Echt Heldsdörferisches

Hans Karl Zell hat sächsische Mundart-Begriffe, Flurbezeichnungen, Spitznamen aus seinem Heimatort gesammelt

Montag, 25. September 2017

Auf dem Titelblatt ist ein Foto der Kleinen Hintergasse aus dem Jahr 1963 wiedergegeben.

Heldsdorfer Sächsisch wird schriftlich festgehalten und hochdeutsch übersetzt.

Im Vorjahr brachte der „Förderverein Heldsdorf e.V.“ aus Oberursel (Deutschland) die Dokumentation „Mein Heldsdorf“ von Hans Karl Zell heraus. Sie trägt den Untertitel „Erinnerungen an Plätze, Namen, Sprache“ und ist ein Beitrag, jenes zu retten, was mit der Auswanderung der Heldsdorfer in die Vergessenheit zu geraten droht. Das sind in diesem Fall Elemente, die zum Heldsdorfer Dialekt gehören, von Bezeichnungen und Redewendungen bis zu Flur- und Spitznamen. Sie gehörten zum alltäglichen Leben der Heldsdörfer Sachsen so lange diese als starke Gemeinschaft zusammenhalten und bestehen konnten. „Mundart ist die Sprache des Herzens und der Gefühle, die Sprache der Familie und der Freunde“, heißt es in dieser Broschüre. Globalisierung und Generationswechsel stellen die Zukunft der Mundarten weltweit in Frage. Bei den Siebenbürger Sachsen kommt die Auswanderung hinzu, denn in Deutschland leben diese nicht mehr in geschlossenen Gemeinden, sondern verstreut in mehreren Bundesländern. Dieser Verlust sollte nicht stillschweigend nur bedauert werden. „Etwas entgegen zu steuern“ (wie es auf der Rückseite dieses Bandes heißt) nahm man sich beim „Förderverein Heldsdorf“ vor, der in seiner Satzung auch „die Pflege der Verbundenheit mit der Heimat Heldsdorf durch die Unterstützung von kulturellen und dokumentarischen Projekten“ als einer seiner Ziele vorsieht.

Dr. Heiner Depner, der Vorsitzende des Fördervereins, dankt im Vorwort dem Autoren Hans Karl Zell („Hanzionkel“) für diese Initiative und für die mit deren Verwirklichung verbundene Arbeit und Zeit (so sind z.B. rund 2000 Begriffe gesammelt und erklärt worden). Dem Verfasser zur Seite gestanden sind, wie man aus demselben Vorwort erfährt, Karl-Heinz Brenndörfer, der, außer dem Layout, auch die Kartenbearbeitung und das Verfassen von erklärenden Texten übernommen hat; Hans Otto Tittes (Anpassung der Schreibweise fürs Heldsdorfer Dialekt), Thomas Wagner (Ergänzung der Spitznamen-Sammlung) und Imke Depner (Korrektur).

Zu Stande gekommen ist ein rund 100 Seiten starker Band dessen Hauptteil aus der alphabetisch geordneten Liste der Mundartbegriffe und deren Erklärung besteht. Die Liste der Spitznamen ist nach Straßen und Hausnummern geordnet, wobei jene Spitznamen, die als beleidigend empfunden werden konnten, ausgelassen wurden. Interessant ist auch die Liste der Spitznamen der rumänischen „Proprietari“ - Heldsdorfer und andere Zugewanderte („Kolonisten“) die nach April 1945 in den Besitz von sächsischen Boden und Wirtschaften kamen. Aufgezählt werden auch die Heldsdörfer Varianten zu den gebräuchlichsten Vornamen wobei Hans (Hons, Hoans, Huans, Huonnes, Hannzi, Hienz), Georg (Geatz, Gearch, Geatzi, Juorch, Geck, Jurko) und Peter (Poiter, Poitrach, Pitz, Pitzi, Petri, Pitter) bei den Jungen-Namen und Katharina (Treni, Kathreno, Trenchen, Kati, Käte, Katrin) bei den Mädchennamen am besten vertreten sind. Redewendungen, Zunamen von Kränzchen, Spitznamen der Nachbarortschaften sind ebenfalls vorzufinden.

Einen besonderen dokumentarischen Wert bringen diesem Band die Listen mit den Bezeichnungen von Straßen, Gässchen, Brücken und Stegen mit sächsischer und deutscher Variante somit mit der Lokalisierung (Stand 1956) sowie Listen mit außerörtlichen Anwesen im erweiterten Dorfplan und im Hattertplan, die Flurnamen oder die Namen von Hügeln und Berge in der Umgebung Heldsdorfs. Die jeweiligen Pläne und Karten ermöglichen eine leichtere Identifizierung und Lokalisierung. Der Band enthält auch einige historische Schwarzweiß-Fotos sowie Angaben zum Verfasser. Hans Karl Zell (geb. 1932) hatte ab 1975 eine leitende Stellung in der LPG Heldsdorf. „Er kümmerte sich mit seinen Leuten um die Saatgutvermehrung von Kartoffeln und war verantwortlich für den Anbau von Getreide, Hackfrüchten sowie Arzneipflanzen wie Mohn und Kümmel“, kann man da lesen.  1981 blieb er in Deutschland, wohin ihm zwei Jahre später seine Ehefrau mit Tochter und Sohn folgen konnten. Bis zur Rente (1995) arbeitete er als städtischer Gärtner in Neu-Isenburg. Seiner Heimat bleibt er immer verbunden. „Mein Heldsdorf“ als Dokumentation und auch Nachschlagewerk für Heldsdorfer aller Altersgruppen belegen das eindrucksvoll und sind wohl auch beispielgebend für ähnliche Initiativen im Falle anderer ehemals siebenbürgisch-sächsischen Gemeinden.

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