Durch Romane in die Bruce-Lee-Welt eintauchen

Ramona Lee Soo-Jun schreibt Kung-Fu-Action-Romane

Freitag, 10. März 2017

Ramona Lee Soo-Jun ist die einzige Autorin für Kung-Fu-Action-Romane in Rumänien.

Die junge deutsch-rumänische Schriftstellerin hat bereits sechs Romane veröffentlicht. Fünf weitere warten auf eine Veröffentlichung. Die Bücher kann man online unter www.facebook.com/LeeSooJunChingu bestellen.
Fotos: privat

Er kreierte seinen eigenen Kampfstil, der sich durch Akrobatik und komödiantische Einlagen auszeichnet - Jackie Chan ist Vorbild für viele junge Menschen.

Bereits mit vier Jahren wurde Ramona von Kung-Fu-Filmen begeistert. „Ich will Jackie Chan werden“, sagte sie entschlossen ihrer Mutter. Seither rankte sich ihr ganzes Leben um die Kultur der Kampfkunst, von Martial-Art-Film und -Literatur. Sie schreibt seit ihrer Kindheit Bücher: Zuerst waren es Fabeln und Märchen, später Romane und in Zukunft möchte sie Drehbücher für Aktionsfilme erstellen. Ramona ist mittlerweile 19 Jahre alt, hat sechs Romane veröffentlicht sowie weitere fünf geschrieben, die auf eine Veröffentlichung warten. Seitdem sie 18 ist, hat sie auch ihren Namen geändert. In ihrem Alltag sowie in ihrem Personalausweis heißt Ramona nun Ramona Lee Soo-Jun. Einen Namen, den sie zu Ehren von Bruce Lee, der Ikone des Martial-Art-Films und größten Kampfkünstler des 20. Jahrhunderts sowie zu Ehren der Kung-Fu-Kunst trägt, lässt sie wissen.

Ich bin Ramona Lee Soo-Jun und habe meinen ersten Roman mit 14 Jahren in allein 28 Stunden geschrieben – so stellt sich die 19-jährige Autorin auf ihrer Facebookseite vor. Ramona wurde in Deutschland als Ergebnis einer Mischehe geboren. Der Vater, ein Rumäniendeutscher aus Temeswar, die Mutter, eine Rumänin aus Cernăteaz (Kreis Temesch/Timiş). Nach der Scheidung ihrer Eltern lebte sie bis zu ihrem zehnten Lebensjahr mit ihrer Mutter in Holzgerlingen, im Land Baden-Württemberg. Dann kam die Entscheidung der alleinerziehenden Mutter: „Wir kehren zurück nach Rumänien“. Für Ramona war dies bloß ein neues Abenteuer in ihrem eigenen Spielfilm. Das junge Mädchen wollte unbedingt rumänisch lernen und Rumänien hatte sie auch gern, vor allem, da sie sich in den Ferien immer bei ihren Großeltern mütterlicherseits in Cernăteaz aufhielt. „Ich wollte korrekt rumänisch schreiben und reden lernen, denn ich wollte meine Bücher auf rumänisch schreiben“, erzählt Ramona. Vor allem deswegen, da ihre Mutter ihre beste Kritikerin ist und die erste Person, die ihre Werke liest. „Meine Mutter redet nicht perfekt Deutsch, so schrieb ich meine Bücher in rumänischer Sprache“, erzählt die junge Autorin.

Nach Rumänien zurückgekehrt, würde man sich vorstellen, Ramona würde die deutsche Nikolaus-Lenau-Schule besuchen. Wer so rät, der liegt aber falsch. Ramona und ihre Mutter entschieden sich für das Temeswarer pädagogische „Carmen Sylva“-Lyzeum. „Ich konnte schon deutsch. Ich wollte doch rumänisch lernen“, sagt Lee Soo-Jun. Für das damals 10-jährige Mädchen folgte aber das längste und schwerste Jahr in ihrem Leben, erzählt Ramona. Um sich an das rumänische Schulsystem anzupassen, musste sie die vierte Klasse wiederholen und vieles nachholen. Doch mit der fünften Klasse kam ihr Leben wieder in Ordnung und die Lust zum Schreiben auch.
Gewöhnlich schreibt Ramona einen Roman in einem Monat. Doch wenn die Inspiration kommt, dann schreibt sie ihre Geschichten sogar in einigen Dutzend Stunden nieder. Manchmal schreibt sie sogar an mehreren Geschichten gleichzeitig. Für Inspiration sorgt der Alltag, doch vor allem die Kung-Fu-Filme mit Jackie Chan. Den hongkong-chinesischen Schauspieler, Filmproduzenten, Drehbuchautor, Filmregisseur, Stuntman und Sänger hat die deutsch-rumänische Schriftstellerin schon seit Kindheitszeiten als Vorbild. Obwohl Chan zu Beginn seiner Kariere als Nachfolger des 1973 verstorbenen Bruce Lee angesehen wurde, entwickelte sich Jackie Chan zu einer weiteren Ikone. Er kreierte seinen eigenen Kampfstil, der sich durch Akrobatik und komödiantische Einlagen auszeichnet. Im November 2016 wurde ihm der Ehrenoscar für sein Lebenswerk zuerkannt.

