Ein Abwasserprojekt macht Schule

Eigene Pflanzenkläranlage sichert Weiterbetrieb

Donnerstag, 20. Dezember 2012

Eigentlich nutzen die Schüler der 5. Klasse das Außengelände ihrer Şcoala Cornerstone in Dorohoi in erster Linie für Bewegungsspiele und den Sportunterricht. Dass sie neuerdings auch für den Biologieunterricht rausgehen, das könnte an der neuen Kläranlage liegen. Hält sich dort doch neuerdings eine tirilierende Vogelwelt auf, die es zu bestimmen gilt. Singvögel fühlen sich offenbar wohl im nahe liegenden Schilfbeet. Positiver Nebeneffekt einer dezentralen Pflanzenkläranlage.
    
Pflanzenkläranlage?!

Eine Pflanzenkläranlage kann eine ökonomisch wie ökologisch sinnvolle Alternative zur konventionellen Kläranlage sein. Denn im ländlichen Raum stößt die Abwasserableitung durch ein flächendeckendes Kanalnetz immer häufiger an die Grenzen der Finanzierbarkeit und ist dort nur mit hohen Subventionen durchführbar. Kleine dezentrale Pflanzenkläranlagen dagegen sind effiziente und nachhaltige Systeme in der Siedlungswasserwirtschaft, EU-weit längst anerkannt. Ihr Betrieb ist einfach, sie sind robust, und kurze Leitungswege sparen Investitionskosten.

Neu in Dorohoi

In Dorohoi, der Kleinstadt im Kreis Botoşani im äußersten Nordosten Rumäniens, ist eine solche Anlage seit Oktober 2011 aktiv. Dort betreibt der Verein „Home for Children International“ e.V. (HCI) eine Schule. Sie bietet über 200 Kindern eine solide Schulbildung, vom Kindergarten bis zur 8. Klasse. Eine Schulküche versorgt sie jeden Tag mit einer warmen Mahlzeit. Auf dem Gelände gibt der Verein auch vier Pflegefamilien mit insge-samt 28 Waisenkindern ein Zuhause.

Das komplette Abwasseraufkommen dieses Anwesens hat bis Mitte 2011 eine Belebungsanlage mehr schlecht als recht behandelt. Fachpersonal für Bedienung der Schaltanlage war so wenig vorhanden wie Ersatzteile es waren. Ständige Störungen machten einen dauerhaften Betrieb unmöglich. Zudem drohte das regionale Umweltamt mit der Schließung der Schule, sollte die Abwasserreinigung nicht schleunigst die vorgegebenen Grenzwerte unterschreiten. Die Bauherrin suchte nach einer zuverlässigen Lösung auf technisch aktuellem Stand, unter der Prämisse ein robustes wie einfach zu bedienendes System einzusetzen. Im Oktober 2011 erfolgte sodann der Umbau zur Pflanzenkläranlage. Die Umbauarbeiten waren in drei Wochen abgeschlossen.

Details zum Bau der Anlage

Die vorhandenen Betonbehälter werden zur Vorklärung der täglich zu reinigenden 6 Kubikmeter Rohabwasser weiterhin genutzt. Die nachgeschaltete Abwassertauchpumpe erzeugt eine intermittierende Beschickung des anschließenden Bodenfilters, der eigentlichen Pflanzenkläranlage. Mit dem Abwasser eingetragene Mikroorganismen besiedeln die Körner der verschiedenen Sand- und Kiesschichten und vollziehen darauf die biologische Klärung. Der vertikale Fließvektor des Abwassers durch den 160 Quadratmeter umfassenden Bodenfilter sorgt für den nötigen Sauerstoffeintrag und die ganzjährig hohe Reinigungsleistung. Das auf dem Beet gepflanzte Schilf ist nicht nur optisch ansprechend, sondern gewährt durch seine Wurzelaktivität eine hohe Lebensdauer der Anlage.

Ein Projekt macht Schule

Erinnern Sie sich an den letzten Winter? Die wochenlange Kälteperiode mit Temperaturen bis -30 Grad? Es war der erste „Betriebswinter“ der Anlage, und er verlief wie erwartet ohne jegliche Betriebsstörung. Nichts stinkt, staut oder gefriert, weder bei Sommerhitze noch im Dauerfrost. Das abfließende Wasser strömt klar und geruchsfrei in den naheliegenden Bachlauf. Große Unterstützung erhielten die Betreiber durch viele Freunde und freiwillige Helfer aus dem Umfeld der Schule. Die Unterstützer und Väter der unterrichteten Schüler konnten sich hier in ein Projekt einbringen, das sie in ihrem ökologischen Bewusstsein für die Ressource Wasser stärkt. Und vielleicht für ein wenig Abwechslung im Biologieunterricht der Kinder sorgt.

Infos unter: www.hci-online.de , www.pflanzenklaeranlagen.de

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