Durchsichtige Gehsteige für Römerspuren

Ruinen der Römerbäder sollen in Herkulesbad sichtbar bleiben

Mittwoch, 21. Oktober 2015

Die Römerspuren sind vor dem dringend renovierungsbedürftigen „Hotel Traian” (früher: „Kronprinz Rudolf”) entdeckt.
Foto: Zoltán Pázmány

Herkulesbad – Wie bereits berichtet haben die Archäologen des Museums für Ethnografie und Geschichte des Grenzregiments aus Karansebesch im vergangenen Sommer bei Tiefbauarbeiten im historischen Zentrum von Herkulesbad archäologische Spuren des Römerbads „AD AQUAS HERCULI SACRAS AD MEDIAM“ freigelegt. Damit ist Herkulesbad, laut den Karansebescher Archäologen, nach Pompeji, Pamukale in der Türkei und Norditalien die vierte Fundstätte, wo Originalspuren eines Römerbades freigelegt werden konnten. Das ist gleichzeitig die archäologische Bestätigung für die längst aus Dokumenten und diversen Inschriften bekannte Tatsache, dass die schwefelhaltigen Thermalquellen von Băile Herculane, die zur Römerzeit dem Gott der Heilquellen Herkules geweiht waren, zu Bädern ausgebaut waren.

Nach Freilegung der Römerspuren bei der Erneuerung des Siedlungswassernetzes beantragte das Rathaus Herkulesbad erst mal beim Entwicklungsministerium Mittel, um diese Spuren, konserviert und nach bewährten internationalen Muster mit einem sichtgewährenden Gehsteig/einer durchsichtigen Fahrbahn abgedeckt, den Touristen, Kurgästen und der Nachwelt zugänglich zu machen.

Der Fund der Archäologen, eher ein Zufallsfund, gilt als erster Fund dieser Art seit 250 Jahren, betonte Adrian Ardeţ seinerzeit, der Direktor des Karansebescher Museums, und dass es extrem bedauerlich wäre, wenn die Regierung nicht die nötige finanzielle Einsicht zeigen würde, diese auch für die Geschichte der Rumänen wichtigen Zeugnisse jedem zu zeigen: „Die ersten waren die Österreicher, die nach 1718 hier Inschriften und römische Artefakte sicherstellten, die heute mehrheitlich in Wien zu sehen sind. Danach haben in der Zwischenkriegszeit Banater Archäologen weitere Funde gemacht, die in Bukarest, Temeswar, Karansebesch oder Herkulesbad ausgestellt oder deponiert sind. Nun sind wir die Dritten, die hier bedeutende Funde gemacht haben. Sobald Herkulesbad die Absicht realisiert, im Kulturpalais (dem „Palast der Kaiserin Sissi“) ein städtisches Museum einzurichten, werden wir die Artefakte hierher transferieren.“

Die Teile von Becken für Thermalwasser, die in diesem Sommer freigelegt wurden, bezeugen einmal mehr, dass Herkulesbad zu den ältesten Thermalbädern der Welt gehört, deren Bau bereits knapp nach der Eroberung Dakiens durch Kaiser Trajan (um 106 n.Chr.) begonnen hat. Da sie sich genau unter der gegenwärtigen Hauptstraße befinden, zwischen den ehemaligen Hotels „Decebal“ und „Traian“ (oder in der Nähe des heutigen Thermal-Freibads), zwischen den in Renovierung befindlichen Hotelbauten aus habsburgischer Zeit und dem Flussbett der Cerna, bleibt die einzige Lösung, sie sichtbar zu lassen, ihre Überdeckung mit einem durchsichtigen Material und ihre Dauerbeleuchtung darunter. Die Abdeckung müsste mindestens 100 Meter lang und wenigstens vier Meter breit sein. Museumsdirektor Arde] hat dieser Tage im Kulturministerium die Situation und den Finanzbedarf für die Maßnahme dargestellt und ist von dort mit der Zusicherung gekommen, dass mit dem kommenden Haushaltsjahr auch dieses Objekt als finanzierungswürdig in Betracht gezogen wird. Zudem werde das Kulturministerium die Fortsetzung der archäologischen Grabungen von der Fahrbahn in Richtung Gehsteig finanzieren, in jener Richtung, in welche sich die Thermalbecken erstrecken.

Und Adrian Ardeţ verriet noch etwas, bezüglich der durchsichtigen Abdeckung eines anderen archäologischen Fundes: auch die türkischen Bäder, die auf dem Temeswarer Parade-(Freiheits-)platz im vergangenen Jahr freigelegt wurden, sollen mit durchsichtigem Material angedeckt werden, womit die Dispute der Temeswarer Zivilgesellschaft („Die türkischen Bäder müssen gerettet werden!“) mit dem Temeswarer Bürgermeister Nicolae Robu („Es gibt kein Geld für diese Abdeckung, wir können den Fund bloß durch Zuschüttung konservieren!“) ein Ende finden. Das Kulturministerium versprach den Vertretern von Temeswar, die Kosten auch dafür zu übernehmen.

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