Ehrendoktor für Emil Hurezeanu

Der Journalist und Diplomat stellte an der West-Universität sein neuestes Buch vor

Freitag, 04. Dezember 2015

Der neueste Ehrendoktor der West-Universität Temeswar: Emil Hurezeanu (rechts) und Prof. Dr. Marilen Pirtea, der Rektor der Universität.
Foto: Constantin Duma

Es kommt selten vor, dass ein Journalist mit der höchsten Würde einer Universität, der Ehrendoktorwürde, beehrt wird. Dafür wird denjenigen Journalisten diese Ehre zuteil, die reichlich Verdienste gesammelt haben. So eine Persönlichkeit ist Emil Hurezeanu, der dem rumänischen Publikum zwanzig Jahre lang, vor und nach der Wende, zunächst nur als „Stimme“ bekannt war. Unsere „Exilstimmen“ – in erster Linie denkt man an Monica Lovinescu und Virgil Ierunca, aber mit Sicherheit auch an Emil Hurezeanu – haben die Hoffnung auf ein demokratisches Rumänien in den Jahren des Kommunismus wachgehalten. Sender wie „Freies Europa“, „BBC“ oder „Voice of America“ stellten die einzige Alternative zur Propaganda im Inland dar – und dafür riskierten die Zuhörer auch ihre Freiheit. Denn wurde man beim Hören der Sendungen ertappt, war Gefängnis angesagt.

Emil Hurezeanu war eine der Stimmen, die die Zuhörer im Dezember 1989 über die Demonstrationen in Temeswar unterrichtete. Sein erster Kontakt mit Temeswar erfolgte, wie er es selbst angab, „erst im Januar 1990, als ich eine Journalistengruppe auf den Spuren der vermeintlichen und auch der tatsächlichen Toten Temewars begleitete“.
Nun war Emil Hurezeanu wieder in Temeswar. Diesmal in der Aula Magna der West-Universität, wo er die Ehrendoktorwürde entgegengenommen hat. Im Saal waren nicht nur Studenten und Vertreter der Fakultät für Politikwissenschaften, Philosophie und Kommunikationswissenschaften anwesend, sondern auch Philologen, Soziologen, Wirtschaftswissenschaftler bekundeten ihr Interesse für die komplexe Persönlichkeit, die im Laufe der Jahre beim Sender „Radio Freies Europa“, dann bei der „Deutschen Welle“ und seit 2002 bis zu seiner Ernennung vor Kurzem als Botschafter Rumäniens in Berlin wieder in Rumänien aktiv war: bei Tageszeitungen wie „România Liberă“, „Evenimentul zilei“ oder „Cotidianul“, aber auch bei „Europa FM“, „Realitatea TV“ oder „Money Channel“ und nicht zuletzt bei „Digi24“.

Über namhafte Temeswarer

Ein bisschen befangen wirkte Emil Hurezeanu in der Aula Magna, er selbst gab zu: „Es ist für mich eine ungewöhnliche und verwirrende Veranstaltung“. Er las seine Rede, im Ideenablauf hielt er sich diplomatisch, sobald er den Blick hob und eine Anekdote hinzufügte, kam der Witz des Journalisten zum Vorschein. Er sprach über den Verdienst Temeswars in der Revolution und in der Kultur und nannte da – wir können sie nur aufzählen – Literaten wie Adriana Babeţi, Cornel Ungureanu, Mircea Mihăieş, Marcel Tolcea und Brânduşa Armanca, Şerban Foarţă und Andrei Ujică, dann die Aktionsgruppe Banat – William Totok, Richard Wagner, Ernest Wichner, Anton Sterbling, Helmut Frauendorfer –, selbstverständlich Herta Müller, den gebürtigen Temeswarer und Wahlwiener Ioan Holender und auch den verstorbenen rumänisch-orthodoxen Metropoliten Nicolae Corneanu, mit dem Hurezeanu 1991 vergeblich auf die Einreise des Königs Mihai I. gewartet hatte. Eine elegante Ehrerbietung, die er den Temeswarern gegenüber machte. Sodann befasste sich der Journalist und Diplomat in seiner Rede mit den neuesten Fragen, vor denen Rumänien und Europa stehen. Antworten hatte er für die Journalisten parat, die ihn über die gegenwärtigen Probleme in Europa und der Welt befragten. „Europa befindet sich in einem Prozess der Definition und Neudefinition“.

Ein Spiegel der letzten Jahrzehnte

Wesentlich wohler fühlte sich Emil Hurezeanu bei der anschließenden Vorstellung seines neuesten Buches „Pe trecerea timpului. Jurnal politic român (1996-2015)“, eine Sammlung von Artikeln, vorwiegend Analysen und Leitartikel, aber auch Reportagen und Interviews, die in der im Titel genannten Zeitspanne verfasst wurden. Ein Buch, das die Verlegerin Iren Arsene vom Verlag Curtea Veche als ein Hindernis auf dem Weg des Vergessens vorstellte, übrigens der Bestseller des Verlags beim jüngsten „Bookfest“ in Bukarest. Marcel Tolcea, Journalismus-Professor sagte: „Ein Buch, das nicht versucht zu manipulieren. Dem Autor geht es nicht darum, seine Leser von seinen eigenen Ideen zu überzeugen, sondern vielmehr dass sie ihre eigenen Meinungen bilden“. Brânduşa Armanca, Mitarbeiterin des Senders „Freies Europa“ nach der Wende: „Wenn man aus dem Wirrwarr der Nachrichten, mit denen wir abgespeist werden, nichts versteht, dann kehrt man zu den Stimmen zurück, die einem den Weg zeigen. So eine Stimme ist die Emil Hurezeanus“. Emil Hurezeanu: „Es besteht die Gefahr, dass die jüngsten Generationen nicht mehr daran gewöhnt sind, die Dinge zu vergleichen und voneinan-er abzuleiten. Dieser Prozess ist aber wichtig und lässt sich nur durch Lesen erlernen“.
Für die Anwesenden war es ein geistig anregender Vormittag mit Emil Hurezeanu.

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