

Zur Anerkennung seiner Leistungen als Vorsitzender des DFBB wurde ihm der „Alexander Tietz“-Preis verliehen (1. Februar 2000), er erhielt die Goldenen Nadeln des Alpenländischen Kulturverbands Südmark in Graz (2. Juni 2004), des Demokratischen Forums der Deutschen in Banat (7. Oktober 2005) und am 10. Mai 2008 die der Europäischen Föderalistischen Bewegung Österreichs, während ihm die österreichische Marktgemeinde Neumarkt in der Steiermark am 7. Juni 2003 das Ehrenabzeichen in Bronze der Marktgemeinde verlieh.

Am 25. Februar 2010 ernannte ihn der Kreisrat Karasch-Severin zum Ehrenbürger des Kreises Karasch-Severin. Eine noble Geste war die vom 29. März 2018, als man zum Beginn der ordentlichen Kreisratssitzung eine Minute des stillen Gedenkens für Dipl.-Ing. Karl Ludwig Lupşiasca hielt.

Die Banater Berglanddeutschen verlieren mit dem Ableben von Dipl.-Ing. Karl Ludwig Lupşiasca einen treuen Wegbegleiter, der sich mit viel Begeisterung und Überzeugung für diese unsere Volksgruppe einsetzte. Ich persönlich verliere mit ihm ein wirkliches Vorbild des Einsatzes für seine Heimat. Gott schenke ihm die ewige Ruhe!

Als Abschluss noch einige Gedanken von Dipl.-Ing. Karl Ludwig Lupşiasca anlässlich der Verleihung der Ehrenbürgerschaft des Kreises Karasch-Severin im Jahr 2010: „In meinem Alter kann man nicht mehr viel versprechen. Ich werde mich davor zurückhalten. Ich kann Ihnen aber versichern, dass, solange ich noch atme und mich bewegen kann, ich an der Seite und im Dienste meiner Karascher Mitbürger sein werde.” Das tat er bis zum Schluss...

 

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