Ein besonderes Bauwerk der Stadt unter der Zinne

Vor 50 Jahren wurde die Straße eingeweiht, die von der Postwiese über die Warthe in die Schulerau führt

Sonntag, 21. Dezember 2014

Der Vorgänger der RATBv-Busse von heute, im Volksmund bekannt als „Şenila“.

Auch die neue Schulerau hat an Serpentinen reiche Stellen.
Fotos: Sammlung Alexandru Filipescu

Heuer erfüllen sich am 19. Dezember 50 Jahre seitdem die neue, moderne Straße, die aus Kronstadt  von der Postwiese über die Warthe zur Schulerau/Poiana Braşov führt, offiziell eingeweiht und für den Verkehr freigegeben wurde. Eingeleitet wurden die Bauarbeiten im Jahr 1963 von dem Kronstädter Unternehmen für Verkehrsbauten (ITC).

1960 war die Schulerau noch ein Freizeitzentrum von lokaler und weniger von nationaler Bedeutung. Einige wenige Hotels, Villen und Hütten mit einem gesamten Fassungsvermögen von 900 Plätzen gab es da. Das Potential war aber bedeutend größer und sollte durch Ausbau zum Wintersportzentrum  mit Skipisten, Drahtseilbahn, Gondeln, Gaststätten erweitert werden. Die Hochrechnungen gaben rund 2500 Plätze an.  Somit sollte die Schulerau in kurzer Zeit zum Freizeitzentrum von nationaler und internationaler Bedeutung ausgebaut werden. Von diesem Vorhaben ausgehend wurde das Detail zur Systematisierung vom Kronstädter Projekt-Institut DSAPC,  Projektchef Arch. Dan Cristescu, im Jahre 1962 ausgearbeitet.

Bis 1962 war die Straßenzufahrt zur Schulerau durch einen Forstweg  gesichert. Der Ausgangspunkt befand sich am Anger in der Oberen Vorstadt/Schei. Der Forstweg führte   bis zur Capra Neagră-Hütte. Gebaut worden war die Straße in den Jahren 1900 – 1902 für Fuhrwerke; sie wurde 1935 für den gelegentlichen Autoverkehr ausgebaut. Die Trasse umfasste insgesamt 7,2 km, die maximale Neigung war  von 16 Prozent auf der Hälfte der Straßenlänge, deren Breite 4 – 4,5 m betrug. Insgesamt gab es 23 Kurven. Auf der Schotterstraße konnte man nicht mit mehr als 10 – 15 km/h fahren.

An den Wochenenden wurde ein rudimentärer Transport mit einem Raupenfahrzeug  organisiert. Dieses konnte nicht mehr als 10 – 12 Personen hoch bringen. Später wurde ein ebenfalls offenes Sonderfahrzeug mit drei Differentialgetrieben eingesetzt. Dieses besaß noch eine mechanische Anlage, um den Stillstand in Gefahrenfällen zu sichern. Die Fahrt führte durch die engen Gassen der Oberen Vorstadt. Die vorgesehene Entwicklung der Schulerau benötigte somit  den Bau einer modernen Straße, die den Verkehr der Fahrzeuge unter besten Voraussetzungen sichern musste. Drei Varianten wurden dabei in Betracht genommen:
 * Die Modernisierung von insgesamt 2,7 km Straßen in der Oberen Vorstadt, was zur Abtragung zahlreicher Häuser geführt hätte. Weiterhin sollten dann 8 km Straße mit großer Steigung und vielen Kurven ausgebaut werden.

 * Eine nächste Variante sah als Ausgangspunkt das Gebiet des damaligen Zentralmarktes, neben dem Star-Kaufhaus vor. Die Straße sollte dann nördlich der Zinne gebaut werden und hätte rund 20 km  umfasst. Der Nachteil war die Länge der Straße, die kostspieligen Arbeiten mit den erforderlichen Konsolidierungsbauten, was eine große Investition benötigt hätte.

 * Die dritte, und schließlich akzeptierte Variante, war die Straße als Fortsetzung vom Rudolfsring, von der Postwiese aus, zu bauen. In diesem Fall mussten keine Gebäude abgetragen werden, der Ausgang aus der Straße war zentral gelegen, die Trasse war auch vom touristischen Standpunkt vorteilhaft. Zudem konnte an der Straße im sonnigen Teil der Warthe, ein kleines Neubauviertel errichtet werden.

