Eduard Morres – ein Künstlerbeispiel in Indien

Zu einem Lichtreflex von Barbizon und Zeiden bis nach Bangalore

Samstag, 25. April 2015

Eduard Morres: Am Alt (Öl)

Zu den zahlreichen Besuchern der thematisch und dokumentarisch ausgerichteten Retrospektive „Reflexe in Licht und Schatten – Eduard Morres als Bote der Freilichtmalerei“, die vom 9. Mai zum 31. Juli 2014 im Haus des Deutschen Ostens, München, zu sehen war, gehörten, außer einem Team des Rumänischen Fernsehens TVR 1, auch andere ausländische Gäste. So zum Beispiel die in München lebende indische Designerin Akanksha Srivastava, die sich auch ins Gästebuch eingetragen hat.

Bei einem kürzlich geführten Gespräch mit der Kuratorin der Ausstellung berichtete Akanksha Srivastava, dass sie bereits als Studentin in Indien von der Pleinairmalerei bzw. Freilichtmalerei dieses siebenbürgischen Künstlers erfahren habe. Am National Institute of Fashion Technology in Bangalore, der Hauptstadt des Bundesstaates Karnataka, wo 2004-2008 unter anderen die Studienfächer Art Cultures und Art History angeboten wurden, besuchte sie im zweiten Semester auch eine Vorlesungsreihe über Bildende Kunst im Osteuropa des 20. Jahrhunderts. Eine besondere Vorlesungsfolge befasste sich mit den Kunstbestrebungen in einigen Ländern, so auch in Rumänien. Zu den bekannten rumänischen Künstlern, die beispielhaft vorgestellt wurden, da sie nicht Vertreter des sogenannten Sozialistischen Realismus waren, gehörte auch der Maler Eduard Morres (1884-1980).  Akanksha Srivastava war der Name dieses „rumänischen“ Künstlers damals schon deshalb aufgefallen, weil er sich klanglich „irgendwie unterschied“ von anderen bedeutenden rumänischen Künstlernamen, die in der Vorlesung genannt wurden.

Es ist jedenfalls überraschend und auch erfreulich, dass im fernen indischen Bangalore – mit 8,4 Millionen Einwohnern die drittgrößte Stadt Indiens – ein siebenbürgischer Künstler in der Vorlesungsreihe einer bedeutenden Fachhochschule als beispielhafter Vertreter einer Malweise, nämlich der Pleinairmalerei, präsentiert wurde. Dazu zeigte der vortragende Professor auch einige Projektionen von Landschaftsbildern Eduard Morres’.

Man darf sagen, dass dieses ein denkwürdiger Moment war, wo die Freilichtmalerei aus dem Wald beim französischen Künstlerdorf Barbizon ihre Licht-Schatten-Reflexe bis nach Zeiden/Codlea bei Kronstadt/Braşov und von dort, eine Vorlesung lang, bis in die indische Millionenmetropole Bangalore gesandt hatte.

Kommentare zu diesem Artikel

Jonathan, 03.08 2015, 08:02
Auf die (letzte) Frage von Frau Hann, die vom 6.5.2015, hat Herr Dan wohl keine Antwort mehr gefunden. Hätte er doch zugeben müssen, dass das Museum in Brasov mehr tut für die siebb.-dt. Kunst, als z.B. das hinter Gottes Angesicht liegende Gundelsheim.
Hanna, 06.05 2015, 17:11
Noch schlimmer, sehr geehrter Herr dan, wenn Sie die "rumänische[n] Öffentlichkeitsarbeit bzw. Kulturpolitik" meinen! Dann schauen Sie z.B. doch einmal auf die Homepage des Muzeul de Arta Brasov http://www.muzeulartabv.ro/home
Ich nenne nur einige wenige Beispiele von großen Retrospektiven bekannter siebenbürgischer deutscher Künstler, die hier gezeigt wurden: Arthur Coulin (2009/2010), Hans Eder (2010), Hans Mattis-Teutsch (2010), Friedrich Miess (2014) u.a. Zu jeder Ausstellung erschien ein umfangreicher Katalog. Die ADZ berichtete darüber.
Hat das Siebenbürgische Museum in Gundelsheim etwas Vergleichbares zu bieten?
dan, 03.05 2015, 11:19
Liebe Frau Hanna,

wo Sie Gift meinerseits gefunden haben in meinem Beitrag, ist mir schleierhaft...
Ich kritisierte auch nicht die ADZ, sondern die rumänischen Öffentlichkeitsarbeit bzw. Kulturpolitik.
Ihre Überempfindlichkeit mir gegenüber ist also was meinen Kommentar hier betrifft, falsch.
Hanna, 28.04 2015, 09:56
Sehr geehrter Herr dan!
Bevor Sie soviel Gift versprühen, sollten Sie sich zuerst einmal informieren. Im vergangenen Jahr sind in dieser Zeitung gerade über Eduard Morres zwei Berichte erschienen:
http://www.adz.ro/artikel/artikel/das-licht-von-barbizon/
http://www.adz.ro/artikel/artikel/eduard-morres-als-vertreter-der-freilichtmalerei/
dan, 26.04 2015, 20:06
Ja, in Indien kennt man Eduard Morres eher als in Rumänien, wo er immer noch in der Öffentlichkeit unbekannt ist.
Hier werden immer noch dieselben rumänischen Künstler propagiert... in Schule, TV, Politik, die es schon in der Epoca de Aur und im Stalinismus gab... Grigorescu & Co...
Es ist lobenswert, daß die ADZ diesen Artikel über Morres bringt!
Vielleicht auch mal einen Katalog einer Ausstellung in Bukarest, Brasov oder Sibiu?

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