Dragnea auf dem PSD-Parteitag: „Sind weder Barone noch korrupt noch Kommunisten“

„Spickzettel“ mit Empfehlungen bei der Wahl des neuen Parteivorstandes

Dienstag, 20. Oktober 2015

Das neue Führungsduo der PSD: Der erstinstanzlich verurteilte Parteichef Liviu Dragnea (Mitte) und der Exekutivvorsitzende Valeriu Zgonea (links im Bild). Laut Dragnea ist die Partei entschlossen, unter ihrer neuen Führung „nicht vom rechten Weg abzukommen“.
Foto: Agerpres

Bukarest (ADZ) - Die rund 4000 Delegierten auf dem außerordentlichen Parteitag der PSD haben am Sonntag zum einen den per Urwahl zum Parteichef bestimmten Liviu Dragnea in seinem Amt bestätigt und zum anderen den neuen Parteivorstand gewählt. Neue Nummer 2 der PSD ist erwartungsgemäß der von Dragnea unterstützte Abgeordnetenkammerchef Valeriu Zgonea.

Die 14 neuen Vizeparteichefs sind Gabriela Firea, Olguţa Vasilescu, Ecaterina Andronescu, Doina Pană, Andrei Dolineaschi, Victor Negrescu, Georgian Pop, Ionuţ Vulpescu, Nicolae Bănicioiu, Mihai Tudose, Viorel Ştefan, Gheorghe Şimon, Gabriel Vlase und Mihai Chirică.

In seiner Rede beschwor Dragnea vor allem die Redlichkeit der Parteimitglieder: Sie seien „seriöse, ehrliche Menschen“, die es „satt“ hätten, ständig als korrupte Wendekommunisten abgestempelt zu werden – man sei „weder Baron noch korrupt noch Kommunist“, so Dragnea. Allerdings sei „das Schweigen“, das man in puncto Aufarbeitung der jüngeren Geschichte an den Tag gelegt habe, als Zeichen fehlender Courage zu werten, weshalb er alle im Saal Anwesenden bitte, sich zu erheben und „der Opfern der kommunistischen Diktatur“ zu gedenken – man müsse „Rumänien und Rumänen um Vergebung bitten, dies nicht schon früher getan zu haben“. Die verdutzten Parteidelegierten folgten der Aufforderung ihres Parteichefs. Nach dem stillen Gedenken erklärte Dragnea dann die „Stunde Null“ für gekommen, die Partei beschreite nunmehr einen „neuen Weg“.

Hart zu Gericht mit der PSD ging indes der Chef der Jungsozialisten, Mihai Sturzu, der die Delegierten aufforderte, das Ergebnis der Urwahl von letzter Woche bzw. den neuen Parteichef nicht zu validieren – eine Basiswahl mit einem einzigen Kandidaten zu bestätigen, hieße, Kommunisten und ihre Denkart zu bestätigen, warnte Sturzu seine Kollegen. Stunden später stellte der Juso-Chef zudem etliche Fotos von der Stimmabgabe ins Netz, die bezeigen, dass den Delegierten neben den Wahlzetteln auch „Spickzettel“ mit Wahlempfehlungen ausgehändigt wurden. Kritik an der Partei übte auch Altpräsident Ion Iliescu, der ihr vorwarf, den parteiinternen Wettstreit bloß vorzutäuschen.

Kommentare zu diesem Artikel

Hanns, 21.10 2015, 11:26
Meine Zustimmung zu allen Kommentaren, außer jenem von Giftschlange alias Helmut, der wie immer blauäugig der Parteilinie folgt und den ganzen Unsinn der Partei nicht verstehen will oder kann.
Sraffa, 21.10 2015, 02:10
Also, Linares und Tourist haben das treffend kommentiert.
Manfred, 20.10 2015, 21:39
Meine Zustimmung,Linares und Tourist.Für die wirklich demokratischen linken Parteien ist es eine Schande,diese Truppe in ihren Reihen zu dulden.
Tourist, 20.10 2015, 21:08
also Barone sind sie nicht, korrupt auch nicht und Kommunisten auch nicht. Was dann? Etwa eine demokratische Arbeiterpartei, eine Partei die für soziale Gerechtigkeit und gesellschaftlichen Fortschritt kämpft? Eher nein. Eher ein Lobbyistenverein, die gegen Arme und für die eigenen Reichen kämpft und dem jedes Mittel recht ist: Nationalismus, Anbiederung an die orth. Kirche, Minderheitendiskriminierung, kombiniert mit Einfluss im Medienbereich, etc. Im Westen würde man so eine Strategie rechts-populistisch nennen, trotzdem sind sie Teil der Sozialistischen Internationale und gehören der sozialdemokratischen Fraktion im Europaparlament an. Eigentlich paradox.
ion, 20.10 2015, 20:55
Wie kann eine Partei,welche nie auf dem rechten Weg war,von diesem abkommen???Linares,Sie haben die aktuelle Situation absolut korrekt erläutert!
Linares, 20.10 2015, 14:37
@Giftschlange; Die Kritik richtet sich nun einmal in erster Linie gegen die Ausschaltung weiterer Kandidaten um die Funktion des Parteivorsitzenden der PSD. Wie das geschehen ist, brauchen wir hier nicht weiter zu eroertern. Selbst Ihrem Gesinnungsfreund Iliescu ist das sauer aufgestossen.

