Ein Hauch dualer Ausbildung in Sicht

Notgedrungen werden viele zu Minimalisten

Donnerstag, 28. Juni 2012

Fachausbildung muss auch an die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt angepasst werden, spricht Sebastian Metz, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied (erster von rechts) der AHK in Bukarest, einen wichtigen Aspekt an.

Die Deutsch-Rumänische Handelskammer (AHK) und die Deutsche Botschaft in Bukarest wissen um den Fachkräftemangel deutscher Firmen in Rumänien Bescheid. Zusammen mit den Wirtschaftsklubs in den Regionen bemühen sie sich um eine fachlich gute Ausbildung. Diese sei jedoch nur über eine duale Vorbereitung nach dem deutschen Modell möglich, wissen Unternehmer, Verantwortliche in Botschaft und Außenhandelskammer Deutschlands sowie Politiker - zumindest jene der deutschen Minderheit in Rumänien. „Die Entwicklung des rumänischen Mittelstandes findet nur dann statt, wenn im Bereich unterhalb der universitären Ausbildung leistungsfähige Qualifizierungssysteme in Rumänien entwickelt werden“, so Radu Merica, Präsident der AHK Rumänien.

Seit Jahren gäbe ihm jeder Bildungsminister recht, wenn er für die duale Ausbildung plädiert, konkret wurde jedoch nichts unternommen, sagt Ovidiu Ganț: „Alle taten, als hätten sie es verstanden, keiner setzte es jedoch um. Nur Sie können das ändern“, setzt der DFDR-Abgeordnete viel Hoffnung in die deutschsprachigen Unternehmer, die mit dem Argument ihres Wirtschaftspotenzials und der geschaffenen Arbeitsplätze aufwarten können. Hoffnungsträger war für die Mitglieder des Deutschsprachigen Wirtschaftsclubs im Banat lange Zeit der Ex-Minister Daniel Funeriu. Es ist jedoch beim Versprechen geblieben, sein Nachfolger aus der eigenen Partei hatte kaum Zeit seinen Stuhl zu wärmen und die USL hat zu Mandatsbeginn regelrechten Ministerverschleiß im Bildungsbereich. Zwar gibt es positive Ansätze, dass überhaupt Berufsschulen erneut gegründet worden sind und dass eine bessere Kooperation zwischen Firmen und Schulen gesichert wird, dennoch müssen viele der Initiatoren ihre gesteckten Ziele auf jeden Fall mindestens eine Etage tiefer verlegen.

Im Schulamt in Temeswar/Timișoara gibt der Leiter Marin Popescu leise zu, dass zumindest die Ausbildungsdauer unterschiedlich ist zwischen Realität und Vorstellung der Unternehmer und wenn es um den Start-up geht, fehlen Schulwerkstätten und wohl auch Ausbilder. Bernd Rippert, Leitender Schulamtsdirektor zuständig für zwei Landkreise in Hessen, kann zum Thema Infrastruktur in den rumänischen Berufsschulen bloß den Kopf schütteln. Fachleute wissen jedoch, dass es vor allem in technischen Fächern ohne Werkstätten und Labors für die primäre Ausbildung nicht geht. Und gerade da scheint es trotz theoretischer Ansätze im Bereich „Praktisches“ zu mangeln. Man muss kein geborener Pessimist sein, um zu wissen, dass während der kommenden zweieinhalb Monate Ferien keine Werkstätten nach halbwegs akzeptablem Standard in den Schulen entstehen werden.

Versöhnlich sehen es in Rumänien ansässige Unternehmer und Werksleiter. Es ist zumindest Mal ein Anfang, meinen manche, wenn nun Berufsschulen unter punktuell verbesserten Voraussetzungen gegründet werden. Genau genommen finden sie sich mit dem Positiven ab, das ein „merge și așa“ („es geht auch so“) in Rumänien in sich tragen kann.

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