Drogenkonsum unter Schülern

Isländische Studie schafft Dispute im Reschitzaer Lehrwesen

Donnerstag, 11. Februar 2016

Das Isländische Zentrum für Sozialanalyse und -forschung hat Mitte Dezember 2015 in nahezu allen Schulen von Reschitza/Reşiţa Fragebögen verteilt bezüglich des Drogenkonsums unter Schülern. Die Veröffentlichung der Auswertung der Fragebögen hat als ersten den schillernden PSD-Abgeordneten Ioan Benga, einen Ex-Physiklehrer, der sich für das A und O des Unterrichtswesens im Banater Bergland hält, auf den Plan gerufen. Auf einer Sitzung des Präfekturrats fragte er seinen Schwager, Generalschulinspektor Nicolae Dan Grindeanu, ob und warum dieser seine Genehmigung für eine solche Untersuchung gegeben habe. Grindeanu, der eigentlich bereits seit mehr als einem Jahr illegal Generalschulinspektor des Banater Berglands ist, verteidigte sich (keiner weiß, ob das ein abgekartetes Spiel war), indem er die „Schuld“ auf die Schulleiter abschob, die solcherlei Umfragen in den von ihnen geleiteten Schulen angeblich zu genehmigen haben, und sagte, dass diese das Schulamt weder informiert, noch um dessen Meinung dazu gebeten hatten. Fast folgerichtig bellte Grindeanu die Schulleiter aus Reschitza auf ihrer jüngsten Sitzung beim Schulamt (Thema: Gewalttätigkeit in den Schulen, Drogen-, Alkohol- und Tabakkonsum unter Schülern) an: „In erster Linie wurde weder die Leitung des Schulamts, noch die Kreisdirektion zur Drogenbekämpfung und die Sonderdienste der Polizei über die europäische Studie informiert, die in den Schulen von Reschitza lief. Über jeden Besuch Fremder in der Schule muss zuerst der Schulleiter informiert werden und dieser muss das seinerseits weitersagen. Ihr habt das nicht gemacht!“

In ihrer Autorität angegriffen sahen sich auch die Vertreter der Antidrogendirektion Karasch-Severin, eine Abteilung der Polizei: „Wir sind und waren immer schon offen für Zusammenarbeit. Jetzt aber haben wir eine gewisse Zurückhaltung gegenüber den Ergebnissen dieser Studie. Die meistkonsumierten Drogen im Banater Bergland sind nach unseren Erkenntnissen die „Ethnobotanika“ und Cannabis. Die isländische Studie spricht aber von Amphetamin und Extasy. Wir sind doch nicht Holland!“ So Unterkommissar Sorin Andriţoi, der auf der Schulleitersitzung die Antidrogendirektion des Polizeiinspektorats Karasch-Severin vertrat.

Fakt ist, dass laut dieser Studie – die auf Aussagen der Schüler aus elf Reschitzaer Schulen beruht – Reschitza statistisch zu den europäischen Städten mit dem höchsten Drogenkonsum unter Schülern zwischen 15 und 19 Jahren gehört. Und gerade dieses Ergebnis war es, das den Verantwortlichen schwer im Magen zu liegen kam: Sie verneinen es vehement.
Polizei-Unterkommissar Andriţoi erläuterte die Erkenntnisse seiner Behörde: „2015 sind 13 Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren in den Krankenhäusern von Reschitza und Karansebesch eingeliefert worden – neun in Karansebesch, vier in Reschitza. Das heißt noch lange nicht, dass der Drogenkonsum gestiegen ist“, verteidigt Andriţoi die Erkenntnisse seiner Behörde. „Medizinisch ist erwiesen, dass ein Drogenkonsument auch drei-vier Jahre in Folge Drogen zu sich nehmen kann, ohne dass er wegen einer Überdosis in der Notaufnahme eines Krankenhauses landet – wenn er denn auch ausreichend Glück hat. Andere Konsumenten hingegen landen auch zweimal im Jahr dort. Es hängt viel von der Konstitution des Konsumenten ab, aber auch von der Art und Weise, wie er sich das Laster aneignet, praktiziert und mit ihm umgeht. Genauso ist es praktisch unmöglich, alle Dealer zu kennen – weil immer wieder neue auftauchen. Denn das `Geschäft´ bleibt lukrativ. Unsere Agentur verbirgt keine Daten und Erkenntnisse, aber sehen wir mal einfach darüber hinaus: Hinter jeder statistischen Erkenntnis, hinter jeder Zahl steckt ein menschliches Drama. Das Drama einer Familie. Warum greifen die Jugendlichen zu Drogen? Weil ihnen Zuwendung fehlt! Wir konzentrieren uns nur noch aufs Geldmachen und vergessen zunehmend unsere Kinder.“

Distanziert betrachtet: Der Polizeivertreter war der einzige unter den Verantwortlichen, die den Schulleitern von Reschitza die Ohren langzogen, der jenseits eines Amtsstolzes an die jungen Menschen dachte, um die sich die Studie dreht. Bei den Vertretern des Schulamts kam nur beleidigter Amtsstolz zum Vorschein, die Hypersensibilität ihrer „Würde“, das Übergehen ihrer Amtswürde durch Untergebene und deren Folge, dass nämlich ihre eigenen Vorgesetzten sie rügten, nicht auf dem Laufenden gewesen zu sein über das, was in den Schulen passiert. Im Rahmen der im Auftrag der EU durchgeführten Studie des Isländischen Zentrums für Sozialanalyse und -forschung hatten Volontäre Mitte Dezember 2015 Fragebögen verteilt an Schüler der Allgemeinbildenden Schulen Nr. 2 und Nr. 7 sowie „Mihai Peia“, auch in den Lyzeen „Traian Vuia“, „Diaconovici-Tietz“, im Kunstlyzeum „Sabin Păutza“, dem Baptistischen Lyzeum sowie an Schüler der Nationalkollegien „Traian Lalescu“ und „Mircea Eliade“, des „Wirtschaftskollegiums des Banater Berglands“ und des „Karascher Technischen Kollegiums“.

Kommentare zu diesem Artikel

Tourist, 14.02 2016, 04:23
1.) sollten die Lokalpolitiker froh sein, dass Island solche Studien finanziert und durchführt. Island, Norwegen und die Schweiz stecken freiwillig, obwohl nicht EU-Mitglied, große Summen in Fördertöpfe, die Sozialprojekten in osteuropäischen Ländern zu gute kommen.
2.) wen wundert es, dass das Leben von Jugendlichen in Reschitza eher trostlos ist und die Langeweile groß und deshalb die Experimentierfreudigkeit mit Drogen relativ groß. Reschitza ist weitgehend eine Industrieruine, mehr als 10.000 Menschen sind seit der Revolution von hier weggezogen. Jobperspektiven sind eher gering, das kulturelle Angebot mager, Tourismus gibt es keinen, die Politik macht ständig Schlagzeilen wegen Inkompetenz und Korruption.

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