Ein Fest für alle Sinne

Das CibinFest – Wiesn pe româneschte am Hermannstädter Großen Ring.

Dienstag, 02. Oktober 2012

Bürgermeister Klaus Johannis, Sozialattaché Barbara Schöpfnagel und der österreichische Honorarkonsul Andreas Huber (v.l.) mit den ersten Biermaßen.

„Spatzen 2000“ schonten ihre Stimmbänder nicht.

Bunt und laut ging es beim „Oktoberfest pe româneschte“ am Großen Ring zu.
Fotos: Andrey Kolobov

Hermannstadt - Man muss es gesehen, gehört, gerochen, geschmeckt und gespürt haben. Sonst hat man nur eine ungefähre Ahnung davon, was sich in den letzten vier Tagen der Vorwoche am Hermannstädter Großen Ring/Piaţa Mare abgespielte. Zusammenfassen könnte man es mit den Worten: „Es war ein Fest“.

Die zweite Auflage des CibinFestes oder „Oktoberfest pe româneschte“ verlagerte sich heuer vom Stadtrand ins Zentrum, auf den Hauptplatz von Hermannstadt/Sibiu. Die Verwandlung des Großen Rings in einen riesigen Jahrmarkt geschah schnell. Am Donnerstagvormittag standen alle Karussells, Verkaufsstände und selbstverständlich das große Festzelt, die nun auf die Besucher warteten. Und sie kamen in Scharen.

Am Donnerstag, pünktlich um 18.30 Uhr, erschien Bürgermeister Klaus Johannis im Zelt, um dem Anstich beizuwohnen. Die Zeltgäste begrüßten ihn mit Jubelrufen, wie einen Popstar. „Das letzte Mal hatten wir vor zwölf Jahren ein großes Bierzelt am Großen Ring“, erinnerte Johannis das Publikum. „Ich glaube, wir beginnen heute eine neue Tradition in Hermannstadt, die den Erfolg aus dem Jahr 2000 toppen wird“, sagte er wahrscheinlich ohne zu wissen, dass seine Worte prophetisch sein sollten. Die Ehre, das erste Fass anzuzapfen, überließ der Bürgermeister dem Honorarkonsul Österreichs in Hermannstadt, Andreas Huber. Mit einem riesigen Hammer bewaffnet, brauchte Huber nicht lange und das erste Bier floss zum traditionellen Aufschrei „O´zapft is!“ in die Maße.

Der Bierstrom hörte für die Dauer des Festes nicht auf. Die Anzahl der Besucher kann man nur schwer schätzen. Es herrschte ein ständiges Kommen und Gehen. Manche sprechen von 60.000 Besuchern, die über 50.000 Biergläser geleert haben. Bis zum Sonntagabend wurden alle Schweinshaxen aufgegessen, hunderte von Kilogramm Weißwurst verspeist, Hektoliter von Erfrischungsgetränken getrunken und, was nicht unwichtig ist, tausende von Dezibel Lärm produziert.

Einen erheblichen Beitrag zur Steigerung des Geräuschpegels leistete die österreichische Band „Spatzen 2000“, die an jedem Abend von 19 Uhr an das Zelt aufheizte. Deutsche Schlager und weltbekannte Lieder wurden von Festgästen mit erstaunlicher Leichtigkeit aufgenommen und mitgesungen. An keinem Abend wollte das Publikum die Sänger zur vorgeschriebenen Zeit von der Bühne entlassen. Immer wieder erklangen die „Zugabe“-Rufe und die Band sang noch ein letztes und dann noch ein allerletztes Lied. Verabschiedet haben sich die Sänger  „bis zum nächsten Jahr“.

Auch die Tanzgruppenauftritte durften beim „Oktoberfest pe româneschte“ nicht fehlen. An zwei Abenden führten die Mitglieder der Tanzgruppe des Hermannstädter Jugendforums sächsische Tänze auf. Aus Anlass des CibinFestes kam auch die Tanzgruppe „Ringelrein“ aus Bacău nach Hermannstadt. Nach dem erfolgreichen Auftritt beim Oktoberfest in ihrer Heimatstadt wollten die jungen Tänzerinnen und Tänzer auch das Hermannstädter Publikum von ihrem Können überzeugen. Die beiden Vorführungen am Samstagnachmittag wurden von den Zeltbesuchern mit Begeisterung aufgenommen. Nach getaner Arbeit eilten aber die Jugendlichen zu den zahlreichen Attraktionen, die sie alle kostenlos ausprobieren durften.

Die Karussells trugen erheblich zum Erfolg des Festes bei. Sie erfreuten sich nicht nur bei den kleinen Besuchern großer Beliebtheit. Man hing kopfüber in der Luft, drehte sich mit hoher Geschwindigkeit im Kreis, hüpfte, sich im Takt zur lauten Musik drehend, oder erlebte einen Kurzfilm in einem 7D-Kino. Wer sich und seinem Magen diese Höllenfahrten ersparen wollte, hatte auch ruhigere Möglichkeiten zur Auswahl. Letztendlich konnte man einfach bummeln, den Traubenmost trinken, die kandierten Nüsse oder Baumstritzel verspeisen oder einfach staunen. Zu sehen gab es auch außerhalb des Zeltes genug. Nicht wenige Festbesucher kamen in Tracht. Die Pflichtkleidung des Oktoberfestes – Dirndl und Lederhosen – sah man nicht nur an den deutschsprechenden Besuchern. Wer das „Oktoberfest pe româneschte“ in diesem Jahr verpasst hat, sollte sich unbedingt vornehmen, dieses Fest für alle Sinne im nächsten Jahr zu besuchen.