Vor allem Jackie Chans Filme aus den 1980er-Jahren sind für Ramonas Romane eine Inspiration. „Meine Bücher lesen sich sehr entspannt. Man hat mir oft gesagt, dass man beim Lesen den Eindruck hat, dass man einen Film sieht“, sagt Lee Soo-Jun. „Das freut mich sehr, denn mein nächster Schritt ist, Drehbücher für Aktionsfilme zu schreiben“, setzt sie fort. Bisher hat Ramona Lee Soo-Jun sechs Bücher veröffentlicht: „Destinul unei flori de primăvară“ (zu deutsch „Das Schicksal einer Frühlingsblume“) – ein Drama und Kung- Fu-Action-Buch (April 2012); das zweite Buch war eine romantische Komödie „Îmi pare bine, Înălţimea Ta!“ (zu deutsch „Es freut mich, Eure Hoheit!“), erschienen Juli 2012 und das Drama-Action-Buch „Amintiri oarbe“ (Blinde Erinnerungen) Dezember 2012 erschienen. 2013 startete sie die Mu-Ku-Serie. Dann folgte die Phantasykomödie „100 de zile până mâine“ (zu deutsch „100 Tage bis morgen“). Den ersten  Komödien-Action-Roman „Agent 00 vol. I“ schrieb sie 2015 – dabei geht es um Kung Fu-Kampfkunst und Liebe. Im gleichen Jahr schrieb sie und veröffentlichte auch das psychologische Drama „Adio, mamă“ (auf deutsch „Adieu, Mutter“). Hier geht es um die erschütternde Lebensgeschichte von Frau Chi.

Eine arme Seele, die ihren Namen und ihre gesamte Existenz in der Zeitreise des Lebens verloren hat. Es geht um die letzten Augenblicke einer an Alzheimer erkrankten Frau, die fast keine Erinnerungen mehr hat. Manche verschwinden und kommen zurück, bis sich die Gestalt selber wünscht, dass sie keine Erinnerungen mehr hat. „Dies ist bisher mein einziges psychologisches Drama. Erst nachdem ich das Buch zu Ende geschrieben habe, fühlte ich, wie anstrengend und ermüdend die ganze Geschichte für mich war“, sagt Lee Soo-Jun. Das Drama hat die Autorin mit 15 Jahren geschrieben. Was sie genau dazu bewogen hat, das Buch zu schreiben, weiß sie auch nicht mehr so genau. „Ich fühlte einfach den Drang danach. Das Thema über eine Person mit einer gespaltenen Persönlichkeit fand ich erregend. So dachte ich, wie würde eine Alzheimerkranke die Welt betrachten?“ erinnert sich die junge Schriftstellerin.

Doch ihre Lieblingsthemen bleiben die Kung-Fu-Geschichten. Ähnlich wie einen Actionfilm schreibt sie ihre Romane. Sie verfügen über das Erfolgsrezept der Jackie-Chan-Filme: Abenteuer, Martial-Arts und Komödie. In der „Agent 00“ Serie geht es um ein Team von vier Agenten, die in jedem Band eine neue Mission bekommen. Es gibt auch eine parallele Welt, die sich während der Drachen-Dynastie abspielt, davon dürfen die Agenten mit jedem Buch schrittweise etwas erfahren. „Das Beste ist, wenn ich Briefe von Eltern bekomme, in denen sie mir danken, dass ich ihre Kinder und Jugendliche zum Lesen gebracht habe“, erzählt Ramona. Auf der Warteliste hat Ramona auch noch einige unveröffentlichte Romane:  Darunter zwei Fortsetzungen der Serie „Agent 00“; eine romantische Phantasykomödie, Teil der Mu-Ku-Serie, und zwei weitere Drama-, Action-Romane („Jay“ und „Kung  Fu Bodyguard“).

 „Ich glaube fest an meine Ideen, Ziele, Geschichten und Gestalten. Ich haben Vertrauen in mich und meine Weltreise. Nichts kann mich jemals aufhalten, meine Träume zu verfolgen und zu verwirklichen“, sagt Ramona Lee Soo-Jun. Und ihr größter Traum ist, eines Tages mit Jackie Chan, in Person, zu arbeiten. Bis dahin ist sie mit weiteren jungen Kung-Fu- bzw. Jackie-Chan-Fans aus der ganzen Welt in Verbindung gekommen. Einer dieser jungen Menschen ist Andy Long, der, genau so wie sie, in Deutschland aufgewachsen ist und Jackie Chan seit der Kindheit bewundert. Er trat später dem Jackie Chans Stunt-Team bei. Mittlerweile ist Andy Long als der neue deutsche Jackie angesehen. Vor kurzem hatte er auch eine führende Rolle in der Kung-Fu-Komödie „Luc Van Tien“ bekommen.

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