Ehrendoktor für Prof. Dr. Louis Marinoff

Autor von „Plato statt Prozac“ hielt Ansprache vor Studenten und Professoren

Mittwoch, 08. Mai 2019

Prorektorin Dana Petcu überreicht Louis Marinoff die Urkunde. Foto: Zoltán Pázmány

„Prozac“ ist in Rumänien wahrscheinlich nur aus amerikanischen Filmen bekannt, das Heilmittel gegen Depression soll andernorts jedoch fast den Bekanntheitsgrad von Aspirin haben. Das hat Professor Louis Marinoff dazu gebracht, für eines seiner Bücher den herausfordernden Titel „Plato statt Prozac“ zu gebrauchen und dann hinzuzufügen: „Philosophie an Alltagsprobleme angewandt“. Oder, nach dem Telefonat des Herausgebers, der das Buch mit „Philosophie“ im Untertitel schwer verkäuflich fand, zur Variante kam: „Ewige Weisheiten an Alltagsprobleme angewandt“. Mittlerweile ist das 1999 in der Sparte „Selbsthilfe“ erschiene Buch in 27 Sprachen übersetzt worden, auch ins Rumänische. Und Louis Marinoff hat Pionierarbeit geleistet, indem er die philosophische Beratung für Menschen vorgeschlagen hat, die ihre Dilemmata lösen wollen. Denn oft sind es gar keine psychischen Probleme, die die Menschen haben, argumentiert er.

Das Wort „Pionierarbeit“ ist bewusst in den Text eingefügt worden, auch wenn es der Autorin klar ist, dass Louis Marinoff dies bestreiten wird. Schließlich hat er in seiner Rede vor den Studenten und Professoren der West-Universität erklärt, dass die philosophische Beratung und Praxis bereits im griechischen Altertum existiert haben. Allerdings kann man dem entgegenhalten, dass es für die neuesten Generationen eher nicht zum Alltag und zum Konventionellen gehört, philosophischen Gedankengängen zu folgen oder sie zu formulieren, oder sogar sich in diesen die Ratschläge zu suchen, daher das (alte) Neuland.

Ende April ist Professor Louis Joshua Marinoff von dem „City College of New York“ zum Ehrendoktor der West-Universität Temeswar erhoben worden. Der Vorschlag kam seitens der Fakultät für Politikwissenschaften, Philosophie und Kommunikationswissenschaften, an der es auch einen Magisterstudiengang in englischer Sprache zum Schwerpunkt „Philosophical Counselling and Consultancy“ gibt. Damit geht die Fakultät einen neuen Weg, was auch Louis Marinoff hervorgehoben hat: „Glaubwürdige philosophische Praktiker müssen im akademischen Rahmen ausgebildet werden, so wie alle glaubwürdigen Praktiker in allen Berufen. Und tatsächlich bietet eine kleine Avantgarde an Universitäten aus verschiedenen Ländern diesen Studiengang in einem aufkeimenden Bereich“.

Nicht nur Professor Marinoff sieht ein Problem darin, dass die Philosophie, aber auch andere Geisteswissenschaften in der heutigen Gesellschaft marginalisiert werden: Wie er es in seiner Rede unterstrich, haben verschiedene Institutionen in den USA auf die Marginalisierung der „Humanities“ als den Hauptgrund für den „kulturellen Rückschritt und die soziale Malaise“ hingedeutet.

Sollte ein Fazit des Events Ende April gezogen werden, müsste man hervorheben, dass Philosophie nicht mehr als das theoretische Fach per se angesehen wird, sondern immer mehr Akademiker die Praxis der Philosophie befürworten.

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