Wenn sich der frischgebackene Parteivorsitzende der PSD zu der Aussage hinreissen laesst, dass es in dieser Partei keine Korruption, keine Selbstherrlichkeit (Barone) oder kommunistische Tendenzen gebe, dann muss man davon ausgehen, dass er die Straftatbestaende seiner Parteigenossen, ueber die wir ja hier und in anderen Medien regelmaessig informiert werden, als normal ansieht. Natuerlich hat es auch mit der kommunistischen Doktrin nicht viel zu tun, dass dieser Parteivorsitzende sowohl bei der Praesidentenwahl als auch aktuell bei der Wahl des PSD - Vorsitzenden manipuliert hat, etwa durch Behinderung einer bestimmten Waehlergruppe oder durch kurzfristige Aenderung der Voraussetzungen fuer die Kandidatur. Ich kann mir nicht verkneifen, dass dies eine gaengige Praxis in totalitaeren Staaten jeder Coleur ist, und bekanntlich hat ja Dragnea Erfahrung mit Wahlmanipulation. Mir ist nicht bekannt, dass dergleichen etwa bei der CDU/CSU passiert waere. Wenn es in der Bundesrepublik Deutschland nur einen Kandidaten fuer eine Fuehrungspostion in einer Partei oder fuer ein politisches Amt gibt, hat sich sonst niemand dafuer interessiert.

Ihr Problem ist, dass Sie die Dinge nicht nur recht einseitig sehen, sondern auch dann, wenn offensichtlich kritikwuerdiges Verhalten Ihrer Parteifreunde vorliegt, den Versuch unternehmen, die Dinge solange zu verdrehen, bis sie Ihnen in den Kram passen. Dabei verlieren Sie hier in diesem Forum die Glaubwuerdigkeit, und Ihre Empfehlung an einige ausgewaehlte Beitragsautoren, doch einmal erst Demokratie zu lernen, geht in's Leere. Gerade das Recht, Kritik zu ueben, ist Bestandteil einer freien, demokratischen Gesellschaft. Wollen Sie die abschaffen?
giftschlange, 20.10 2015, 13:02
Bekanntlich wurden auch bei der CDU/CSU und in anderen Parteien oft nur ein Kandidat zur Wahl gestellt,trotz das es auch andere Vorschläge einer Minderheit gab.Die PSD hat ihren Vositzenden in einer Mitglieder-Urabstimmung,an der sich 10000snde beteiligten,so wie britische Labour-Party aber auch andere Parteien in Europa,mit ansoluter Mehrheit gewählt.Jeder hätte bei der Urwahl dagegen stimmen können.Niemand wurde gezwungen.Was ist schon ein sogennater Spickzettel?,bei allen Wahlen werben Menschen für einen Kandidaten.Es wird langsam Zeit ,dass hier einige Diskutanten(HANNS,KRITIKER,AURELIAN etc.) Demokratie lernen.Herrn Sturzus Äußerungen dürften wieder einmal auf persönliche Befindlichkeiten zurück zu führen sein.Das ist bedauerlich,jedoch zu akzeptieren.
Manfred, 20.10 2015, 13:01
Wenn es selbst Iliescu peinlich wird...Die Jusos sollten sich abkanzeln und eine echte sozialdemokratische Partei gründen.Mit Leuten wie Dragnea und Andronescu kann man international keinen Blumentopf gewinnen!
Aurelian, 20.10 2015, 12:35
Gerade eben fand ich einen Witz im Internet, den ich gerne weitergebe:

Ein fuehrender Politiker geht in Begletung seines Parteichefs mit seinem Hund spazieren. Ploetzlich bleibt er stehen und hebt mit erstauntem Gesicht den Schwanz seines Hundes hoch.
"Was machst Du denn da?" fragt der Parteichef.
"Ich habe deutlich gehoert, dass jemand gesagt hat: "Da geht ein Hund mit zwei Arschlochern."
Hanns, 20.10 2015, 10:41
Dieser Herr Sturzu ist offensichtlich der einzige wirkliche Demokrat in der (kommunistischen) PSD. Hier wurde ein weiterer Schritt zurück in die Vergangenheit vollzogen.

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