Drei gesperrte Straßen

Offiziell (also laut DADPP-CS) waren sie Montag vormittag „befahrbar“

Montag, 29. Dezember 2014

Reschitza – Der Schneefall, der am vergangenen Samstag im Banater Bergland eingesetzt hat, hat für einige Verwirrung unter den Autofahrern gesorgt. Denn während am Sonntag auf dem Hochplatteau des Semenik ein Schneesturm tobte und die kurz vor Wintereinbruch offiziell eingeweihte „Transsemenikstraße“, die Kreisstraße DJ 582 Reschitza-Slatina Timiş mit ihrer Abzweigung vom Prislop-Pass zum Semenikplatteau (DJ 582 E) von der Verkehrspolizei mit dem Verkehrsschild für „gesperrt“ versehen wurde, meldete die Direktion zur Verwaltung Öffentlicher und Privater Liegenschaften der Kreisverwaltung Karasch-Severin (DADPP-CS) die Straße als „frei“, bzw. „befahrbar“.

Telefonische Nachfragen bei den Hüttenwarten des Ski- und Wintersportgebiets ergaben die kategorische Antwort: „Von hier und hierher ist seit Sonntag vormittag wegen des Schneesturms niemand mehr weggefahren oder angekommen. Und der Schneesturm dauert an.“ Und sie erzählten, dass alle Fahrzeuge, die versucht hatten, Sonntag das Hochplatteau zu verlassen, nach ein paar Kilometern in den Schneewehen des Sattels unmittelbar unterhalb des Hochplatteaus (im Bergfreundejargon: „Groapa“, die „Grube“) steckengeblieben waren und mittels der privaten Gelände- und Kettenfahrzeuge der Hotel- und Hüttenbesitzer zurück aufs Hochplatteau gezogen werden mussten. Auch ergab sich, dass die Temeswarer Firma DCO INSERT, die per Vertrag bis am 31. Dezember 2014 für die Schneeräumung vom ehemaligen – jetzt eine Gefängnisstrafe wegen Korruption absitzenden – Chef der DADPP-CS, Ianăş Roşeţi, angeheuert worden war und die wintersüber etwa 80 Kilometer Straßen im Banater Bergland schneefrei zu halten hätte, bloß über ein einziges Räumfahrzeug verfügt, dessen einziges Räumwerkzeug ein Schneepflug ist, der den Schnee nicht gründlich (im Wortsinn: bis auf den Grund) genug entfernen kann, so dass Pkw’s steckenbleiben. Über eine Schneefräse, die in anderen Jahren die Straße schneefrei hielt, verfügt die Firma nicht, außerdem ist sie offensichtlich außerstande, mit einem einzigen Gerät bei so massivem Schneefall wie dieser Tage (auf dem Semenik-Platteau wuchs die Schneedecke von 20 auf 100 cm binnen 24 Stunden), 80 Kilometer Straßen freizuhalten. Dieselbe Firma – hier allerdings mit zwei Räumgeräten – hat auch die Ausschreibung für die Sicherung schneefreier Straßen zwischen Karansebesch/Caransebeş und dem Muntele Mic unter der Herrschaft des selben Ianăş Roşeţi für sich entschieden. Und auch dort klappt es – laut Aussagen der Hüttenwarte – eher nicht.

Denn die langerwarteten Schneefälle dieses Winters fanden sowohl die Tourismusbetriebe als auch die DADPP-CS wieder einmal unvorbereitet. Die Seilbahn, die von Borlova aus zum 1831 Meter hohen Muntele Mic (der Wintersportort liegt auf 1531 Meter Seehöhe und die von den Tourismusbetrieben betriebene Seilbahn endet eigentlich hier) führt, hat keine Funktionsgenehmigung mehr, weil längst fällige Überprüfungs- und Reparaturarbeiten an der überalterten Seilbahn nicht durchgeführt wurden, musste also ihren Betrieb einstellen. So bleibt die einzige Verbindung zum Muntele Mic die Kreisstraße DJ 608A über Zerveşti-Turnu Ruieni-Borlova (28 km). Und auch die war Montag vormittag laut Verkehrspolizei gesperrt, laut der einschlägigen Institution des Kreisrats befahrbar, laut Hüttenwarten „augenblicklich unpraktikabel“. Mit Bestimmtheit seit Samstag nur einspurig befahrbar ist hingegen die Nationalstraße DN 57 am Ufer des Donaustausees Eisernes Tor I (Neumoldowa/Moldova Nouă - Orschowa/Orşova) zwischen Berzasca und Sviniţa, weil sich wieder einmal tonnenschwere Felsen aus den beim Straßenbau ungenügend gefestigten Hängen der Randgebirge gelöst haben und bis Montag vormittag nicht entfernt werden konnten. Riesen-Felsbrocken (man schätzte sie um die 20 Tonnen) liegen auf der – nach sechs oder sieben Jahren Bauzeit immer noch nicht fertigen – Straße und erlauben den Fahrzeugen hier bloß, in Gänsereihe (und –tempo) zu verkehren.  Das war die dritte der Straßen des Banater Berglands, die zu Beginn der letzten Kalenderwoche 2014 nicht befahrbar waren.

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