Ehrendoktorwürde für Kronprinzessin Margareta

Die Universität für Agrarwissenschaften und Veterinärmedizin in Temeswar feierte 70. Geburtstag

Montag, 08. Juni 2015

Kronprinzessin Margareta in der Robe mit Prinz Radu (links) und Prof. Dr. Paul Pîrşan, dem Rektor der Universität für Agrarwissenschaften und Veterinärmedizin, vor der Büste des Königs Mihai I.
Foto: Ştefana Ciortea-Neamţiu

70 Jahre ihres Bestehens feierte die Universität für Agrarwissenschaften Temeswar, eine „grande dame” auf der rumänischen akademischen Szene, aber im weltweiten Vergleich noch fesch und frisch. Für die Professoren wie auch für die Studenten und die Temeswarer allgemein sollten die Feierlichkeiten etwas in Erinnerung bringen, nämlich dass die Uni sich um die neuen Generationen von Spezialisten in den Bereichen Agrar- und Forstwissenschaft sowie Veterinärmedizin bemüht. Zur Festwoche gehörten Sportveranstaltungen wie auch ein Studentenwettbewerb für Innovation im Lebensmittelbereich, eine Jobbörse, Workshops und Symposien. Als am Freitag, dem 29. Mai, Rektor Prof. Dr. Paul Pîrşan zum Höhepunkt der Feierlichkeiten aufgerufen hatte, kam Bewegung in das akademische Milieu: In der Aula Magna der Universität für Agrarwissenschaften kamen Professoren und Studenten sowie Minister, Vertreter der Stadt- und Kreisverwaltung und Rektoren mehrerer Universitäten aus Temeswar und aus anderen Städten Rumäniens zusammen. Und ein Ehrengast, dem die höchste akademische Ehre zuteil wurde: Kronprinzessin Margareta von Rumänien sollte bei den Feierlichkeiten der Ehrendoktortitel verliehen werden.

Sechs Fakultäten, 22 Lizenzprogramme und 26 Masterprogramme sowie zwei Doktorschulen – das sind die Zahlen, die die Agrar-Uni, die seit 2013 stolz den Namen „König Mihai I. von Rumänien“ trägt, vorlegt. Es ist der Name ihres Gründers: Am 30. Juli 1945 hatte König Mihai I. das Gesetz für die Gründung der Universität für Agrarwissenschaften verabschiedet, die Geburtsstunde hatte geschlagen. An der Uni kann man heute neben den klassischen Fächern in Agrarwissenschaften und Veterinärmedizin auch moderne, wie etwa „Gentechnik in der Landwirtschaft“ oder „Extrakte und natürliche Zusatzstoffe“, studieren. Prof. Dr. Paul Pîrşan hielt seine Rede schlicht und nicht besonders lang, ließ Gutes und Schlechtes Revue passieren: So bezog er sich zum Beispiel auf die bisher gescheiterten Versuche, die Grundstücke, die die Universität bearbeitet, in den Besitz der Uni zu übernehmen. Seit 2012 habe man dies durch drei Regierungsbeschlüsse versucht und nicht erreichen können. Das Amphitheater war voll und die Reden haben pünktlich angefangen. Punkt 11 Uhr wurden die Tore geschlossen, für die Verspäteten hielt man zwei Nebenamphitheater offen, wo sie über eine Live-Übertragung die Feierlichkeiten mitbekommen konnten. Die Pünktlichkeit und die Ordnung gehörten zum Respekt, den man der Königsfamilie entgegenbringen wollte.

Alle Redner, die dem Rektor Prof. Dr. Paul Pîrşan folgten, unterstrichen die Rolle der Universität auf Lokal- und Landesebene. Bildungsminister Sorin Mihai Cîmpeanu überreichte dem Rektor die Jubiläumsmedaille und –urkunde „Dimitrie Gusti“ „für die Modernisierung des rumänischen Hochschulwesens“. Auch Ecaterina Andronescu, die Vorsitzende des Bildungsausschusses im Rumänischen Senat, hielt Urkunden und Medaillen bereit, die sie dem Rektor überreichte und schob in ihrer Rede ein Zitat von König Mihai I. ein: „Wir haben dieses Land nicht von unseren Vätern geerbt, sondern von unseren Kindern ausgeliehen“. Für den Temeswarer Bürgermeister und ehemaligen Rektor der Technischen Universität Temeswar, Nicolae Robu, war es wichtig hervorzuheben, dass „das wichtigste Gut Temeswars seine Universitäten sind“. Langsam näherte man sich dem Höhepunkt: Prof. Dr. Paul Pîrşan hielt die Laudatio auf Kronprinzessin Margareta und hob dabei die wichtigsten Stationen in deren Leben hervor: die königliche Erziehung, die sie von der Großmutter väterlicherseits genossen hat, der Abschluss der Fakultät für Soziologie, Politikwissenschaften und Internationales Staatsrecht an der Universität Edinburgh, die Arbeit als UNO-Beamtin und schließlich die Rückkehr der Familie nach Rumänien und die engagierte Arbeit hier für Kinder, Senioren und Kranke, aber auch das Engagement etwa für Bildung oder Umweltschutz in Rumänien.

Kronprinzessin Margareta bedankte sich für die hohe Würde, die sie empfangen hat, und unterstrich, dass sie diese „großzügige Geste weniger als eine Geste für sich selbst als eine für alle Vorfahren versteht“ und die auf die 150-jährige Geschichte des Königshauses in Rumänien hinweist.Was die Universität für Agrarwissenschaften und Veterinärmedizin betrifft, hat die Prinzessin hervorgehoben, dass alle 70 Jahre seit der Gründung mit Schwierigkeiten verbunden waren: von der Beendung des Zweiten Weltkriegs über den Kalten Krieg und schließlich die 25 Jahre Demokratisierungsprozess, die das Land und die Gesellschaft durchgemacht haben. Kronprinzessin Margareta beendete die Rede mit der Hoffnung, dass die Studenten das Land weiterbringen werden. Nach der Verabschiedung von den hohen Gästen lud die Universität zu der schon traditionellen Messe „Banat Agralim“ ein. Diese hatte drei Sektionen: eine Messe für Agrarprodukte, eine Handwerksmesse und eine für die Vorstellung der traditionellen Trachten. Die Festlichkeiten klangen am Abend mit einem Konzert im Opernsaal aus.

Kommentare zu diesem Artikel

dan, 12.06 2015, 08:30
Soll das eine Marketing-Show für diese Uni gewesen sein?
Dafür sind die kitschig-goldglänzende Büste, und eine Prinzessin, die keinerlei Bezug zu Land-Forstwirtschaft noch zu dieser Uni hat, helfen da weiter.
Da wäre eine solide Qualität des Unterrichtes sowie der Stopp des Abholzens und Vernichtens der kleinen Landwirtschaft, Biolandwirtschaft und Schutz der Natur wichtigere und national und international prestigeträchtigere Werbemittel.

Doch scheinen auch die derzeitige Leitung dieser Uni und die Primarie dem in Rumänien weitverbreiteten Fehldenken aufzusitzen, daß viel Kitsch und Show nicht gemachte Hausaufgaben wettmachen können.

So bleibt alles beim Alten... Kitsch sells schon lange nicht mehr. Die Rumänen haben das satt.

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