Ein auf Bewährung Verurteilter als Bürgermeister

Karasch-Severiner Präfekt wartet auf Urteil in seinem Berufungsverfahren

Samstag, 20. September 2014

Reschitza - Es gibt mehrere Bürgermeister des Banater Berglands, die wegen Grundstücksschiebereien und Korruption im Zusammenhang mit der Vergabe/ dem Verkauf/der Konzessionierung von Grundstücken im Verwaltungsgebiet ihrer Gemeinden mit dem Gesetz kollidiert sind. Ein notorisch gewordener Fall ist jener des Ex-Bürgermeisters von Zăvoi bei Ferdinandsberg/Oţelu Roşu, Antonie Bunei, seiner Söhne und Gemeinderäte, die vom Temeswarer Unternehmer und Abenteurer Romeo Dunca („Dunca-Expediţii”) 50.000 Euro Schmiergeld verlangten, um ihm ein Grundstück der Gemeinde für ein Skigebiet im Ţarcu-Gebirge zu konzessionieren. Oder der schon fast vergessene Fall des Ex-Bürgermeisters von Franzdorf/Văliug, Marius Mocanu, der Grundstücke der Gemeinde im sich etablierenden Feriendorf Crivaia am Oberen Franzdorfer Stausee gegen Schmiergeld vergab. Sie sind beide in Fallen der DNA-Staatsanwaltschaft getappt oder Opfer von Anzeigen von angepumpten Personen geworden und sitzen gegenwärtig ihre Haftstrafen ab.

Einer ähnlichen Versuchung konnte auch der Bürgermeister der flächengrößten Gemeinde des Banater Berglands, Prigor im Almăj-Tal, Pavel Verindeanu, nicht widerstehen. Prigor besitzt nahezu sämtliche Almweiden und -wiesen sowie die Wälder an den Ost- und Südosthängen des Bergstocks des Semenik, einschließlich das von der Forstdirektion Karasch-Severin verwaltete einzigartige Naturschutzgebiet an den Nera-Quellen, die europaweit einzigen erhalten Reste eines  Urwalds. Ende Oktober 2013 ertappte die Antikorruptionsstaatsanwaltschaft DNA den Bürgermeister von Prigor auf einem Rastplatz an der Nationalstraße DN 6 in der Nähe von Herkulesbad in flagranti bei der Annahme von 2000 Euro Schmiergeld, was laut dem anzeigeerstattenden Unternehmer die erste Rate einer Gesamtbestechung von 4500 Euro für die Konzessionierung eines Grundstücks der Gemeinde Prigor gewesen sein soll, auf dem der Unternehmer auf dem Hochplateau des Semenik ein Feriendorf zu errichten beabsichtigte.

Wie in allen bisher aufgedeckten Korruptionsfällen üblich, bestritt Pavel Verindeanu – er ist übrigens der Vater des Ex-Vizepräfekten von Karasch-Severin, Nicolae Verindeanu (UNPR), der in der vergangenen Legislaturperiode als knapp 29-Jähriger völlig überraschend einen Tag nach seinem Beitritt zur UNPR zum Vizepräfekt ernannt wurde und der bei seiner Amtseinführung für einiges an Heiterkeit sorgte, als er bloß hervorstoßen konnte, er sei seinen Eltern für diesen Posten ewig dankbar – vor der Staatsanwaltschaft und vor Gericht heftig das Offensichtliche. Er berief sich auf seine zahlreichen Krankheiten, weinte bitterlich vor Gericht und bettelte um Milde, um dann schließlich erhobenen Hauptes das Gerichtsgebäude zu verlassen, wo er eine anderthalbjährige Freiheitsstrafe auf Bewährung aufgebrummt bekommen hatte.

Sofort strengte er gegen den Staat ein Gerichtsverfahren an, mit dem Ziel, seine vom amtierenden Karasch-Severiner Präfekten Silviu Hurduzeu Anfang Januar 2014 verfügte Amtsenthebung aufzuheben. Das Kreisgericht in Reschitza sprach ihm nach überraschend kurzer Verhandlungszeit dieses Recht zu und sofort nahm er seinen Bürgermeistersessel in Prigor wieder in Besitz. Das war im Frühjahr dieses Jahres.
Seither ist ein Urteil des Temeswarer Berufungsgerichts anhängig, das über die Berufung von Präfekt Silviu Hurduzeu gegen das Urteil des Kreisgerichts in Reschitza zu befinden hat. Pavel Verindeanu ist einstweilen weiterhin ungestört Bürgermeister von Prigor.

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