Dragnea ist Ceauşescu II

Donnerstag, 22. Februar 2018

„Wer gegen uns ist, ist gegen den Fortschritt!“ So das nachhaltigste machtpolitische Vermächtnis des Kommunismus. Die Allzweckwaffe gegen jeglichen Gegner. Diese Schlussfolgerung ziehen George Orwell, der Bolschewismusforscher Thierry Wolton oder (bereits in den 1940er Jahren) Karl Popper in „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“. „Feinde“ sind, laut Popper, „rot, braun, grün, Islamisten“.

Schauen wir aufs heutige Rumänien, dessen deklaratives Ideal die „offene Gesellschaft“ ist. Wer deren Feinde sind? Genau die, die sich an der Macht befinden: die Roten. Es gibt für sie keine größere Beleidigung, als sie „Rote Pest“/„Ciumă Roşie“ zu nennen. Und doch: Ihre Herrschaft soll ewig währen. Deshalb alle paar Monate (auch jede Woche...) politische Kurskorrekturen. Deshalb das eiserne Festhalten am Führer: Dragnea ist Ceauşescu II. Paranoia inklusive. Sein innerparteilicher Kosename, „Daddy“, spricht für die Volkssehnsucht nach dem Übervater (=Diktator). Ein Führer voller panischer Angst vor Machteinschränkung. Und Gefängnis. Sie setzen offensichtlich ungeeignete Personen an die Spitze ihrer Regierung(en). Grindeanu, Vasilica. Stürzen sie nach Gutdünken; Lenin: „Die Köchin wird das Land führen!“

Sie sind „Revolution“(-sbesessen): fiskalisch, juristisch, privilegienuntermauernd, radikal. Links? Ein Paradox: die PSD ist eine konservativ-reaktionäre Partei, erneuerungsscheu bis -unfähig. Sie posaunt das Ideal der „Revolution“ aus. Posiert als „Avantgarde“. Ändern soll sich nichts.

Daher die Gewichtung auf Propaganda und Lüge: eines sagen, etwas andres meinen, was ganz andres tun. Fiskalische „Erleichterungen“, „Lohnsteigerungen“, „Autobahnbau“. „Regierungsprogramm“ als Götze. Regieren ist Götzendienst.

Ihre Intoleranz gegenüber „Fraktionismus“ ist akut: Spitzen-Opponenten innerhalb der Partei werden beiseitegeschoben. Oder ausgeschlossen: Ponta, Chiric². Auf die Abschussliste gesetzt: Andronescu, Bădălău.

Poststalinistisch: „Die Partei hat immer Recht!“. „Partei“ ist die Meinungsdirektive des Vorsitzenden. Noch nie haben die PSD-Spitzen sich für ihre unzähligen Fehler entschuldigt. Dragnea hat immer Recht. Wenn nicht, waren andre schuld. Die pausenlosen Korrekturen zum Überleben des Staats: nie hat sich für vorangegangene Fehlgriffe jemand entschuldigt. Lohngesetzgebung, Justizgesetze, „alles war korrekt“. Bürgerliche Gesellschaft? Von Soros manipuliert! EU-Kommission? Falsch informiert! Die Botschaften alliierter Staaten? Auf dem Holzweg! Letztes Argument, allerklärend: Kritiker sind Feinde. Punktum!

Warum das alles? „Weil wir es können!“ Im Kampf gegen den „Parallelstaat“ passieren den Postkommunisten bloß „Kommunikationsfehler“. Die Unfähigkeit, Fehlentscheidungen einzugestehen, der Hochmut, der Zynismus und die Ignoranz der heute regierenden Spitzenleute führten in jedem anderen Staat zum Vertrauensverlust. Und bei uns? Für mich ist Arbeitsministerin Lia Olguţa Vasilescu, eine Ziehtochter des verstorbenen Rechtsradikalen und Ultranationalisten C. V. Tudor, ein Paradebeispiel: Gefragt, wie es denn um die „fiskalische Revolution“ stehe (die gründlich in die Hosen ging), antwortete sie: „Die Löhne sind gestiegen – die Einkommen sind gesunken“...

Zu alldem kommt die Verachtung gegen-über (rechts-)staatlicher Organisation (Bolschewismus und Anarchie gingen lange Hand in Hand) – es sei denn, sie dient zur primitiv-primären persönlichen Bereicherung. Emsig wird an ihrer gesetzlichen Unterhöhlung gearbeitet. Lange wird „die Partei“ nicht mehr vom Phantom des „Parallelstaats“ gejagt, so der (trotz Verurteilung) Regierungsberater Darius Vâlcov und der PSD-Generalsekretär Codrin Ştefănescu.

Erleben wir den Triumph stalinistischer Erziehung der 1950er Jahre? Post Faktum?

Kommentare zu diesem Artikel

Manfred, 22.02 2018, 19:54
Was bringt es,die Situation zu beschreiben und die Ursachen NICHT zu nennen?
Ich sehe in RO 2 Hauptprobleme:
1. Die meisten Leute treten nicht aus ideologischen Gründen in eine Partei ein,sondern weil sie sich private Vorteile aus einer Mitgliedschaft erhoffen,deshalb sind sie den Parteioberen jeder Ebene hündisch ergeben um nichts zu riskieren...
2.Der Bildungsstandart der in RO verbliebenen Menschen ist niedrig(ich will keinen beleidigen,aber das ist nun mal so).Anders kann ich es nicht erklären,das man denjenigen glaubt,die am lautesten schreien,das Unmögliche versprechen,etc...Wer hinterfragt da mal ?Wer engagiert sich uneigennützig?Wer ist in der Lage zu erkennen,was das desaströse Gesetzgebastel für Auswirkungen hat ?
Johannes, 22.02 2018, 14:18
Ceausescu II weiß genau, daß er einer gut manipulierten schläfrigen Herde vorsteht.
Eingeschläfert durch die Wirkung jahrelanger Synergieeffekte. Z.B. im Auto fahrend telefonierende lokale Größen vor den Augen der Polizei, tagelang an den Straßen herumliegende Hundekadaver ohne daß diese telefonierenden Größen etwas dagegen unternehmen, 20 m hohe Rauchsäulen von brennenden Gartenabfällen mitten in der Stadt ohne daß jene Größen einen Finger auf die Tastatur bringen um die lokale Polizei zu informieren - sollte diese tatsächlich blind und nasenlos sein usw. Das alles schläfert den Bürger ein - bis er kein Bürger mehr ist und auch nicht mehr zur Wahl geht. Weil er von Prestigeprojekten nichts hat - außer Sand in den Augen.
Alex, 22.02 2018, 13:08
Es ist nur zu gut, dass die PSD ihre Wahlversprechen nicht einhält und dieses Hickhack an der Regierungsspitze veranstaltet. Hoffentlich merkt das die Mehrheit der Wähler, dann ist diese pro-kriminelle Regierung bald Geschichte. Und wenn es der Wähler nicht merkt, dann macht er bei den nächsten Wahlen hoffentlich auch einen "Kommunikationsfehler" :-) und wählt dadurch die PSD trotzdem ab...

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