Ein Fall für Zoltan Boér

Turmuhr in Botsch ist wieder in Betrieb

Sonntag, 20. Oktober 2013

Das Ehepaar Bierfeld mit einer angepassten Dacia-Karosserie im Pfarrgarten von Botsch.
Foto: Ralf Sudrigian

Wenn ein altes Uhrwerk wieder richtig läuft, also zu neuem Leben erweckt wird, dann sei das für ihn ein besonderes Gefühl voller Genugtuung. Zoltan Boér, heute 77, glaubt, dass diese Beschäftigung ihn irgendwie auch jung hält.

Sein jüngster Einsatz, im September, brachte ihn nach Botsch/Batoş eine Gemeinde im Kreis Mieresch/Mureş, nicht fern von Sächsisch Regen/Reghin gelegen. Dort wollte die Heimatortsgemeinschaft (HOG) in Deutschland die Turmuhr aus ihrer Heimatgemeinde wieder betriebsfähig machen. Es handelt sich um ein Uhrwerk Ende des 19. Jahrhunderts von der Firma „Fuchs und Sohn“ aus Bernburg in Deutschland hergestellt. Zoltan Boér erfuhr über dieses Vorhaben von Pfarrer Johann Zey aus Sächsisch Regen. Dort hatte er auch in Sachen Turmuhr nach dem Rechten gesehen aber nur was die Mechanik des Uhrwerks betrifft und nicht die Elektroanlage.

In Botsch verweilte Boér zwei Wochen. Kirchendiener Roland Bierfeld und Ehefrau Elisabeth wie auch Johann Kovács, der Sohn der Kuratorin, halfen mit bei den Arbeiten, wo auch Hilfe notwendig war, und zwar beim Auswechseln der alten Kabeln mit neuen. Diese konnte Boér mit Hilfe seines Sohnes aus Deutschland beschaffen. Das Uhrwerk im Glockenturm der Kirchenburg wurde gereinigt und mit Motoröl geschmiert; die Achsen ausgebaut und mit Vaselin versehen. Wichtig war auch zu erklären, wie das Uhrwerk gewartet wird, das nun jeden zweiten Tag aufgezogen werden muss.

Vorher hatte er alles in Detail fotografiert und zu Hause vor dem Monitor genau untersucht. So wusste Boér ungefähr, was an Reparaturen unternommen werden musste und was für Werkzeuge er mitnehmen sollte. Boér erzählt auch über eine Besonderheit der Botscher Turmuhr, die nun leider nicht mehr erhalten werden konnte. Über zwei kleine Hämmer schlug die kleine der drei Glocken die Viertelstunden an, was weiter nichts Besonders wäre. Aber das geschah mit 4, 8, 16 und, vor der vollen Stunde, mit 32 Schlägen. Das Hammer-System ist leider endgültig kaputt – heute, auch dank dem Kronstädter Hobby-Uhrmacher, schlägt ein Hammer jede Viertelstunde an der mittleren Glocke an.

Zoltan Boér hatte auch die Gelegenheit im benachbarten Deutsch-Zepling/Dedrad das dortige Uhrwerk derselben Bauart in Augenschein zu nehmen. Da waren glücklicher-weise nicht Reparaturen notwendig, sondern eine Einstellung der Pendel-Gegengewichte und Erklärungen, wie das Uhrwerk täglich richtig aufgezogen werden soll, damit es nun wieder die genaue Uhrzeit anzeigt.

Kommentare zu diesem Artikel

Wolfgang, 20.10 2013, 19:25
Da ich im Schuljahr 1963/64 hier Grundschullehrer gewesen bin, hätte es mich sehr interessiert, ob es noch eine deutsche Sektion an der Schule gibt und auch ob die Kirche noch zu evangelischen Gottesdiensten genutzt wird. Einige Informationen mehr hätten sich bei diesem (guten) Artikel angeboten.
Grüße aus Nürnberg

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