Vom technischen Standpunkt her wurden mehrere Elemente in horizontalem und vertikalem Plan in Betracht genommen. Die Mindestgeschwindigkeit  war für 40 km/h gesichert, die 12,4 km lange Strecke konnte in 12 – 15 Minuten bewältigt werden. 54 Kurven und 8 Serpentinen umfasste die Trasse, die maximale Steigung betrug  7,5 Prozent, die Straßenbreite war auf 8 – 9 m geplant, die vorgesehenen Gehsteige auf 1,50 – 3,00 m. Insgesamt mussten 1300 m Stützmauern und 15 Kleinbrücken errichtet werden. Die mit Asphalt und Seitensteinen ausgebaute Straße bot somit die erforderliche Sicherheit für Autofahrer aber auch teilweise Gehsteige für Wanderer. Dadurch war durch dieses Projekt auch vom wirtschaftlichen Standpunkt die beste Lösung bezüglich Investition gefunden worden. Aus touristischer Sicht  konnten Parkplätze mit bester Aussicht auf die Stadt eingerichtet werden. Vom Optischen her, wurde durch den Straßenbau zwischen der unteren und oberen Schulerau, eine spektakuläre Zufahrt zu dem Wintersportzentrum gesichert. Anlässlich der Generalreparaturen, die nach 1990 durchgeführt worden sind, wurden die seitlich der Asphaltdecke befindlichen Bordsteine ebenfalls durch Asphalt ersetzt.

Bei der Ausarbeitung des Projektes  wurden außer einigen hochwertigen technischen Baulösungen für die Zeit, auch die Kennzeichen einer touristischen Straße in Betracht genommen. Außer den schon erwähnten Aussichtsstellen auf die Stadt, bieten sich einem von der Straße, sowohl als Autofahrer als auch als Wanderer, beste Ausblicke  auf das Burzenland bis zu dem Zeidner Berg, dem Königstein und dem Fogarascher Gebirge, bei guter Sicht bis zu den Harghita- und Baraolt-Gebirgen. Auch bei Nacht haben die Touristen die Möglichkeit, das Panorama von Kronstadt zu bewundern. Mit den Bauarbeiten wurde das Kronstädter Unternehmen für Transportbauten (Direktor Dipl.-Ing. Ghiţă M.), Baustelle CT 35 (Baustellenleiter Pompiliu Diaconescu) beauftragt.  Dafür wurden zwei Arbeitsunterkünfte, eines im Gebiet des Restaurants Warthe bei km 2+300, und ein zweites in der unteren Schulerau bei km 9+200 eingerichtet.

Die Arbeiten wurden praktisch schon im vierten Quartal des Jahres 1962 aufgenommen. Diese gingen zügig voran auch während der Winterzeit, sodass die Straße auf dem Abschnitt von der Postwiese bis zur Vân²torilor-Hütte in Länge von 10,5 km, am 19. Dezember 1964, als Fahrgelände übergeben werden konnte. Innerhalb dieser beiden Jahre wurden 100.000 Kubikmeter Straßenbelag herbeigeschafft und eben soviel Stein gesprengt, alle Konsolidierungsarbeiten konnten zu 80 Prozent  durchgeführt werden. Die restlichen 20 Prozent  wurden durch „freiwilligen“ Arbeitseinsatz von Schülern, Studenten, Arbeitnehmern, Soldaten durchgeführt. Im Jahr 1965 wurden die seitlichen Rinnsale ausgehoben, die Abhänge konsolidiert, der Asphaltbelag gegossen, sodass die Straßenarbeiten  im September 1965 abgeschlossen waren. Im dritten Quartal gleichen Jahres wurden die Arbeiten auch am letzten Abschnitt  zwischen der Vân²torilor- und Capra Neagră-Hütte eingeleitet. Dieser 1,8 km lange Abschnitt wurde im dritten Quartal des nächsten Jahres, 1966, abgeschlossen.

Schlussfolgernd kann man nach 50 Jahren behaupten: die neue Straße die seither zur Schulerau führt, hat voll ihre Nützlichkeit bewiesen, und hat entscheidend zur Entwicklung dieses Wintersport- und Freizeitzentrums beigetragen. Durch den Bau neuer Hotels, der Eröffnung zahlreicher Gaststätten, dem Bau von Skipisten und weiteren Gondelaufzügen, hat die Schulerau sich in- und ausländischen Ruhm erworben.

Als Projektleiter möchte ich einige meiner ehemaligen Mitarbeiter erwähnen, die heute als Rentner im In- oder Ausland leben, oder leider auch verstorbenen sind: die Dipl.-Ingenieure Dumitru Gonţea – als Projektant, Elvir Stoica – Projektant der Infrastrukturbauten, Viorel Marin, Constantin Dima, Nicolae Boş, die Techniker Viorel Soşu, Armand Bosoteanu, Ana Kopacs, Pompiliu Diaconescu, Dipl.-Ing. Radu Todicescu, der die geotechnischen Studien ausgearbeitet hat.

Durch seine technischen und touristischen Eigenschaften bleibt diese Straße auch für die Zukunft emblematisch für Kronstadt.

(Deutsche Fassung: Dieter Drotleff )

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