Kommentare zu diesem Artikel

Heinz, 25.04 2013, 22:13
Wann war das 1. Oktoberfest in Hermanstadt ?
Cornelia, 04.10 2012, 09:34
Traditionell waren diese Feste, wie der Name sagt auf der WIESE am Stadtrand und nicht im Stadtzentrum. Und dass nicht ohne Grund. Das historische Stadtzentrum wird degradiert zur Fassade für den Kommerz. Ohrenbetäubender Lärm, riesige LKWs, Technische Monster, fast so hoch wie das Jugenstilrathaus missachten die primäre Funktion der Stadt als Wohn- und Lebensraum
Saskia, 02.10 2012, 21:41
In Motzen seid Ihr alle gut, das Fest ist einfach ganz toll gelungen und es hat wirklich Freude gemacht. Wer sein Bier aus dem Glas trinken möchte, kann doch gerne sein eigenes Maß mitbringen. Ich freue mich auf nächstes Jahr!!! Vielen Dank an die Veranstalter!
micael Kothen, 02.10 2012, 19:53
Also ich mag solche Parties auch nicht unbedingt. Aber 40.000 - 50.000 Hermannstädter. Also kann man nur von einem Erfolg sprechen. BRAVO. GUT SO. Lasst uns was neues schaffen.
Wems nicht passt: Macht doch was anderes! So wie ich. Aber meint doch nicht immer, das Ihr der Mittelpunkt der Erde seid. Eure Arroganz ist ja kaum noch zu ertragen.
Und dann noch der Oberste Sachsenerhalter Hans: Passen Sie auf, sonst werden Sie noch von Ihrem Sachsen-Heiligenschein erdrückt.
Guido, 02.10 2012, 18:13
Schon traurig, wenn da wieder Probleme wegen der schönen Maßkrüge gemacht werden, ein normaler Mensch wird das sehr schwer verstehen, oder sind wir noch nicht in Europa angekommen !!?? Aber egal, die was daraus ein Problem erzeugen, die hätten ja so viele andere wichtigere Angelegenheiten zu regeln, oder hat man vergessen zu Schmieren !!??
Andrey, 02.10 2012, 16:02
Meine Herren,
es war eben ein CibinFest und kein Münchner Oktoberfest. Wer das echte Oktoberfest erleben wollte, sollte es eben in München versuchen.
Vom Kulturmißbrauch würde ich hier wirklich nicht sprechen. Genau so wie ich das Fest als sinnentleert und überflussig nennen würde. Dass das CibinFest kommerziell ist, will auch keiner bestreiten.
Und es ist tatsächlich in Rumänien aus der gesetzlichen Sicht schwierig, das Bier in echten Krügen auszuschenken.
Hans, 02.10 2012, 12:24
Kommerz kennt keine Grenzen, da erübrigt sich die Geschmacksfrage. Bedauerlich, dass Hermannstadt so "fremdgeht" und sich eine fremde Tradition überstülpt. Eine überflüssige, sinnentleerte Nachahmerei. Andererseits: Wo überall feiert man heutzutage das US-amerikanische Hallowee, fast schon als wär es ein alter Brauch. Für die Konsumwirtschaft und den gedankenlosen Feierkult ein zusätzliches Aktionsfeld. All das bereichert aber auf jeden Fall unsere globalisierte Welt der Absurditäten.
Guido, 02.10 2012, 08:47
Da muß ich Dir beistehen mein lieber Rudi, der Name "Oktoberfest ", der wird ja inzwischen wohl weltweit benutzt, und auch mißbraucht, aber so manche Ausdrücke wie z.B. WIES`N,etc., die sollte man besser dort lassen, wo sie auch herkommen, denn das hatte ja nichts mit Wiesen zu tun! Und auch mit den Maßkrügen, da hast Du schon Recht, aber so wie ich Rumänien kenne, braucht man da wieder eine Ausnahmegenehmigung (Autorizatie), denn die wurden ja nicht von den Rumänen erfunden ! Aber trotzdem, Respekt den Organisatoren, die ersten guten Ansätze sind ja gemacht, es kann ja nur besser werden !!!!
Rudi, 02.10 2012, 08:02
Ja,Ja, hier wird von Biergläsern gesprochen, und die Herren beim Bieranstich, zeigen stolz die schönen Maßkrüge - die Realität, sah allerdings sehr beschämend aus- P L A S T I K B E C H E R ! Das ist Kulturmißbrauch, hier war nur der Name, und die Musik original , da würde der Name Cibinsfest o. Stadtfest schon genügen, und ich bin mir nicht sicher, ob einer der Organisatoren, bzw. der Verfasser dieses Berichtes, schon mal auf dem Münchner-Oktoberfest war!!

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